“Gerechte Bildung”?

Geschrieben von Sophia Janker (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. August 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/08/gerechte-bildung/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:47 Uhr

Bildung hängt vom Geldbeutel der Eltern ab. Eine provokante These nachdem in Deutschland die staatlichen Schulen kostenlos sind und somit eigentlich jedes Kind die gleichen Chancen haben sollte. Doch die Realität sieht anders aus. Die Studie „Herkunft zensiert“ der Vodafone Stiftung Deutschland beschäftigt sich unter anderem mit der Frage inwieweit die soziale Herkunft von Kindern ihre Bildungschancen beeinflusst.
Hierbei spielt die frühe Entscheidung auf welche weiterführende Schule das Kind nach der 4. Klasse gehen soll eine bedeutende Rolle. Diese Entscheidung hängt von den Schulnoten ab und steht somit auch mit den häuslichen Bedingungen und der mangelnden Förderung durch die Eltern im Zusammenhang. Des Weiteren kann die soziale Ungleichheit durch die Einschätzung der Lehrkräfte, die je nach Schichtzugehörigkeit der Schüler unterschiedliche Schulempfehlungen vergeben, entstehen. Der Studie nach könnte der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Übergangsempfehlung nach der Grundschule um die Hälfte reduziert werden, wenn die Benotungen und die Einschätzung der Schule sozial neutral wären. In einigen Fällen spielt auch die Entscheidung der Eltern, welche Schule das Kind besuchen wird, eine große Rolle. Würden sich die Eltern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft für eine Schulform entscheiden, würden mehr Kinder das Gymnasium besuchen.
Schon bei der Einschulung macht sich die Benachteiligung der Kinder aus sozial schwachen Familien bemerkbar. Oft spielen dabei die fehlenden Sprachkenntnisse oder elementare Grundkenntnisse eine entscheidende Rolle.
Auf weiterführenden Schulen setzt sich die Benachteiligung dann fort. Zu Beginn können oft die Eltern ihren Kindern noch bei den Hausaufgaben oder bei Fragen helfen, später aber stellt sich dies als enorme Herausforderung dar und die Jugendlichen bekommen private Nachhilfe. Doch es gibt viele Familien, in denen die Eltern ihren Kindern nicht helfen können, da sie selbst einen anderen Abschluss haben oder sich die Lerninhalte verändert haben. Und hier wird erkennbar inwieweit die schulische Grundbildung der Kinder heutzutage vom Geldbeutel der Eltern abhängt, denn nicht jede Familie ist finanziell im Stande seinen Kindern professionelle Nachhilfe zu bezahlen.
Die Autoren der Studie schlagen vor vermehrt Ganztagsschulen anzubieten, in denen die Kinder und Jugendlichen von professionellen Fachkräften unterstützt werden ihren schulischen Alltag zu meistern. Zudem wäre es hilfreich schon vor der Grundschule kostenlose Förderprogramme für Kinder anzubieten, deren Eltern nicht ausreichend Zeit haben.
Falls Sie Interesse an der Studie „Herkunft zensiert“ bekommen haben, können Sie sich hier weitere Informationen einholen: