Facebook? Da bin ich doch schon lange dabei

Geschrieben von Dirk Tabellion (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. Dezember 2013 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2013/12/facebook-da-bin-ich-doch-schon-lange-dabei/>
Abgerufen am 8. Mai 2021 um 05:57 Uhr

So oder so ähnlich sind Reaktionen frägt man Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 15 Jahren,  ob sie Facebook kennen würden. Das Problem ist nur, viele dieser Schüler und Schülerinnen gehen teilweise völlig naiv an die Sache ran. So werden schlimmstenfalls persönliche Bilder gepostet,  die keine Mutter und kein Vater von ihrem Sprössling im Internet sehen will. Statusmeldungen werden “ge-like-t”, die z.B. zum Lehrerbashing aufrufen und es werden Freunde gesammelt, von denen man nicht mal weiss, ob der Name oder das Profilbild echt sind.Was gerne auch immer wieder zu großem Erstaunen führt ist,  der Hinweis, dass potentielle Ausbilder auch gerne mal im Internet über die potentiellen Auszubildenden recherchieren. Dann sind entsprechende Posts nicht wirklich hilfreich bei der Ausbildungsplatzsuche. Zunehmend häufen sich auch  Meldungen in der Presse bezüglich Internetmobbing, Gerichtsprozessen wegen Beleidigungen im Internet und Suizid als Folge von Internetmobbing.

Aus diesem Anlass plante ich für mein Praxis III – Projekt eine Doppelstunde (90 min) in einer Schulklasse der Mittelschule Geretsried zu dem Thema „Internetkompetenz – Soziale  Netzwerke“. Ziel war hierbei Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 12 – 15 Jahren Kompetenzen im Umgang mit sozialen Netzwerken im Internet zu vermitteln.

Unter anderem ging es dabei um folgende Fragestellungen und Themenbereiche:

  • Welche „Social Networks“ nutzt ihr?
  • Was ist Facebook?
  • Persönliches Profil in Facebook
  • Cybermobbing und rechtliche Fragen

Auf die Frage nach “Social Networks” im Allgemeinen kam von allen Schülerinnen und Schülern die Aussage, sie würden nur noch Facebook nutzen. Andere Plattformen wie ICQ oder Schüler VZ seien ihnen zwar bekannt, jedoch seien diese „out“ und Facebook wäre „super“. Die meisten hätten Facebook als Applikation (App) auf ihrem Handy und hätten mit diesem auch allgemeinen Zugang zum Internet. Die zusätzlichen Kosten, die entstehen würden, müssten manche teilweise von ihrem Taschengeld zahlen, andere seien komplett durch die Eltern gesponsert.

Was die Sichtbarkeit ihrer eigenen Profile bei Facebook angeht, waren sich viele der Schülerinnen und Schüler nicht bewusst, wer alles Zugriff auf ihr Profil hat bzw. es evtl. uneingeschränkt lesen kann.

Die Grundidee jedes Sozialen Netzwerkes ist es, ein Profil der eigenen Person anzulegen, das möglichst aussagekräftig und informativ ist. Auf diesem Wege soll eine Vernetzung mit alten Bekannten und neuen Menschen ermöglicht werden. Dadurch bekommen in der Regel alle Mitglieder desselben Netzwerkes  Zugang zu den persönlichen Informationen, die der Nutzer ohne Beschränkungen preisgibt. Solche Beschränkungen der eigenen Daten bietet jedes Netzwerk, auch Facebook und von ihnen sollte man Gebrauch machen. Dabei kann man bestimmte Informationen völlig unveröffentlicht lassen oder nur bestimmten Netzwerkmitgliedern den Einblick erlauben. Denn wer letztendlich das öffentliche Profil eines Nutzers besucht, darüber hat der Nutzer keine Kontrolle.

Anhand von kurzen Filmeinspielungen (http://www NULL.klicksafe NULL.de/spots/)soll den Schülerinnen und Schülern verdeutlicht werden, dass ein für alle ersichtliches Profil unter Umständen Auswirkungen auf die Ausbildungsplatzsuche hat, dass ein Datenmissbrauch hinsichtlich der Erstellung von Fakeprofilen, Verkauf von persönlichen Daten wie Adressen, Bildern, Filmen etc. stattfinden kann und Möglichkeiten Internetmobbing zu betreiben eröffnet.

Ebenso wurde das Thema Freundschaft bearbeitet. Mit dem Begriff „Freunde“ werden innerhalb des Sozialen Netzwerks Facebook, diejenigen Nutzer bezeichnet, mit denen man sich vernetzt. Hierfür müssen Freundschaftsanfragen gestellt werden, die anschließend bestätigt werden können, sofern der Nutzer der Freundschaft und somit einer Verbindung zwischen den beiden Konten zustimmen möchte. Daneben gibt es Möglichkeiten, eine Freundschaftsanfrage zu „ignorieren“ oder „abzulehnen“. Hierüber wird der Antragsteller nicht informiert.

Wie viele Freunde habe ich bei Facebook und wie viele im realen Leben? Was bedeutet „Freundschaft“ für mich? Warum brauche ich viele Facebook-Freunde bzw. bin ich wirklich mit allen meinen Facebookfreunden auch wirklich befreundet? Wie viel persönlichen Kontakt pflege ich mit meinen Facebookfreunden? „Befreundet“ zu sein bedeutet im Rahmen von Facebook, sich gegenseitig Einblick in die eigenen Profile (mit Profil wird im Folgenden der Anteil des Facebook‐Kontos eines Nutzers bezeichnet, der für die andere Nutzer zu sehen ist) zu gewähren sowie Informationen, Nachrichten, Bilder, Videos etc. tauschen oder beispielsweise gemeinsam „Apps“ (Anwendungen wie bspw. Spiele) nutzen zu können.

Das Thema „Pinnwandeinträge“ sollte den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, dass Einträge, die hier gemacht werden, im Internet unter Umständen eine weitläufige Spur und auch eine Art „Visitenkarte“ hinterlassen.

Auf der Pinnwand können sich auch andere Facebook‐Nutzer verewigen, indem sie Grüße ausrichten, persönliche Nachrichten jeder Art hinterlassen und sie können natürlich auch die Einträge anderer lesen. Die Inhalte bleiben auf der Pinnwand stehen, es sei denn, der Besitzer der Pinnwand oder der Verfasser der Nachricht löscht sie. Die Schülerinnen und Schüler gestatten damit, je nach Profileinstellung, fremden Menschen einen Einblick in ihre persönlichen Vorlieben und Geschmäcker. Ebenso sind auch Pinnwandeinträge für zukünftige Arbeitgeber interessant. So werden diese Einträge wie: „Heute kein Bock auf Arbeit, mache blau, wer macht mit?“ sicherlich nicht positiv kommentiert und bewertet.

Auch das Thema Cybermobbing wurde von mir mit den Schülern bearbeitet. Der Begriff Cyber-Mobbing oder auch Internet-Mobbing beschreibt verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen oder Firmen über das Internet. Dazu gehört auch der Diebstahl von (virtuellen) Identitäten, um in fremden Namen Beleidigungen auszustoßen oder Geschäfte zu tätigen.

Das Thema eröffnete ich mit der Frage, wer denn schon mal was von Cybermobbing gehört hätte oder Erfahrungen damit gesammelt habe. Präsanz hatte es, da einige Wochen zuvor eine Schülerin einer höheren Klasse, via Facebook eine Lehrerin massiv beleidigt hatte, was schulrechtliche Konsequenzen zur Folge hatte. Via Beamer bearbeitete und definierte ich mit den Schülerinnen und Schülern grundlegende Begriffe und Gesetze zu den Themen: Beleidigung, Urheberrechtsverletzung, Volksverhetzung, Anstiftung zu Gewalt oder anderen Verbrechen und Persönlichkeitsverletzung / Identitätsklau.

Die Schüler zeigten eine durchgängig hohe Motivation. Der Stoff war in einer Doppelstunde gut durchführbar. Eine höhere Stundenzahl würde ich aufgrund der Stoffdichte nicht empfehlen, da die Schülerinnen und Schüler nach der Doppelstunde merklich an Konzentration verloren und es somit fraglich wäre, ob weiterer Lernstoff erfolgreich vermittelt werden könnte.

Zu Empfehlen wäre eine Nachfolgeeinheit mit weiterführender Thematik und kurzer Wiederholung der schon bearbeiteten Themen.

Bezüglich der Auswahl der Klasse war der von mir behandelte Lernstoff für die Altersgruppe 12 – 15 Jahre zusammengestellt und ausgearbeitet worden. Diese Altersgruppe hat meiner Erfahrung nach den größten Bedarf an Bildung aus dem Bereich soziale Netzwerke im Internet, da sie eine große Zielgruppe von Facebook und Co. darstellen.

Hilfreich empfand ich, im Nachhinein betrachtet, die Anwesenheit der Klassenlehrerin während der Unterrichtseinheit. So konnte sie an den Inhalten teilnehmen, aber auch hilfreich, regulierend eingreifen, wenn es die Situation erforderte, da sie die Schülerinnen und Schüler besser kannte und einschätzen konnte als ich.

Eine Integration des Themas in den normalen Unterricht scheint nach Aussage der Klasselehrerin kaum möglich zu sein. Zum einen fehle es ihr an Fachwissen über diese Thematik, zum anderen lasse der übliche Lehrplan solche Einheiten kaum zu.

Die Aktualität des Themas wird sicher bleiben. Vor allem weil Facebook ständig Neuerungen in seinen Geschäftsbedingungen vornimmt, die somit auch Änderungen der Sicherheitseinstellungen zur Folge haben.

Zunehmen wird höchst wahrscheinlich auch die Integration des Internets in das persönliche Leben der Schülerinnen und Schüler. Zum einen durch fortlaufenden technischen Fortschritt auf dem Gebiet der Computertechnik, zum anderen auch durch eine zunehmende Technisierung des Alltags und des Berufsalltags insgesamt. Auch werden neue „Social Networks“ entstehen und auf den Markt kommen und dadurch die Anforderungen und Gefahren für den Einzelnen steigen. Das scheint auf längere Sicht eine Erweiterung des Lehrangebots an Schulen bzgl. Internetkompetenz im Allgemeinen, meiner Einschätzung nach, unerlässlich zu machen.

Interessierte Eltern, Lehrer und Jugendbeauftragte finden hier (http://www NULL.klicksafe NULL.de/) weitere Informationen über den Umgang und die Sicherheit bzgl. “Social Networks”