Sprechende Fische? Fishbowl in der “Nacht der Demokratie”.

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Oktober 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/10/sprechende-fische-fishbowl-in-der-nacht-der-demokratie/>
Abgerufen am 18. Juni 2019 um 13:51 Uhr
Beim Diskutieren

Das Fishbowl hat, anders als es im ersten Moment scheinen mag, nichts mit Fischen zu tun, sondern ist eine einfache, aber dynamische Alternative zur Podiumsdiskussion, eine erfrischende Methode der Kommunikation in Großgruppen. Bei dieser Methode diskutiert eine kleine Gruppe im Innenkreis (z.B. vier besetzte Stühle und zwei freie) ein Thema, während die Teilnehmer im Außenkreis die Diskussion nur verfolgen können. Möchte eine der Teilnehmerinnen/einer der Teilnehmer aus dem Außenkreis etwas zur Diskussion beitragen, so kann sie/er sich auf einen der  freien Stühle  im Innenkreis setzten und erhält so das Rederecht, oder kann einen dort Sitzenden durch Schulterklopfen ablösen. Ein Moderatorenteam oder eine Moderatorin/ein Moderator steuert die Diskussion.

Von der Effektivität und Effizienz  dieser Methode konnten sich Anfang des Monats die Besucherinnen und Besucher der “Nacht der Demokratie”  in Augsburg überzeugen.  Passend zum Überthema „Demokratie“ hatten Professor Gerhard Kral von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München/ Benediktbeuern, Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit Benediktbeuern,  und Winfried Dumberger-Babiel, Geschäftsführer des Bezirksjugendrings Schwaben,  die Fishbowl-Runde initiiert und unter der Moderation von Gerhard Kral durchgeführt, um die Frage “Die Bezirke – ein Plus an Demokratie in Bayern?”  lebendig und in gleichberechtigen Dialogen auf Augenhöhe zu erörtern.

Um das Thema aus unterschiedlichen, einschlägigen Blickwinkeln beleuchten zu können, waren vier Vertreter der (Bezirks-)Politik, der Presse, der Politischen Bildung und des Bürgerschaftlichen Engagements zum Auftakt in den Innenkreis geladenen. Sie konnten jeweils innerhalb von zwei Minuten zu einer Frage des Moderators Stellung nehmen und mussten dann das Mikrofon weiterreichen. Anschließend wurde das Publikum, der Außenkreis, eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Nachdem diese anfangs etwas schleppend anlief, brachte die Frage einer jungen Dame, ob es sich bei Bezirken nicht eher um Scheindemokratie handle, da man als „Normalbürger“ nichts vom Bezirk mitbekäme, Schwung in die Diskussion. Immer wieder wurden die Plätze im Innenkreis neu belegt und angeregt über Fragen wie, wofür ist der Bezirk zuständig, was leistet er beispielsweise als Sozialhilfeträger, warum wird er in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen oder was tut der Bezirk für Inklusion, auf hohem Niveau diskutiert.

So vergingen die, für die Diskussion angesetzten, 45 Minuten viel zu schnell, und zurück blieb ein zwar  kleiner, aber  höchst informativer Einblick in eine Bayerische Besonderheit, die Dritte Kommunale Ebene, die weiterhin sicher  noch viel Diskussionsstoff bieten wird. Zumindest hat  die Jugendbeauftragte des Bezirks Schwaben schon festgestellt: “Ja, Bezirke sind ein Mehr an Demokratie”.