Forschungsstelle FENESTRA in Benediktbeuern: Seit den 90er Jahren aktiv gegen sexuelle Gewalt

Geschrieben von Michalina Jonderko (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. August 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/08/forschungsstelle-fenestra-benediktbeuern/>
Abgerufen am 8. Mai 2021 um 06:08 Uhr

Spätestens seit dem letzten Jahr ist der Begriff „Sexueller Missbrauch“ in aller Munde. Dass dieses Thema nicht erst seit gestern existiert, möchten wir in einem zweiteiligen Beitrag über die Forschungsstelle FENESTRA (http://www NULL.fenestra-institut NULL.de/pages/index NULL.php) in Benediktbeuern zeigen, deren Arbeit schon seit den 1990er Jahren erfolgreich ist.

Den Anfang macht diesen Monat die Vorstellung der Forschungsstelle und ihrer bisherigen Arbeit.

Was ist FENESTRA?

FENESTRA  ist eine ursprünglich von Prof. Dr. Günter Schatz und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Christine Klein an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern angesiedelte Forschungsstelle zur Prävention von sexueller Gewalt.

Sie folgte dem Ursprungsprojekt ZISSG  (Zentrale Informationsstelle Sexuelle Gewalt). Diese war in den Jahren 1999-2001 vom Bayerischen Sozialministerium in Auftrag gegeben und an der KSFH München, Abt. Benediktbeuern angesiedelt. Die erarbeiteten Ergebnisse von ZISSG bildeten die Grundlage eines neuen Referates der Aktion Jugendschutz, das von 2001 bis einschließlich 2004  mit der Referentin Christine Klein erfolgreich tätig war. Die Arbeit konnte aufgrund fehlender Finanzierungsmittel und Haushaltseinsparungen der damaligen Regierung Stoiber in dieser Form nicht weitergeführt werden. Um die erarbeiteten Daten, Erkenntnisse und Erfahrungen nicht verloren zu geben, wurde im Jahr 2005 durch Prof. Schatz und Christine Klein  das Forschungsprojekt „FENESTRA“ an der KSFH Benediktbeuern gegründet, das mittlerweile in Forschungsstelle umbenannt wurde, um den langwierigen Charakter der Arbeit zu unterstreichen.

Das Ende von FENESTRA an der KSFH zum 31.03.2011, die Hintergründe und damit verbundenen Veränderungen sowie die Neugestaltung und Zukunft der Forschungsstelle sind das Thema des zweiten Berichts, der nächsten Monat erscheinen wird.

Was sind die Aufgaben und Ziele?

Die Arbeit von FENESTRA ist sehr vielfältig, sodass im Folgenden einige wenige der Aufgaben und Ziele vorstellt werden. HIER (http://www NULL.fenestra-institut NULL.de/pages/Konzept-Ziele NULL.php) können Sie sich genauer informieren und nachlesen.

Der Ansatz von FENESTRA ist vor allem die vorbeugende Prävention von sexueller Gewalt. Dies beinhaltet auf mehreren Ebenen die konkrete Verhinderung sowie auch schnelle Beendigung und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch. FENESTRA entwickelt Konzepte für Fortbildungen und Arbeitsmaterialien zur Unterstützung von PädagogInnen an der Basis, d. h. für Kindergarten/Kindertagesstätten, Schulen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, also überall dort, wo pädagogische Fachkräfte es direkt mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Im Laufe der Zeit wurden ebenso zahlreiche Arbeitsmaterialen entwickelt.

Als Themenschwerpunkt kristallisierte sich in den letzten Jahren unter anderem die theaterpädagogische Präventionsarbeit heraus: In Zusammenarbeit mit EUKITEA gGmbH (http://www NULL.eukitea NULL.de/) Diedorf koordiniert FENESTRA seit 2007 das Theaterprojekt an Grund- und Förderschulen „Mein Körper ist mein Freund“ und übernimmt auch konkret die pädagogische Begleitung. Das Projekt wurde auf diese Weise bisher in ca. 150 Schulen durchgeführt, die Rückmeldungen sind durchweg positiv, weil sachlich-informativ, impulsgebend, tabubrechend, motivierend, entlastend und überaus kreativ und kompetent nach bisherigem Wissenstand. Das Theaterstück wird durch drei professionelle Schauspieler und Musiker in Szene gesetzt, die gleichzeitig auch PädagogInnen sind. Die Arbeit wird regelmäßig reflektiert und aufgrund der Erfahrungen verbessert.

