Das “neue“ FENESTRA Institut: Kreativ, erfolgreich und absolut zukunftsweisend in der Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt und für die Stärkung von Kindern und Jugendlichen.

Geschrieben von Michalina Jonderko (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. September 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/09/das-neue-fenestra-institut/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:49 Uhr

Letzten Monat berichteten wir bereits über die Benediktbeurer Forschungsstelle FENESTRA (http://fenstra-institut NULL.de), deren Zielsetzung sich auf mehreren Ebenen und vielen Projekten für die Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt bewegt. Wie bereits angedeutet, musste die Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Stiftungsfachschule München, Abt. Benediktbeuern  (KSFH) und der Forschungsstelle FENESTRA zum 31.03.2011 eingestellt werden. Damit geht diese in Deutschland wohl einmalige Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis im Bereich Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen verloren. Der Abschied ging, zumindest für die StudentInnen der Hochschule, still und leise von sich. Auf einmal stand das allen so gut bekannte Büro mit den weißen Orchideen im Fenster leer. Es macht stutzig und verwirrt: Warum “schließt“ eine so erfolgreiche Institution gerade jetzt?!

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen gab es einen massiven Einbruch der Anzahl der Fördermitglieder des Vereins Entstrickung e.V. Der Verein hatte  die Forschungsstelle FENESTRA bisher finanziell unterstützt. Weshalb ausgerechnet in einem Zeitraum, in dem bundesweit die Missbrauchsdiskussion öffentlich intensiv diskutiert wird, kann allgemein nur schwer nachvollzogen werden. Die Ansparungen an Fördermitteln waren hierdurch bald aufgebraucht. Um dem finanziellen Aus vorzubeugen, bemühte sich FENESTRA um andere Lösungen. In diesem Prozess ergab sich ein Auftrag des Sozialministeriums, der die Implementierung eines Konzeptes in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und befristet auf zwei Jahre vorsah. Dieser Auftrag hätte zur Folge gehabt, die eigene begonnene, erfolgreiche Arbeit zu vernachlässigen und wurde deshalb von FENESTRA – nach eingehender Prüfung – nicht angenommen- Den Auftrag hat mittlerweile die Aktion Jugendschutz Bayern e.V. erhalten, die diesen nun umsetzt.)

Doch bedeutete diese Entscheidung das Aus für FENESTRA an der KSFH in Benediktbeuern. Um die bisherige Arbeit weiterzuführen, gründete Frau Klein auf selbstständiger Basis das FENESTRA -Institut. Dieses finanziert sich nun durch Honorare für durchgeführte Workshops, Fortbildungen, sowie Vorträge, den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit und durch gelegentliche finanzielle Unterstützung des Vereins Entstrickung e.V..Das FENESTRA Institut hat eigene, neue Büroräume bezogen. Derzeitige und geplante Themenschwerpunkte des FENESTRA-Institutes sind die theaterpädagogische Präventionsarbeit sowie die präventive Jungenarbeit. Weiterhin bestehen fruchtbare Kooperationen beispielsweise mit dem Jugendamt des Landkreises Bad Tölz Wolfratshausen. Gemeinsam soll – in der Zusammenarbeit mit einer Grund-und Hauptschule – in absehbarer Zeit ein Modellkonzept zur Prävention sexueller Gewalt entwickelt werden, das auch anderen Schulen zur Verfügung gestellt werden könnte. Zusätzlich besteht mittlerweile im Landkreis die Arbeitsgruppe F.E.L.S.: Sie besteht aus mehreren vom Jugendamt und von FENESTRA geschulten Fachkräften, Sozialpädagoginnen/ Sozialpädagogen, Erzieherinnen aus unterschiedlichen Einrichtungen sowie einer Juristin, die als Anlaufstelle im Landkreis für Fragen zu sexuellem Missbrauch, bzw. Verdacht fungieren. Diese Anlaufstelle könnte richtungsweisend sein zur Unterstützung von pädagogischen Fachkräften, die direkt mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben und auch als „Brücke“ verstanden werden zwischen der pädagogischen Basis und dem Jugendamt sowie anderen Fachstellen im Landkreis.

Fragt man Frau Klein nach der Zukunft von FENESTRA, so ist sie optimistisch gestimmt und erläutert mit ansteckender Begeisterung die Pläne für die Zukunft. Auf jeden Fall soll die kreative, unabhängige Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen fortgesetzt werden. Ebenso plant Frau Klein die Schaffung eines kleinen “Beirates“ zur Unterstützung bei der Reflexion der Arbeit sowie der Entwicklung von neuen Konzepten und Perspektiven.

Es ist faszinierend, wie viele Ideen und Ansätze im Interview deutlich werden: . Wie kann der Lebenskompetenzansatz intensiviert und neu belebt werden z. B.  durch musische und körperorientierte Arbeit oder auch das Philosophieren mit Kindern in Kindergarten und Schule? Erwiesenermaßen tragen Musik, Tanz, Bewegung, Singen, Theater zur Lebensqualität und zur Entwicklung von Selbstbewusstsein entscheidend bei. Besonders Kinder in schwierigen oder unzureichenden Lebenssituationen könnten damit auch alternative Perspektiven entwickeln lernen. Dass „Kinder, lernen über sich nachzudenken und was in ihrem derzeitigen Lebensabschnitt von Bedeutung ist und darüber auch zu sprechen, birgt die Chance, dass  sie evtl. weniger gefährdet sind, sich manipulieren und sich einreden zu lassen, was gut für sie ist (vgl. Täterstrategien = Meister der Manipulation).“

Ein weiteres Thema: FENESTRA hat im Oktober 2010 das Buch herausgegeben: „Jungenarbeit präventiv! Vorbeugung von sexueller Gewalt an Jungen und von Jungen“. Fachleute haben darin Lösungsansätze vorgestellt,  die in der Praxis von engagierten Jungenarbeitern auch schon umgesetzt werden. Die Verbreitung dieser wichtigen Aufgabe, z. B. durch die Initiierung von Schullandheimaufenthalten mit geschlechtsspezifischer Arbeit sollen helfen die Arbeit sinnvoll in bereits bestehende Institutionen und Konzepte zu integrieren.

„Ich bin sehr positiv gestimmt, dass die Arbeit gut weiter geht“, sagt Frau Klein.

Unser Team auch!

Die Informationen stammen aus Gesprächen mit Frau Klein