“Partizipation zwischen Lust und Frust” – Ein Bericht von der Pfingstakademie Jugendbeteiligung 2011

Geschrieben von Martin Hurter (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Juli 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/07/pfingstakademie-jugendbeteiligung-2011/>
Abgerufen am 15. Dezember 2019 um 16:50 Uhr

Bei der Pfingstakademie Jugendbeteiligung 2011 trafen sich 100 junge Menschen aus ganz Deutschland, die sich in den unterschiedlichsten Jugendinitiativen und Organisationen für mehr politische Bildung und Jugendbeteiligung einsetzen. Die Jugendlichen sind nach Berlin ins WannseeFORUM gekommen, um mit Gleichgesinnten Erfahrungen, Ideen und Projekte auszutauschen, aktuelle Themen rund ums Thema Jugendbeteiligung zu diskutieren, sich für die Arbeit vor Ort fortzubilden und mit anderen Organisationen zu vernetzen.

Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren auch dieses Jahr mehrere, engagierte Jugendliche aus Schwaben, die sich unter anderem bei der „SchülerInnenOrganisation für Augsburg (SOfA)“, in der „LandesschülerInnenVereinigung (LSV) Bayern“ oder bei der Kaufbeurer Jugendgruppe „Die Salzstreuer“ engagieren.

In so genannten „Querschnitts-AGs“ informierten sich die Jugendlichen und diskutierten über aktuelle Themen. Einer Gruppe stand Ingrid Nestle, MdB und Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen Bundestagsfraktion, als kompetente Ansprechperson zu Thema „Energiewende und Klimawandel“ Rede und Antwort. Anschließend diskutierte die Gruppe über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Energieformen und die Verantwortung der Jugend und nahmen in einem Planspiel die Perspektiven der unterschiedlichen Akteure ein.

Den Auswirkungen von „Internet und freiem Datenfluss“ auf die Demokratie und Gesellschaft widmete sich eine andere Gruppe, die gleich die neuen Möglichkeiten des Netzes nutzten, um online über Zensur, Urheberrecht, Macht und Beteiligungsformen zu diskutieren. Weitere Jugendliche setzten sich mit außerparlamentarischen Formen der Beteiligung auseinander. Dabei bewegten sie Fragen wie: Wann steht eine Entscheidung endgültig fest? Und kann sie das jemals? Welche Entscheidungen kann man den Bürgerinnen und Bürger überlassen und welche darf der Staat überhaupt für sie treffen? An welchen Grundsätzen darf nicht gerüttelt werden? Und wie kann man diese wahren?

Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „Partizipation zwischen Lust und Frust“ gab es dann auch eine Podiumsdiskussion mit ExpertInnen aus Politik, Stiftungen, Wissenschaft und Verwaltung zur Frage „Was motiviert mich zu und was hindert mich an Engagement?“. Doch im Laufe der Diskussion zeigten die Jugendlichen, wer die eigentlichen „ExpertInnen“ sind, und erklärten den Gästen, wie sich die Rahmenbedingungen auf ihr Engagement auswirken. „Wenn keine langfristige Finanzierung besteht und man immer mehr auf kurzfristige Projektfinanzierung angewiesen ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass Jugendliche sich nicht mehr langfristig engagieren,“ erklärt eine Teilnehmerin. Aber auch eine neue Misstrauenskultur (z.B. durch die Demokratieerklärung) und unnötige Doppelstrukturen, wie mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes, stoßen auf Unverständnis und werden als frustrierend erlebt. Wichtig war es den Jugendlichen auch, dass sie sich (auch mit ihren Ideen, Talenten und Vorstellungen) und nicht nur mit  ihrer Arbeitskraft einbringen wollen.

In den „Werkzeug-AGs“ konnten die Jugendlichen sich dann unter Anleitung erfahrener Referentinnen und Referenten mit Netzwerkmanagement, Fundraising und Stimmbildung weiterbilden, sich in Geocaching oder Veranstaltungsmoderation ausprobieren. Sie konnten im Projektmanagement planen, wie man in kürzester Zeit ein Konzept für ein Schwimmbadkino entwickelt, oder in Sachen „Campagning“ von der Erfahrung von Laura Valetukeviciute, die anfangs für attac Kampagnen gestaltete und vor kurzem für den Verein „Gemeingut in Bürgerhand“ die Kampagne zum Berliner Volksentscheid zur Offenlegung der Verträge zur Teilprivatisierung der Wasserversorgung koordinierte. Sie erklärte den Jugendlichen bildlich: Wenn man sich politisches Engagement als Sonnenstrahlen vorstellt, die die Gesellschaft in Bewegung bringen, dann ist eine Kampagne das Brennglas, das die Energie auf einen gemeinsamen Zielpunkt bündelt und dort das Feuer der Veränderung entfacht. Einige Jugendliche studierten unter professioneller Begleitung sogar eigene Beiträge im politischen Kabarett ein, die bei der Vorführung im Abschlussplenum die Stimmung zum Kochen brachte.

(http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2011/07/pfingstakademie-jugendbeteiligung-2011/246814_2169812888566_1344041819_2658663_7881280_n/)

Die Pfingstakademie Jugendbeteiligung findet seit 2002 jährlich an Pfingsten statt. Sie wird veranstaltet von WannseeFORUM in Kooperation mit der Servicestelle Jugendbeteiligung und der Jugendpresse Deutschland und wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Weitere Informationen unter:

www.pfingstakademie.de (http://www NULL.pfingstakademie NULL.de/)

www.jugendpresse.de (http://www NULL.jugendpresse NULL.de/)

(http://www NULL.jugendpresse NULL.de)www.wannseeforum.de (http://www NULL.wannseeforum NULL.de/)

www.servicestelle-jugendbeteiligung.de (http://www NULL.servicestelle-jugendbeteiligung NULL.de/)