Wie war die bisherige Finanzierung?

Von Beginn an wird FENESTRA ausschließlich durch Drittmittel des privaten Sponsors „Entstrickung e.V. (http://www NULL.entstrickung NULL.de/pages/index NULL.php)“ finanziert . Dank der unermüdlichen Arbeit des 1. Vorsitzenden Herrn Theo Wenig konnten Fördermitglieder mit ihrer finanziellen Unterstützung die Arbeit von FENESTRA über Jahre aufrechterhalten. Weder von staatlicher Seite (Sozialministerium) noch von Seiten der Stiftungsverwaltung der Katholischen Stiftungsfachhochschule erhielt FENESTRA finanzielle Unterstützung. Für das an der KSFH angemietete Büro zahlte FENSTRA Miete an das Kloster Benediktbeuern. In den ersten beiden Jahren arbeitete die wissenschaftliche Mitarbeiterin, Christine Klein ausschließlich auf der Basis von Werkverträgen, die jährlich neu verfasst wurden. Von 2007 bis zum Ende von FENESTRA am 31.3.2011 kamen dann – aufgrund regelmäßiger Zahlungen – Arbeitsverträge über jeweils zwei Jahre zustande.

Frau Klein, was ist das Besondere an FENESTRA?

„Man könnte eine besondere Aufgabe von FENESTRA so bezeichnen: Prof. Schatz und ich haben in unserer Arbeit versucht, bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse zum Themenbereich „sexuelle Gewalt“ mit dem von uns eruierten Bedarf an der Basis, den wir durch die Arbeit mit Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen von Fortbildungen, runden Tischen, Umfragen, persönlichen Gesprächen und Interviews in Erfahrung gebracht haben, in Verbindung zu bringen um daraus neue Konzepte für Fortbildungen und Arbeitsmaterialien zu entwickeln.

Weitere Besonderheiten von FENESTRA sind ebenso die Verbindung von Forschung/Lehre und Praxis, die in Deutschland so einmalig ist! Seit 1999 finden regelmäßig Lehrveranstaltungen zum Themenbereich Prävention sexueller Gewalt an der KSFH Benediktbeuern statt. Erkenntnisse und Erfahrungen können auf diese Weise in synergetischer Weise miteinander verbunden werden. Durch die finanzielle Eigenständigkeit konnte FENESTRA – unabhängig von staatlichen und kirchlichen Vorgaben – dem Bedarf der Praxis nachgehen und sinnvolle Angebote entwickeln. “

Weshalb ist FENESTRA für die Gesellschaft so wichtig?

„Weil das Thema konsequent seit beinahe 12 Jahren auf kreative, verständnisvolle, kompetente und praxisnahe Weise umgesetzt wird. Wie der Name FENESTRA ( lat. Fenster) aussagen will, soll FENESTRA Licht ins Dunkel bringen, sprich Tabus aufbrechen, Sachdiskussionen anstoßen, an der Basis Vertrauen wecken, sich als Teil der pädagogischen und gesellschaftlichen Gesamtaufgabe dieser Thematik anzunehmen. Erwachsene sind zuständig für den Schutz von Kindern, damit sie unbeschadet aufwachsen können, nicht im Sinn von Bewahrung, Verschonung und Überbehütung sondern  getreu nach dem Motto: beschützen – begleiten – befähigen. Außerdem werden im Rahmen des Lehrauftrages an der KSFH Benediktbeuern StudentInnen der Sozialpädagogik auf ihr künftiges Arbeitsfeld vorbereitet. Zudem sind die Vorteile kurze Wege (Prof. Schatz, Christine Klein gemeinsam an der KSFH), große Vernetzungskompetenz und -kenntnisse mit Fachstellen und Hilfesystemen bundesweit, umfangreiches recherchiertes breites Wissen über dieses vielfältige Thema und ein aktueller Literaturbestand.“

Dieser Bericht entstand in enger Zusammenarbeit mit Frau Christine Klein, der ich an dieser Stelle ganz herzlich Frau Christine Klein (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2011/08/forschungsstelle-fenestra-benediktbeuern/christineklein/)danken möchte!

 

 

Kontakt: www.fenestra-institut.de (http://www NULL.fenestra-institut NULL.de/)

christine.klein@fenestra-institut.de (christine NULL.klein null@null fenestra-institut NULL.de)