Kampf gegen Windräder

Geschrieben von Yvonne Salvamoser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 29. Juni 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/06/kampf-gegen-windraeder/>
Abgerufen am 19. September 2019 um 15:46 Uhr

Fünf Windräder sollten ursprünglich in der schwäbischen Gemeinde Wittislingen gebaut werden. Schon 2008 wurde das Projekt auf den Weg gebracht. Noch allerdings steht keine der Anlagen.Es war wohl nicht das letzte Kapitel in Sachen Windkraft in der schwäbischen Gemeinde Wittislingen: Der Gemeinderat des rund 2200-Einwohner-Ortes entschied, dem regionalen Planungsverband Augsburg einen möglichen Standort für ein Windrad zu melden. Vorgeschlagen wurde das Gebiet im Gemeindewald, etwa 1,5 Kilometer westlich des Ortskerns in der Potenzialanalyse Windkraft, die der Landkreis Dillingen hatte erstellen lassen und zu der alle Kommunen im Kreis Stellung nehmen müssen. Die vorangegangene Diskussion zu diesem Tagesordnungspunkt verlief zunächst wenig zielführend, aber recht sachlich und ruhig.

Das war nicht immer so. Denn um die Windenergie in Wittislingen wurden in der nicht allzu fernen Vergangenheit wahre Kämpfe ausgefochten. Im März 2008 machte der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Reinhold Sing den Weg für die Errichtung eines Windparks frei. Das Unternehmen Uhl aus dem baden-württembergischen Ellwangen plante, fünf Windräder mit einer Nabenhöhe von 136 Metern und einem Flügeldurchmesser von 82 Metern auf gemeindlichen Waldgrund zu errichten. 7500 Vier-Personen-Haushalte könnten mit einer solchen Anlage mit Energie versorgt werden. Gebaut ist bis heute keines.

Schon bei einer Informationsveranstaltung im Sommer 2008 machten einige Bürger ihrem Unmut über die geplanten Windräder Luft, nannten sie „Monster“. Vor allem das erste der fünf Räder empfanden sie wegen der Nähe zur Wohnbebauung als störend.

Der damals neu gewählte Bürgermeister Roland Hörl versuchte schließlich, einen Kompromiss zwischen Bevölkerung und Investor zu finden. Als die Gemeinderäte im Mai 2009 den Bauantrag Uhls berieten, sprachen sich nur zwei dafür und zwölf dagegen aus. Im Bauantrag seien die Vorgaben des Gemeinderats nicht berücksichtigt worden, argumentierten die Gegner.

Das Thema ließ die Marktgemeinde nicht mehr los: Mitte 2009 diskutierten die Räte und Bürger heftig, emotional über den geplanten Windpark. Gegner und Befürworter schrieben offene Briefe und füllten seitenweise das Amtsblatt mit entsprechenden Argumenten. Für einen Bürgerentscheid „Windräder im Gemeindewald – ja oder nein“ hatten sich innerhalb weniger Tage weit über 650 Bürger ausgesprochen und auch die Gemeinderäte hatten dem Vorhaben mit 12:2 Stimmen zugestimmt.

Unternehmer Franz Uhl erklärt im Sommer 2009, dass er nur mehr drei Windräder auf dem angedachten Areal im Westen Wittislingens errichten wolle. Gänzlich vom Projekt zurückziehen wollte er sich damals nicht, weil schon zu viel Geld für Gutachten geflossen sei. Die „Bürgerinitiative für den Erhalt der Lebensqualität in Wittislingen“ wollte allerdings auch gegen drei Räder kämpfen: Industrieanlagen gehörten nicht in ein Naherholungsgebiet. Gleichzeitig handele es sich bei drei Anlagen um einen Windpark, der jederzeit um weitere Räder erweitert werden könne.

Im Juni 2010 entschied dann das Landratsamt: „Der Bau eines Windparks mit drei Windkraftanlagen in der Gemarkung Wittislingen ist definitiv nicht genehmigungsfähig.“ Grundlage war eine Anhörung des Antragstellers Uhl und das artenschutzrechtliche Gutachten der Regierung von Schwaben. Zum Beispiel für Rotmilan, Uhu, Seeadler, Baumfalke oder Wespenbussard könnte unter anderem ein Totschlagrisiko durch die Rotoren nicht ausgeschlossen werden. Zudem sei das Waldgebiet Teil eines Großlebensraums mit einem schwabenweit herausragenden Bestand an Großvogelarten, wie Eulen und Greifvögel.

Unternehmer Uhl allerdings erkannte den Bescheid vom 17. Juni 2010 nicht an – und reichte beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage ein. Ein Urteil allerdings steht nach einem ersten Verhandlungstag Ende September 2011 noch aus. Und so ist das Kapitel Windkraft in Wittislingen noch nicht abgeschlossen.