Interview mit Martin Hurter – dem neuen Vorsitzenden des Stadtjugendrings Memmingen

Geschrieben von Michalina Jonderko (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/03/interview-martin-hurter/>
Abgerufen am 8. Mai 2021 um 06:38 Uhr

Am vergangenen Wochenende wurde Martin Hurter – ein Mitglied im Redaktionsteam der Politischen Bildung Schwaben – zum neuen Vorsitzenden des Stadtjugendrings Memmingen gewählt. Der 24jährige Student hat schon jetzt eine beeindruckende “Karriere” vorzuweisen. Wir haben mit ihm über sein Leben und seine Pläne gesprochen.

Martin, erst einmal ganz herzlichen Glückwunsch zu deiner Wahl. Mit 24 hast du schon viele Erfahrungen in der Jugendarbeit gesammelt und einige Ämter inne gehabt. Versuch doch einmal kurz deinen Werdegang zusammen zu fassen.

Vielen Dank.
Mein „Werdegang“ hatte im Prinzip zwei Schienen: Die (außerschulische) Schülervertretungsarbeit in Schülerinitiativen und die klassische verbandliche Jugendarbeit. Beide haben 2004 begonnen, als sich in Memmingen die Stadt-SchülerInnenvertretung „MASSIV e.V.“ gegründet hat und ich im selben Sommer erstmals als Jugendleiter auf ein Zeltlager des CVJM Memmingen mitgefahren bin. Im CVJM habe ich schon direkt nach den Sommerferien auch als Gruppenleiter angefangen, was ich mit wechselnden Gruppen auch bis zum Beginn meines Studiums weitergeführt habe. In der Schülervertretung bin ich dann 2005 über das Projekt „SchülerInneninstitut“ zur Landesschülervertretung Bayern und in den Vorstand von MASSIV e.V. gekommen, wo ich 2006 Vorstandsvorsitzender wurde und mich auf Landesebene vor allem um die Vernetzung der Schülerinitiativen im „Netzwerk bayerischer Schülerinitiativen (NebS)“ bemühte.
Mit der Wahl in den Vorstand von MASSIV habe ich dann auch deren Vertretung im Stadt- und später auch Kreisjugendring wahrgenommen. Daher und von der Vertretung der Schülerinnen und Schüler im Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings und anderen Kontakten kannte ich die Arbeit und wurde von Mitgliedern des Stadtjugendringsvorstand, die ich wiederum aus dem CVJM kannte, gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte im Vorstand mitzuarbeiten. 2008 wurde ich dann schließlich in den Vorstand gewählt. Während meines Studiums habe ich dann über die Mitarbeit bei 2 Freizeiten der Falken und mein Praxissemester in der Landesstelle des BDKJ Bayern auch noch andere Jugendverbände und die Organisation einer Geschäftsstelle kennengelernt, was mir zuvor noch etwas Respekt vor dem Amt des Vorsitzenden eingeflößt hatte. Als nun die Vorsitzende Nicole Supka nach 12 Jahren im Amt nicht mehr kandidierte, war für mich aber klar, dass ich diese Aufgabe gerne übernehmen würde und habe kandidiert – und wurde zusammen mit einem tollen, jungen Team gewählt.

Was gefällt dir an der Jugendringarbeit?

Als ich als Schülersprecher am 131. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings teilnehmen durfte, war ich sehr beeindruckt von dem bunten Haufen aus den unterschiedlichsten Verbänden und Regionen, die untereinander und mit denen ich ins Gespräch kam  und viel Unterstützung und Zuspruch für die Interessen der Schülervertretung erfuhr. Diese Vielfalt der Jugendarbeit in ihrer ganzen Breite, die zusammenkommt um sich gemeinsam für die Interessen von Jugendlichen einzusetzen – das hat mich begeistert.
Erst recht war ich sehr positiv überrascht, wie engagiert aber konstruktiv die politischen Themen, die das Leben von Jugendlichen betreffen, diskutiert wurden und dass dieses Gremium trotz der unterschiedlichen, verbandlichen Hintergründe zu guten, breit getragenen Entscheidungen gekommen ist.

Bist du über dein Engagement auch zu deinen Studienfächern gekommen?

