“Gemeinsam in die Zukunft!” – Bildung von Netzwerken als Chance für Kommunen

Geschrieben von Andrea Widmann (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/03/kommunennetzwerke/>
Abgerufen am 18. Juni 2019 um 13:49 Uhr

 Abwanderung in die Städte und Überalterung in den Dörfern – diess sind zwei der Hauptprobleme mit denen der ländliche Raum heute konfrontiert ist. Immer mehr junge Leute zieht es weg von ihrem Heimatdorf in die Stadt. Zurück bleiben die Alten. Doch wie schaffen es die Kommunen für die Jungen attraktivzu bleiben? Mit dieser Frage und der allgemeinen Debatte um die Entwicklung in den ländlichen Gebieten, befassten sich die Teilnehmer auf der Tagung “Neue Kooperation im ländlichen Raum” Anfang Februar in Donauwörth. Neben weiteren Rednern stellte Prof. Dr. Egon Endres von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München seine Ergebnisse zu Möglichkeiten vor, wie diesen Problemen begegnet werden kann. Er sieht großes Potenzial in Netzwerken.

Netzwerke als Chance

 Die Bedeutung von Netzwerken hat in der jüngsten Vergangenheit enorm zugenommen. Es wird sogar davon gesprochen, dass Netzwerke die zukünftige soziale Organisationsform darstellen und somit die Stabilität von Organisationen in nicht unerheblichem Maße davon abhängt, wie gut sie in ihrem Umfeld vernetzt sind. Vernetzung und Verflechtung gilt nicht nur für Unternehmen als wichtiger Faktor um zukunftsfähig zu bleiben, sondern genauso auch für Dörfer und die ländlichen Regionen.

Netzwerke bieten viel Raum für den Austausch untereinander. Austausch darüber, wie es andere Kommunen schaffen attraktiv zu werden bzw. zu bleiben, aber auch über Herausforderungen mit denen die verschiedenen Ortschaften zu kämpfen haben. Die Kommunen können miteinander und voneinander lernen und Informationen sowie wertvolle Ressourcen austauschen, oder gemeinsam nutzen. Auch profitieren die einzelnen Glieder im Netzwerk von den unterschiedlichen Werten und Perspektiven die in diesem Rahmen aufeinander treffen. So wird der Horizont erweitert und im besten Fall bilden sich Sichtweisen auf neue Lösungswege.

Erfolgsbausteine der Netzwerkbildung

Prof. Dr. Egon Endres stellte in seinem Vortrag die Erfolgsbausteine vor, von denen das Gelingen oder Scheitern von Netzwerken im Wesentlichen abhängt. Am Beginn der Netzwerkbildung ist es ganz entscheidend, dass die Kooperationspartner gemeinsame Ziele und Visionen haben. Es soll sozusagen in die selbe Richtung gerudert werden. Nur so kann eine Zusammenarbeit langfristig funktionieren. Ebenso die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel und dazu, sich auf etwas Neues einzulassen, sowie das gegenseitige Vertrauen unter den Partnern eines Netzwerkes, gehören zu den essentiellen Faktoren für den Erfolg solcher Zusammenschlüsse. Grundsätzlich gilt für die Netzwerkbildung: es darf nur Gewinner geben! Es muss eine Win-Win-Situation angestrebt werden, wobei der Profit für alle Beteiligten ungefähr gleich ausfallen sollte. Denn fühlt sich ein Kooperationspartner benachteiligt, wird sein Interesse am Netzwerk sehr schnell schwinden. Zwei weitere Bausteine für eine florierende Netzwerkarbeit, sieht Endres in der gemeinsamen Kommunikation und der regelmäßigen Kontaktpflege.

Netzwerke müssen gepflegt werden

Die Bedeutung, die aufgebauten Kontakte im Netzwerk zu pflegen, darf in keinem Fall unterschätzt werden. Wer denkt ein Netzwerk das einmal errichtet wurde, funktioniert dann im weiteren Verlauf von allein, der wird sehr schnell enttäuscht sein.

Netzwerke sind extrem komplex und somit auch störanfällig. Sie müssen permanent gestaltet und gesteuert werden.

Dafür braucht es sog. “Grenzgänger”. Sie nehmen eine neutrale Position innerhalb des Netzwerkes ein und pflegen die Kontakte zu den verschiedenen Kooperationspartnern. So haben sie Einblick in alle Prozesse und Strukturen und sind damit für die Lösung auftretender Probleme bestens vorbereitet. Den Grenzgängern kann kein klar festgelegtes Aufgabenfeld zugeteilt werden, sie überwinden Organisationsgrenzen und arbeiten moderierend. So haben sie den Überblick über die Ressourcen eines Netzwerkes und können daher genau einschätzen, wann wer wo gebraucht wird.

Die Gesellschaft ist auf Netzwerke angewiesen und nicht nur für Unternehmen stellt diese Organisationsform die Zukunft dar, sondern auch und gerade die Kommunen können von der Zusammenarbeit in einem Netzwerk nur profitieren.