“Dahoim isch do, wo’s Gfühl isch!” – Jugendfilme zum Thema “Heimat”

Geschrieben von Dirk Tabellion (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. November 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/11/jugendfilme-zum-thema-heimat/>
Abgerufen am 8. Mai 2021 um 07:13 Uhr

Bei der 12. Schwäbischen Jufinale war das Thema „Heimat“ als Sonderpreis ausgeschrieben. Hierbei wurden die jungen Filmemacher/innen gefragt: „Welche Gedanken und Gefühle verbindet ihr mit dem Thema Heimat?“. Wir haben bei den Veranstaltern nachgefragt wie es zu diesem Thema kam, welche Filme eingereicht wurden und welche Gruppe den Sonderpreis bekommt hat.

 

Redaktion: Wie kam es zum Thema „Heimat“?

Winfried Dumberger-Babiel: (Bezirksjugendring Schwaben): In vielen Filmen, die in den letzten  Jahren zur Jufinale eingereicht wurden, kam eher beiläufig das Thema Heimat vor, z. B. in Form von regionalen Besonderheiten, Dialekt, Kultur oder in sozialen Milieus. Dabei wurden gerne die Beziehungen der Menschen in ihrem Lebensraum charakterisiert.

In letzter Zeit stellen wir in Gesprächen mit jungen Leuten fest, dass für sie das Thema Herkunft eine andere Bedeutung bekommt, wenn sie von zuhause weggehen. Die Erinnerungen an die Kindheit, an die eigenen Wurzeln, an Freunde und Bekannte, an die Landschaft, werden lebendig. Wo habe ich mich wohl gefühlt, wo gibt es Dinge, die mir vertraut sind, wo ist es mir gut gegangen. Diese Gefühle haben natürlich mit Heimat zu tun.

Schließlich gibt es auch subjektive Empfindungen über die eigene Entwicklung, die Einstellung zum Ort aus dem ich komme und zu den Menschen, die dort leben und es gibt Erfahrungen, die damit zu tun haben.

Mit dem Thema „Heimat“ soll auf alles das aufmerksam gemacht werden: die eigene Biografie, der Ort der Kindheit und Jugend, auf die Menschen und ihre Unterschiede, auf die Milieus etc.

Und ein letztes: Angesichts der Abnahme bei der Bevölkerungsentwicklung wird es immer bedeutsamer, der jungen Generation, insbesondere in den Dörfern, eine Bleibeperspektive zu geben. Die Filme von jungen Menschen können uns hier einen Einblick geben und Sichtweisen deutlich machen, was ihnen an ihrem Lebensraum wichtig ist.

Redaktion:  Frau Hörmann, mittlerweile hat die Jury die eingegangenen Filme zum Thema „Heimat“ begutachtet. Wie viele Filme wurden dazu eingereicht und von was erzählen sie?

Barbara Hörmann (Medienfachberaterin): Zur 12. Schwäbischen JuFinale wurden 6 Filme zum Thema „Heimat“ eingereicht, wobei auch andere Filme das Thema streifen.

Es handelt sich um drei Dokumentationen, die sich jeweils mit der Heimat-Gemeinde bzw. -Stadt auseinander setzten. Themen sind die deutsch-französische Städtepartnerschaft Thannhausen – Mortain, der Rothsee in Zusmarshausen und der Stellenwert der Jugendarbeit in Babenhausen.

Neben den Dokumentationen wurden drei Spielfilme eingereicht:

„Das Vogtimännle“, eine Sage aus dem Landkreis Dillingen, welche von einem kleinen Waldwesen handelt.

„Daruma – Von der Sehnsucht, die keine Grenzen kennt“. Eine Geschichte über zwei Frauen – die eine jung, die andere alt – die über ihre aktuellen und bereits gelebten Sehnsüchte zueinander finden.

Der dritte Film ist  „erinnerbar“.

 Redaktion: Welcher Film hat den Sonderpreis bekommen. Was ist das Thema dieses Films. Welche Gruppe hat ihn gedreht, wie hat die Jury den Film bewertet?

Barbara Hörmann (Medienfachberaterin): Der Film heißt „erinnerbar“ vom Team Zissou.

Er handelt von zwei Kindheitsfreunden, (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2011/11/jugendfilme-zum-thema-heimat/jufinale-sonderpreis-erinnerbar/) die sich nach langer Zeit zufällig in einer Bar in der Großstadt fernab der Heimat treffen. Beide können mit dem Landleben ihrer Jugend nichts mehr anfangen. Sie unterhalten sich darüber wie schlimm doch damals alles war. In kurzen Rückblenden erfährt der Zuschauer jedoch, dass es auch sein Gutes hatte, auf dem Land zu leben. Nach dem Gespräch trennen sich die beiden wieder. Was jedoch zumindest bei einem zurückbleibt, ist ein kleiner Hauch des vertrauten Gefühls von Heimat.

Die Jury begründet die Preisvergabe wie folgt: Dahoim isch do, wo’s Gfühl isch!“ Mit unserer Heimat und unserer Kindheit verbinden wir ganz besondere Emotionen, die fernab der Heimat, im Lifestyle der Großstadt, fast in Vergessenheit geraten könnten. Darum geht es in „erinnerbar“. Dem jungen Filmteam aus Friedberg ist es gelungen, genau dieses Gefühl auf berührende und gleichzeitig humorvolle und originelle Art und Weise einzufangen und darzustellen. Er besticht durch die liebevoll gestalteten Rückblenden in die Kindheit der beiden jungen Männer in einem Dorf, eingebettet in die Kneipenszene in der Großstadt sowie durch seine gelungene Kameraführung. Vor allem zeigt er, dass die Erinnerungen an unsere Heimat in unserem Herzen sind, wo es uns auch hin verschlägt“.

Der Film wurde federführend von den Brüdern Andi (Kamera, Schnitt) und Christian (Regie und Drehbuch) Brosche produziert. Mit im Team waren zudem Dominik Baumann (Kamera) und Orchidan Waworka, der die Filmmusik eigenhändig komponiert und gespielt hat.

Redaktion: Frau Hörmann, Herr Dumberger – Babiel, vielen Dank für das Interview.