Daran, dass ich jetzt Erziehungswissenschaft (B.A.) in Tübingen studiere, ist ganz klar mein Engagement schuld. Sonst würde ich wohl tatsächlich Wirtschaftsmathematik oder ähnliches studieren, wie ich es  kurze Zeit mal geplant hatte.
Aber bei dem Gedanken, was ich später einmal machen möchte, war es einfach wichtig, dass ich schon einige Seminare mit Jugendlichen (u.a. für das Bildungswerk für Schülervertretungsarbeit e.V.) geleitet hatte und gemerkt hatte, dass mir diese Arbeit und auch die Jugendarbeit viel Spaß macht – das ich es gern tue. Dementsprechend habe ich im Studium auch meinen Schwerpunkt sehr stark auf Jugendarbeit und auf Partizipation gelegt und Religionspädagogik als Wahlpflichtfach gewählt.
Dass ich nun noch mit Soziologie (B.A.) und öffentlichem Recht begonnen habe, ist allerdings stärker aus dem ersten Studium heraus entstanden – was aber kaum mehr zu trennen ist.

Welche Aufgaben übernimmst du nun und was sind deine Wünsche für deine Amtszeit?

Als Vorsitzender sehe ich meine Aufgabe darin, den Stadtjugendring nach außen und die Interessen der Jugendlichen gegenüber der Stadt, Politik und Öffentlichkeit zu vertreten. Außerdem bin ich damit Ansprechpartner für die Jugendorganisationen vor Ort, die wir nach Kräften unterstützen wollen; zusammen mit der Geschäftsstelle, die ich zu leiten habe. Darüber hinaus möchte ich, dass der Jugendring auch wieder Impuls für die Jugendarbeit in Memmingen setzen kann.
Konkret wünsche ich mir dafür einen regen Austausch und guten Kontakt mit den Verbänden vor Ort, aber auch in den Gliederungen des Jugendrings und mit der Stadt.
Ein besonderes Anliegen ist mir außerdem eine verstärkte, jugendpolitische Aktivität, die in letzter Zeit etwas zu kurz kam, und die Stärkung der Jugendbeteiligung in der Stadt. Wohin es konkret gehen soll, werden wir uns auf der geplanten Vorstandsklausur überlegen müssen und dann hoffentlich mit Unterstützung der Verbände umsetzen können.

Wie ist dies mit deinem Studium vereinbar?

Es ist in sofern sehr gut vereinbar, dass ich in der Arbeit praktisch lerne, was im Studium behandelt wird. Es ist eine unheimliche Erleichterung, wenn man die praktische Arbeit und die aktuellen fachlichen Diskussionen kennt. Im Studium muss man dann fast nur noch das Raster der Theorien mit Erfahrungen und Bildern im Kopf füllen – und sich mit den Formalia und den Vorschriften der Uni herumärgern.
Worauf du vermutlich heraus wolltest: Es ist eine Herausforderung das zeitlich unter einen Hut zu bringen. Aber dadurch, dass mit das Studium sehr leicht fällt und ich mit wenig Lernen zurecht komme, muss ich streng genommen nur noch die Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht beachten, die ich auch für meinen Abschluss brauche. Das sind die wenigsten. Viele besuche ich aus Interesse oder kann manche für wichtige Termine auch mal ausfallen lassen. Und durch die relativ ausgedehnten Semesterferien bin ich in der vorlesungsfreien Zeit ebenfalls recht flexibel.

Ansonsten hoffe ich auch auf eine gute Zusammenarbeit im Vorstandsteam und mit der Geschäftsstelle – schließlich bin ich nicht unersetzlich und will es auch nicht werden.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

In spätestens zehn Jahren darf ich hoffentlich einen gut aufgestellten Jugendring meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger übergeben, der oder die schon darauf brennt den Jugendring mit neuem Eifer und neuen Ideen voranzubringen und ihm eine neue Richtung zu geben, und ich werde im Idealfall zufrieden auf eine schöne Zeit zurückblicken, in der wir vielen Kindern und Jugendlichen  wertvolle Erfahrungen ermöglicht und Freiräume eröffnet haben.

Vielen Dank für deine Zeit. Das ganze Team wünscht dir viel Erfolg und Freude bei deinem neuen Amt!