Der letzte Zivi – der erste Bufdi – ein Gipfeltreffen

Geschrieben von Michael Sell, Redaktion: Dirk Tabellion (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Januar 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/01/der-letzte-zivi-der-erste-bufdi-ein-gipfeltreffen/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:51 Uhr

Im Jahre 2011 endete mit der Wehrpflicht auch der Zivildienst in Deutschland. Die letzten Zivis wurden im Dezember von Bundesfamilienministerin Schröder verabschiedet. Viele soziale Einrichtungen vermissen die Zivis schmerzlich. Auch in der schwäbischen Jugendbildungsstätte in Babenhausen (Jubi) waren immer drei Zivis, v.a. für die Gästebetreuung, eingesetzt. Glücklicherweise gab es bis 30.11.11 noch einen letzten Zivi, Leonard Karl(rechts im Bild), und am 1.12.11 nahm mit Hieronymus Horber (links im Bild)  der erste Bundesfreiwillige (Bufdi) den Dienst in der Jubi auf. Bis November 2011 sah es mau aus mit Bewerbungen für diesen neu eingeführten Dienst. Aber dann kamen doch noch Bewerbungen, was mit dem doppelten Abiturjahrgang und fehlenden Studienplätzen sowie Studienabbrüchen begründbar ist. So kann ab Februar 2012 wieder mit drei Bundesfreiwilligen in der Jubi gerechnet werden.
Wir befragten den letzten Zivi und den ersten Bufdi in der Jubi im Interview:

(http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2012/01/der-letzte-zivi-der-erste-bufdi-ein-gipfeltreffen/dsc_0112/)PBS: Was war Eure Motivation für den Zivil- bzw. Bundesfreiwilligendienst?
Leonard Karl (L): Ich wollte nach dem Abitur noch mal 1 Jahr Pause machen. Außerdem ist ein soziales Engagement eine gute Sache. Ich kannte die Einrichtung der Jugendbildungsstätte aus dem Familien- und Freundeskreis, so dass meine Wahl sofort auf diese Stelle fiel.

Hieronymus Horber (H): Nach der Schulzeit wollte ich was Sinnvolles und Praktisches tun und nicht gleich wieder mit Hochschule und Lernen weitermachen. Und auch einige Bekannte von mir sind auch Bundesfreiwillige und denen macht es viel Spaß. Schließlich möchte ich mich aktiv für die Gesellschaft einsetzen.

PBS: Was ist Dein Resümee nach einem halben Jahr Zivi in der Jubi?
L: Es war abwechslungsreich und familiär. Die Arbeit hat viel Spaß gemacht und ich kann das nur weiterempfehlen. Ich würde mich jederzeit wieder für den Zivi bzw. jetzt Bufdi entscheiden. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen war super. Ich fühlte mich wohl und ernst genommen. Eine tolle Zeit.

PBS: Was ist Dein Eindruck nach einem Monat Bufdi?
H: Alle sind unheimlich hilfsbereit und haben es mir leicht gemacht „anzukommen“. Langsam kenne ich mich im großen Areal aus. Von den Kollegen kann ich viel lernen, das ist toll.

PBS: Was erwartest Du vom Bufdi in der Jubi?
H: Ich erwarte v.a. praktische Erfahrungen. Dass ich selbständig sein und arbeiten kann und mal was Anderes mache als in der Schule. Es ist das erste Reinschnuppern in die Berufs- und Arbeitswelt.

PBS: Was hast Du als Zivi in der Jubi gelernt?
L: Ich habe v.a. handwerklich unheimlich viel dazugelernt. Ich fühlte mich auch nie überfordert, sondern hatte immer gute Hilfe. Außerdem waren eine tolle Erfahrung auf der zwischenmenschlichen Ebene. Ich lernte auch noch mehr selbständig zu arbeiten und doch auch im Team Großes zu schaffen. Und natürlich auch Disziplin: Einen Auftrag auch schnell, termingenau und gut auszuführen und zu den „Kunden“, also Gästen, immer freundlich zu sein.

PBS: Ihr wohnt beide hier in der Gegend. Hättest Du den Zivi bzw. den Bufdi auch weiter weg gemacht?
L: Nein, für mich kam nur die Jubi hier in Babenhausen in Frage.
H: Ich wollte auch tendenziell eher hier in der Gegend bleiben.

PBS: Es gab und gibt für Zivis und Bufdis ja auch Fortbildungen. Was sollten da Inhalte sein?
L: Für die Jubi bzw. den Einsatz in der Haustechnik und Gästebetreuung wären sicher handwerkliche Themen und Fertigkeiten interessant. Ansonsten sollte es um soziale Fragestellungen gehen.
H: Ich denke, dass wichtigste ist der Erfahrungsaustausch mit anderen. Dann sollte Natur, Umwelt und Ökologie Thema sein – was in der Jubi ja ein Schwerpunkt ist und für mich auch ein Grund war, mich für diese Einsatzstelle zu entscheiden.

PBS: Du warst von Deinen sechs Monaten Zivi vier „alleine“ – Du bist bis Februar noch der einzige Bufdi. Ist es allein oder in Gemeinschaft besser?
L: Zusammen ist es auf jeden Fall besser. Auch wenn die Abend- und Wochenenddienste natürlich alleine zu absolvieren waren, tut es gut, noch jemanden zum Austausch vor Ort zu haben und für manche Aufgaben ist ein zweiter einfach von Nöten. Ich war dann schon froh, dass zumindest noch ein FÖJler im Hause ist.
H: Ich freue mich auch auf die anderen.

PBS: Was würdet Ihr einem/einer Bufdi in Babenhausen empfehlen?:

  • Er muss ne offene Art haben und sich an unseren Dialekt gewöhnen können
  • Er braucht nen offenen Charakter und soll Spaß haben können an der Arbeit, also Humor, denn gerade bei der Brotzeit geht es oft    lustig zu.
  • Er kann verschiedene Leute aus ganz verschiedenen Bereichen kennen lernen. Dafür sollte er offen sein.
  • Bufdi hier in der Jubi macht sich gut im Lebenslauf, denn die Arbeit ist sehr vielfältig.

PBS: Bufdi können ja auch Ältere machen. Findet Ihr das bereichernd?

  • Auf jeden Fall, denn Jüngere können von Älteren lernen und umgekehrt (Bsp. Computer)
  • Grundsätzlich gut, aber die Stelle muss auch für Ältere passen.

PBS: Sollte es ein verpflichtendes soziales Jahr (FSJ/FÖJ/Bufdi/EFD/weltwärts o.ä.) für alle Jugendlichen geben?

L: Finde ich gut. Sollte es geben. Denn so ein Jahr kann Orientierung geben und man kann ein bisschen Geld auf die Seite legen. Außerdem war es bei mir so, dass ich nach dem Abi noch nicht genau wusste, was ich mal studieren will. Jetzt ist es für mich klar.

H: Es sollte nicht verpflichtend für alle sein, denn ich sehe dann das Problem mit „unmotivierten, weil gezwungenen Freiwilligen“. Grundsätzlich ist so ein Jahr aber super für die persönliche Orientierung und Weiterentwicklung. Gerade wenn man direkt aus der Schule (Gymnasium) kommt.

Vielen Dank für das Gespräch!