Good bye Hauptschule!

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. November 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/11/good-bye-hauptschule/>
Abgerufen am 23. April 2019 um 21:03 Uhr

Viele bayerische Hauptschulen kämpfen ums Überleben. Um jedoch die weitere Existenz dieser Schulen zu sichern macht sich der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle von der CSU für die Weiterentwicklung der Hauptschulen zu Mittelschulen stark. Mit einer Änderung des Bayerischen Gesetzes über Erziehungs- und Unterrichtswesen im Juli 2010 steht das neue Konzept nun auch rechtlich auf festen Beinen.

So sind zum Schuljahr 2010/2011 fast zwei Drittel der bayerischen Hauptschulen, allein oder in Schulverbänden mit anderen Hauptschulen, zu Mittelschulen geworden. Der Trend setzte sich auch in diesem Jahr fort.

Doch die Änderung bedeutet mehr als nur eine Umbenennung. „Mittelschule“ versteht sich als eine Art Gütesiegel und nur Hauptschulen mit einem breiten Bildungs- und Förderungsangebot dürfen sich so nennen. Voraussetzung ist das Vorhandensein von drei berufsorientierten Zweigen  (Technik, Wirtschaft und Soziales), sowie ein Ganztagesangebot und ein Angebot, das zum mittleren Schulabschluss führt. Außerdem sollte die jeweilige Schule mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit kooperieren.

Darüber hinaus ist geplant die Schüler und Schülerinnen innerhalb eines Klassenverbandes von  einem  Klassenlehrer unterrichten zu lassen. Dies birgt bessere Möglichkeiten einzelne Schüler und Schülerinnen zusätzlich individuell zu fördern. Auch ist nicht mehr eine Mindestgröße von 15 Schülern und Schülerinnen notwendig  um eine Klasse bilden zu können. Somit können also mehr Klassen erhalten bleiben.

Schulen, die die Voraussetzungen alleine nicht erfüllen können, haben die Möglichkeit sich mit anderen Hauptschulen zu einem Schulverband zusammen zu schließen umso das geforderte Angebot bereitstellen  zu können.

Dr. Ludwig Spaenle, hofft durch diese Änderung die Hauptschule zu retten. In einer Pressemitteilung betont er, wie wichtig der Erhalt der Hauptschulstandorte, besonders in kleinen Gemeinden auf dem Land, für die Bürger sei.

Immer geringere Schülerzahlen führten in der Vergangenheit zu Schließungen. Aber auch große Hauptschulen zum Beispiel in München entschließen sich zunehmend dafür, das Konzept der Mittelschule umzusetzen. Man hofft, in dem man den Schülern und Schülerinnen eine bessere Zukunftsperspektive bietet, auch bei den Eltern wieder an Ansehen zu gewinnen und nicht mehr als Auffangbecken der an Gymnasium und Realschule gescheiterten Schüler und Schülerinnen zu gelten.

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, hingegen scheint nicht so überzeugt vom Rettungsplan des Ministeriums für Kultus, Bildung und Sport zu sein. So bezeichnet er die Mittelschule in einem Interview mit Spiegel online vom 06.07.2009 als Etikettenschwindel. Wo Mittelschule draufstehe sei immer noch Hauptschule drinnen und der mittlere Schulabschluss, den man dort erwerben könne, sei kein wirklicher Realschulabschluss, sondern diesem nur angenähert. Herr Wenzel führt zudem an, dass die immer weiter reichende Zerstückelung der  Schulen in immer mehr verschiedene Schultypen nicht der Weg in die richtige Richtung sei. Eigentliches Ziel müsste, berücksichtigte man die Ergebnisse der Pisa-Studien, die Zusammenführung der Schularten sein.

Klaus Wenzel ist nicht der einzige, der Kritik an dem Unternehmen Mittelschule äußert. Auch in München war man zunächst skeptisch und entschloss sich erst ein Jahr später als viele andere Hauptschulen in Bayern 44 von 45 Hauptschulen zu insgesamt 13 Mittelschulverbünden zusammen zu schließen.

Ob die Mittelschulen sich durchsetzten und das halten können, was sie versprechen wird sich wohl erst in den nächsten Jahren zeigen.