Dirtpark Wertingen – Ein Beispiel für politische Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Geschrieben von Tobias Kolb, Foto: Stefan Buchele (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. Februar 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/02/dirtpark-wertingen-ein-beispiel-fuer-politische-bildung-von-jugendlichen-und-jungen-erwachsenen/>
Abgerufen am 24. Januar 2019 um 10:58 Uhr

„Politisches und gesellschaftliches Engagement kann auch im kleinen, scheinbar unpolitischen Rahmen beginnen. Aufgabe der politischen Bildung ist es, aus dem vermeintlich Unpolitischen das Politische herauszuarbeiten.“ (Quelle (http://library NULL.fes NULL.de/pdf-files/akademie/10149 NULL.pdf))

Als sich im Frühjahr 2013 mehrere Jugendliche aus Wertingen mit dem Wunsch einen Dirtpark zu errichten an die Jugendpflege Wertingen wandten, dachte keiner der Beteiligten daran, dass dieses Projekt ein Lernort für politische Bildung sein könnte. Die Ziele waren klar definiert. Die Jugendlichen wollten einen Dirtpark, die Jugendpflege wollte sie hierbei unterstützen und in die offene Jugendarbeit einbinden.

Um das Projekt zu verwirklichen, mussten verschiedene Hürden genommen werden. Oberste Priorität hatte am Anfang die Frage, auf welchem Areal der Dirtpark entstehen sollte. Hier war für die Jugendlichen schnell klar, dass es am sinnvollsten ist, ein öffentliches Gelände der Stadt Wertingen zu suchen.

Nachdem erste Rücksprachen mit den Verantwortlichen (Bürgermeister, Jugendreferent, Verwaltung, Bauamt) der Stadt Wertingen gehalten wurden, haben diese den Jugendlichen ihre Unterstützung zugesagt. Die Jugendlichen wurden hier in alle Treffen und Gespräche mit einbezogen, sie konnten sich auf allen politischen und Verwaltungsebenen einbringen.

Somit beinhalteten gerade diese Vorarbeiten für die Jugendlichen Lernprozesse, z.B. wie politische Entscheidungen entstehen, was auf Verwaltungsebene zu beachten ist und wie viel Arbeit im Vorfeld geleistet werden muss um überhaupt „einen Spaten in die Hand nehmen zu können“. So wurde mit der Stadt Wertingen eine Nutzungsvereinbarung über das zur Verfügung gestellte Gelände mit Auflagen und Pflichten erarbeitet.

Als sich nach einiger Zeit auch das Landratsamt in die Planung mit einschaltete, sowie Bedenken von Umweltschützern, Jägern und Anwohnern laut wurden, waren die Jugendlichen gezwungen, hier zu vermitteln und durch positive Öffentlichkeitsarbeit ihr Vorhaben ins rechte Licht zu rücken.

Neben der Zusammenarbeit mit der Presse wurde das Projekt in einer Stadtratssitzung vorgestellt. Hier erlebten die Jugendlichen unmittelbar, wie Demokratie funktioniert und konnten sich im Umgang mit Entscheidungsträgern weiterbilden. Im Laufe dieser Öffentlichkeitsarbeit konnten die Jugendlichen zudem lernen, wie sie ihre Idee und ihr Vorhaben möglichst gut präsentieren und darstellen können. Dieses öffentliche Engagement der Jugendlichen führte dazu, dass das Projekt Dirtpark breite Unterstützung fand und nach wie vor findet.

Die Entstehung des Dirtparks Wertingen ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie lebenspraktische Fähigkeiten „nebenher“ erlernt werden können.  Außerdem wurde den Jugendlichen klar, dass Politik nicht nur ein abstraktes Gebilde ist, sondern auch praxisnah an Bedürfnissen und Wünschen orientiert sein kann und uns alle angeht. Der Lernprozess politische Bildung kann nur dann nachhaltig wirken, wenn Projekte und Angebote an der Lebenswirklichkeit und an den derzeitigen Interessen von Jugendlichen angesiedelt und nicht aufoktroyiert und interessensfern sind.