Der Hund als Chance – Ein Hund in der Schule? Ein Hund in der Schule!

Geschrieben von Astrid Tabellion (M.A. Pädagogin, Fachberaterin tiergestützte Interaktion) (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. Februar 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/02/der-hund-als-chance/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:48 Uhr

picture by Stefanie Goeller

Muss das sein?

Wozu kommt ein Hund in die Schule?

Ist doch toll für den Besitzer, wenn er so einen netten Chef hat, dass er den armen Hund nicht den ganzen Tag allein zuhause lassen muss.

Es gibt viele Fragen und noch mehr Antworten zu dem Thema „Schulhund“. Auf jeden Fall ist es ein Bereich, in dem oft sachlich versucht wird zu diskutieren, es jedoch schnell emotional gefärbt wird. Es ist ein Thema, das bewegt. Auf der einen Seite leuchten Augen und es wird mit deutlicher Freude Interesse gezeigt. Auf der anderen Seite stehen Ängste und Bedenken. Beides gehört zu der professionellen und pädagogischen Arbeit mit dem Hund.

Hier soll ein Beispiel beschrieben werden, wie es funktionieren kann- da es dies schon tut.

Der Schulhund Nepomuk an der Mittelschule Geretsried begleitet fast täglich seine Besitzerin zu ihrer Arbeit als Pädagogin in die Praxisklasse. Die Kinder freuen sich, wenn sie ihn sehen und auch das Kollegium genießt die positive Abwechslung. Das klingt doch alles ganz einfach und romantisch. Es soll auch nicht schwer und kompliziert sein, aber, um professionell zu sein, doch mindestens bedacht. Denn nicht von Anfang an konnte der große schwarze Hund einfach durch das Schultor hereinspazieren. Es bedurfte einiger Absprachen und Klärungen um diese Sondererlaubnis zu erhalten. Es musste der Versicherungsschutz geklärt und Hygienebestimmungen eingehalten werden. Und dann kann die pädagogische Arbeit beginnen.

(http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2012/02/der-hund-als-chance/402415_10150580086892356_834432355_8830059_609298259_n/)

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Was bedeutet das? Arbeiten mit dem Hund? Wer arbeitet?

Erstmal arbeiten Hundeführer und Hund gemeinsam. Auch das muss gelernt sein. Das bedeutet, beide lernen zusammen. Ein wichtiges Prinzip dabei lautet, dass der Mensch seinen Job erledigen muss. Der Hund kann als Arbeitsmittel hinzugezogen werden. Der Mensch geht in die Arbeit- in diesem Fall die Schule- und erledigt dort seinen Job. Auch ist es er, der entscheidet wann und wie sein Hund als „Arbeitsmedium“ hinzugezogen wird. Dabei gilt es einiges zu beachten. Denn in diesem Fall hat der Mensch zwei Aufgaben zu erledigen: erstens muss er als Pädagoge seinen Schüler optimal fördern und gleichzeitig seinen Hund richtig führen. Es gilt eine positive Wirkung zu erzielen ohne einen von beiden zu überfordern oder gar in Gefahr zu bringen. Der Pädagoge mit Hund in der Schule erfüllt somit in der professionellen Arbeit zwei Rollen in Personalunion: Ansprechpartner für den Schüler und Führer für den Hund. Als Beobachter wirkt das vielleicht als leichtes Spiel. Als leichte Arbeit ohne Vorbereitung sollte es jedoch nie gelten. Das wird ohne entsprechendes Training nicht funktionieren. Denn es soll ja leicht aussehen, es soll ja einen pädagogischen Gewinn bringen und das in einem Umfeld, das für den Hund genügend Reize bietet um abgelenkt und überfordert zu werden. Erst wenn das Team Mensch und Hund verlässlich ist, kann professionelle Arbeit entstehen.

Dann kann der Hund Projektionsfläche für Schüler werden und dem Pädagogen dadurch wichtige Informationen weitergeben; er kann emotionale Türen öffnen und eine positive Atmosphäre schaffen. Er kann – muss aber nicht immer.

(http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2012/02/der-hund-als-chance/sony-dsc/)

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Er kann ein Arbeitsmittel sein- eins von vielen. Er kann beruhigend wirken bei Prüfungsangst. Er kann Motivation sein, eigene überschäumende Emotionen unter Kontrolle zu halten. Er kann trösten, wenn der Kummer zu übermächtig wird. Er kann alle zum Lachen bringen und Grenzen direkt aufzeigen. Er wird nicht für alle Schüler wichtig sein, aber es gibt Einzelne, die ohne den Hund keine Lust hätten in die Schule zu gehen. Es gibt Schüler, die den Hund brauchen um über den Körperkontakt die Spannungen im übervollen Schulalltag aushalten zu können. Er kann ein Feedback geben ohne zu verletzen. Wenn es ihm zu laut ist, geht er- und keiner ist ihm böse deswegen. Doch viele bemühen sich lieber ruhiger zu werden, damit er wieder zurück kommt. Ganz ohne lästige Ermahnungen oder gar Drohungen und Strafen.

Er kann in seinem Team, mit seinem Menschen gute Arbeit leisten, wenn diese dem Umfeld angepasst wird und die Rahmenbedingungen abgesteckt sind. Dann ist es eine Chance. Eine Chance für Pädagogen und Schüler neue Wege zu gehen.

 

Für weitere Informationen:

http://www.hs-geretsried.de/texte/seite.php?id=92374 (http://www NULL.hs-geretsried NULL.de/texte/seite NULL.php?id=92374)

http://www.schulhundweb.de/ (http://schulhundweb NULL.de/wiki/index NULL.php/Hauptseite)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/geretsried-lehrplan-mit-streicheleinheiten-1.1241399 (http://www NULL.sueddeutsche NULL.de/muenchen/wolfratshausen/geretsried-lehrplan-mit-streicheleinheiten-1 NULL.1241399)

http://www.merkur-online.de/lokales/geretsried/nepomuk-schuelern-1100292.html?cmp=defrss (http://www NULL.merkur-online NULL.de/lokales/geretsried/nepomuk-schuelern-1100292 NULL.html?cmp=defrss)