Warum Politik jeden betrifft

Geschrieben von Johannes Straaß (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. September 2013 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2013/09/warum-politik-jeden-betrifft/>
Abgerufen am 23. April 2019 um 21:00 Uhr

Titel: Globus Europa Fotograf: wawa@die-genossen.de Lizens: "some rights reserved" --> http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de Quelle: http://piqs.de/fotos/search/politik/59656.html

Politik ist wohl der Versuch die verschiedensten Bedürfnisse einer Vielzahl an Menschen in Einklang zu bringen damit diese einander nicht Feind sein müssen, sondern miteinander leben und von einander profitieren können. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen es auf der Erde gibt, wird ersichtlich, dass dieses Unterfangen kein leichtes ist. So versucht die Politik möglichst alle Menschen soweit zufrieden zu stellen, dass es gelingt friedlich zusammen zu leben ohne einander das zu nehmen, was wir so notwendig zum Leben brauchen.

Da wir Menschen in verschiedenste Lebenssituationen geboren werden, die unterschiedliche Anforderungen an uns stellen und folglich auch andere Wünsche und Bedürfnisse produzieren, benötigt Politik einen Dialog, eine Rückmeldung darüber, was uns beschäftigt, was wir uns wünschen, wessen wir bedürfen und in welcher Welt wir leben wollen.

.

Unsere Wünsche und Bedürfnisse:

Doch so verschieden wie es oft scheint, sind unsere menschlichen Bedürfnisse gar nicht. Klaus Grawe hat festgestellt, dass der Mensch vier psychische Grundbedürfnisse hat. 1. das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle (wir wollen die Zusammenhänge unserer Welt verstehen und brauchen das Gefühl Einfluss auf unsere Umwelt nehmen zu können), 2. das Bedürfnis nach Bindung, 3. das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung, sowie 4. das Bedürfnis nach Selbstwert und Selbstwerterhöhung (damit wir uns für unsere Bedürfnisse einsetzen können, müssen wir uns als wichtig wahrnehmen).

Wie wir diese Grundbedürfnisse in unserer individuellen Lebenswelt zu befriedigen gedenken und befriedigen, kann sehr unterschiedlich sein. Der eine will gerne berühmt werden, um seinen Selbstwert zu erhöhen, der nächste schöpft seinen Selbstwert daraus, dass er nach seinen Werten lebt und diese durch sein Verhalten verwirklicht, der dritte engagiert sich ehrenamtlich oder versucht ein guter Freund zu sein… So gibt es viele Wege zu dem selben Ziel. Wenn es gelingt alle Menschen über ihre evolutionär angelegten Grundbedürfnisse aufzuklären und ihnen KONSTRUKTIVE Wege zur Befriedigung dieser zu zeigen und zu ermöglichen, wird es weniger Gewalt, Frustration und Elend geben.

.

Wie wir unser Überleben sichern:

Wenn wir versuchen Kontrolle über unsere Umwelt zu haben, um sie dahingehend zu beeinflussen, dass sie unsere Bedürfnisse berücksichtigt und uns ermöglicht diese zu verwirklichen, können wir versuchen möglichst viel Macht zu erlangen um unsere Bedürfnisse gegen sämtliche Widerstände durchzudrücken, was wahrscheinlich sehr anstrengend ist und früh ins Grab bringt. Nachhaltiger ist also wahrscheinlich den Dialog zu suchen und die eigenen Bedürfnisse begründet vor zu tragen, mögliche Wege zur Umsetzung zu diskutieren (= politischer Diskurs)… Das ist der Punkt, an dem Demokratie und unsere Pflicht als Bürger einsetzt (unser Pflicht insofern, dass wir nicht erwarten können, dass die Politik unsere Bedürfnisse errät, wir müssen diese formulieren und kundtun).

Der Gegensatz zur Demokratie, die Monarchie, bietet den Beherrschten meist nur sehr begrenzte Möglichkeiten ihre Bedürfnisse vorzutragen und dadurch Einfluss auf das politische Geschehen zu nehmen.

.

Unsere Bedürfnisse brauchen eine politische Meinung:

In der Demokratie gibt es jederzeit die Möglichkeit die eigenen Bedürfnisse in dem politischen Meinungskampf zu verbalisieren, um so für deren Befriedigung einzutreten. Dieser sogenannte Volkswillenbildungsprozess und die daraus entstehende öffentliche Meinung steuert das politische Geschehen und macht somit gewaltsame Auseinandersetzungen überflüssig (sofern alle Menschen an dem Dialog beteiligt werden und auf Augenhöhe mit ihnen diskutiert wird).

Damit der politische Meinungsbildungsprozess, also die Rückmeldung der Bürger an die Struktur schaffende Politik auch wirklich Früchte trägt und nicht nur aus Alltagstheorien (= unzulässigen Verallgemeinerungen, nicht wissenschaftlich bewiesenen Aussagen und Vorurteile, gegenüber beispielsweise bestimmten Milieus, Gruppen oder Kulturen… ) besteht, ist es notwendig die eigene Meinung reflektiert zu diskutieren und begründen zu können!

.

Was ist Politik für uns?

Demokratie und die hierin stattfindende Politik ist also nicht nur ein Spiel verschiedener Menschen, die sich, wie oft behauptet wird „wichtig nehmen“, sondern schafft aktiv unsere Lebenswelt: Die Strukturen mit und in denen wir leben müssen. Somit ist Politik nicht etwas abstraktes und Lebensfernes, sondern die aktive Umsetzung der Fragen: „Wer wollen wir sein?“, „welche Erwartungen haben wir an das Leben?“, „in welcher Gesellschaft wollen wir uns entfalten?“ und „in was für einer Welt wollen wir leben?“.

Politik ist also etwas, das jeden direkt betrifft und somit für jeden auch wichtig sein sollte. Es geht um nichts anderes als um den Rahmen, der uns und unseren Mitmenschen ermöglicht zu leben und zu überleben. Und wenn uns eine Sache als Menschen verbindet, dann die Tatsache dass wir nur miteinander leben können und aufeinander angewiesen sind. Somit ist Politik neben unseren menschlichen Beschaffenheiten, das Thema, das jeden betrifft, mit dem sich folglich jeder identifizieren können sollte und das Thema über das man mit jedem reden kann. Um selbst dazu zu lernen, die eigene Meinung zu erweitern oder um dem anderen eine Rückmeldung zu geben um die eigenen Ansichten reflektieren zu können und um so im kleinen dazu beizutragen die Welt in der wir leben zu einem besseren Ort zu machen, als sie es ist.

Bild: Globus Europa
Fotograf: wawa@die-genossen.de
Lizenz: “some rights reserved (http://creativecommons NULL.org/licenses/by/2 NULL.0/de/deed NULL.de)
Quelle: www.piqs.de (http://piqs NULL.de/fotos/search/politik/59656 NULL.html)