Studiengebühren: Qualitätsverbesserung oder Bildung als Ware?

Geschrieben von Theresa Müller (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Dezember 2012 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2012/12/studiengebuhren-qualitatsverbesserung-oder-bildung-als-ware/>
Abgerufen am 23. April 2019 um 21:04 Uhr

Studiengebühren. Das Thema des Bezahlstudiums ist wieder hochaktuell. Nachdem ein Volksbegehren in Bayern dieses Thema hoch gepusht hat, ist es wohl auch im Freistaat, dem mit Niedersachsen letztem Bundesland mit Studiengebühren, nur noch eine Frage der Zeit bis die „Uni- Maut“ abgeschafft wird. Und trotzdem ist es ein Hochdiskutiertes Thema, das nicht so schnell entschieden werden will.Es gibt Studien, die belegen, dass die Gebühren Studenten aus einkommensschwächeren Familien abschrecken, andere Studien bezweifeln genau das und weisen auf die Verbesserung der Lehre hin. Die einen fordern die Gebühren, andere verfluchen sie.

Schon Karl Marx hat sich dazu Gedanken gemacht. Er sagte: „Wenn in einigen Staaten höhere Unterrichtsanstalten unentgeltlich sind, so heißt das faktisch nur, den höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinem Steuersäckel zu bestreiten“

Hatte er so unrecht?

Laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks sind nur 24% der Studenten aus Nicht- Akademiker Familien. Müssen wir angesichts solcher Zahlen nicht den Krankenschwestern Recht geben, die nicht das Studium ihrer Chefärzte finanzieren wollen?

Aber schaut man sich die Gründe für eine Entscheidung gegen ein Studium an, stellt man fest, dass – laut Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein- Westfalen –  bei 68-75% der befragten Studienberechtigten die Finanzierung und der Wunsch keine Schulden aufnehmen zu wollen zentrale Motive waren.

Also doch Abschreckung von Studenten  aus einkommensschwachen Familien durch die Gebühren?

Erschreckenderweise findet die scharfe Auslese von Arbeiterkindern aber schon viel früher statt: Der Bildungstrichter (aus der Sozialerhebung der Studentenwerke) belegt, dass nur 36 von 100 Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen den Sprung auf die gymnasiale Oberschule schaffen, und von ihnen wiederum nur 31%  die Universität besuchen.

Schulische Leistungen und Fortkommen hängen in Deutschland also maßgeblich von der sozialen Herkunft ab!

Wir brauchen also weit mehr als nur die Abschaffung der Studiengebühren.

Wollen wir wahre soziale Gerechtigkeit, brauchen wir nicht nur gebührenfreie Hochschulen sondern auch eine möglichst frühkindliche und vorschulische Förderung: Eine gute Bildung von der Kita bis zur Uni, die echte Chancengleichheit für alle Herkunftsschichten schafft!