8. März: Internationaler Frauentag – Weltfrauentag

Geschrieben von Johannes Straaß (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/03/8-maerz-internationaler-frauentag-weltfrauentag/>
Abgerufen am 26. August 2019 um 12:48 Uhr

Bildquelle: Roland Peter / pixelio.de

Wo man in unserer Gesellschaft auch hinschaut, sieht man sowohl Männer als auch Frauen. Sei dies nun in der Politik, der Wirtschaft, auf dem Bau, in Kindergärten, bei den Angestellten und bei den Führungskräften, bei den Alleinerziehenden und auf der Karriereleiter. Verschiedene Berufsbereiche werden zwar teilweise immer noch von einem Geschlecht dominiert, doch insgesamt lassen sich fast in allen gesellschaftlichen Bereichen sowohl Frauen als auch Männer oder sowohl Männer als auch Frauen finden. Teilweise hat sich die Geschlechterdominanz verschiedener Berufszweige sogar umgekehrt, so war Medizin vormals beispielsweise ein klassischer Männerberuf, wohingegen heute 60 % der Medizin-Absolventen Frauen sind. Am 8. März wird seit 1911 jedes Jahr der internationale Frauentag gefeiert um diese Gleichstellung der Geschlechter voran zu treiben und um die Benachteiligung von Frauen zu bekämpfen.

In Deutschland stehen Männer und Frauen heute oft nebeneinander in verschiedensten Positionen. Doch was für uns fast schon selbstverständlich scheint ist es keinesfalls. Diese Geschlechter-Nicht-Aufteilung, ist in anderen Teilen der Welt oft nicht mehr als ein frommer Wunsch. Aber auch in Deutschland gibt es diese Möglichkeiten für Frauen noch nicht lange. Sie sind das Ergebnis einer Geschichte in der sich viele Menschen (insbesondere Frauen) engagiert, empört und den Gegebenheiten widersetzt haben. Voraussetzung für das Schaffen dieser Möglichkeiten war wohl, dass Frauen politisch mitreden konnten, indem sie eigene Interessenvertreter wählten und so auf gesellschaftliche Strukturen Einfluss nehmen konnten. Dies war nur möglich mit dem Frauenwahlrecht.

Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland 1918 eingeführt, nach mehreren Jahrzehnten intensiver Demonstrationen, Streiks und Auseinandersetzungen. In diesem Prozess ist auch der „internationale Frauentag“ entstanden. Dieser wurde 1911 mit dem Ziel eingeführt, das Frauenwahlrecht durchzusetzen, und sollte helfen hierfür die notwendige Öffentlichkeit zu schaffen. Der erste internationale Frauentag war auch ein großer Erfolg und wurde seither in regelmäßigem Turnus begangen (außer während der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, während der er verboten wurde). Nachdem sieben Jahre später das Frauenwahlrecht in Deutschland tatsächlich eingeführt wurde (1918), war das Ziel dieses „Feiertages“ erreicht. Doch das Wahlrecht für Frauen war nur ein kleiner Schritt hin zur Gleichberechtigung, weswegen der internationale Frauentag auch in Deutschland weiter gefeiert wurde und wird und fortan Gleichberechtigung und Menschenrechte für Frauen fordert.

Der internationale Frauentag, der auch häufig als “Weltfrauentag” gefeiert wird, ruft jedes Jahr am 8. März die Situation der Frauen in der Welt ins Gedächtnis und stößt damit immer wieder Diskussionen und Engagement an. Im Bezug auf Deutschland finden sich heute Diskussionen über Ungleichheit in der Bezahlung von Männern und Frauen, über Diskriminierung, über gesellschaftliche Rollen und Geschlechteridentität, aber auch über häusliche Gewalt. Für die Frauen in der ganzen Welt werden immer wieder verschiedene Mottos vorgeschlagen, so zum Beispiel 2003 von UNICEF: „Bessere Bildung für Mädchen“. 2007 wurde dieser Tag für die Forderung genutzt Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt unter Strafe zu stellen und 2014 war das Motto der Vereinten Nationen zum internationalen Frauentag: „Equality for women means progress for all“ (was so viel heißt wie: Gleichberechtigung für Frauen geht einher mit Fortschritt für alle).

In Deutschland wurde viel für unsere Frauen erreicht, doch zeigen aktuelle Zahlen, dass wir unseren Blick an diesem Tag nicht nur ins Ausland richten sollten. Eine Studie hat jüngst bekannt gemacht, dass ein Drittel der Frauen in Europa bereits mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller oder körperlicher Gewalt geworden sind. Diese Zahlen sind eine Aufforderung an die Gesellschaft und an die Politik öffentlich über Gewalt gegen Frauen zu diskutieren und diese nicht tot zu schweigen. Dem muss natürlich auch eine angemessene Ächtung entsprechenden Verhaltens folgen. Zudem ist es beispielsweise in Irland Frauen nicht gestattet ihre Schwangerschaft aus freiem Willen abbrechen zu lassen, was die Freiheit über die eigene Reproduktion einschränkt, was bei Vergewaltigung oder Missbrauch, mehr als unangemessen ist. Es gibt also noch einige Themen, die dieser Tag ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen sollte.

Da Frauen heute teilweise, insbesondere in unserem Bildungssystem, besser zurecht kommen als Männer könnte man auch einen Tag zur Bekämpfung struktureller Benachteiligung von Männern initiieren. Es gibt seit 1999 auch einen internationalen Männertag, dessen Augenmerk auf Gesundheit von Männern und Jungen liegt und auch deren Benachteiligungen aufzeigen und thematisieren soll. Dieser Tag soll allerdings keine Konkurrenzveranstaltung sein, sondern ebenso wie der internationale Frauentag die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern.

Anmerken muss man jedoch auch, dass mit dem Wandel der Geschlechterrollen auch die Gewalt von Frauen gegen Männer zugenommen hat. Ein Phänomen, dass von Männern auch gerne verschwiegen wird, da niemand gerne zugibt Opfer von Gewalt zu sein. Diese Gewalt von Frauen gegenüber Männern beschränkt sich hierbei nicht nur auf psychische Gewalt und Mobbing. Vermehrt tritt auch massive körperliche Gewalt von beispielsweise jugendlichen Frauen gegenüber anderen männlichen Jugendlichen auf. Besonders in Trennungskonflikten ist die Bereitschaft von Frauen Gewalt anzuwenden besonders groß. Um die häufig vorliegende körperliche Unterlegenheit auszugleichen greifen Frauen dabei immer wieder zu allen möglichen Gegenständen. Diese Zunahme der Gewalt von Frauen gegenüber Männern kann wohl als Fortschritt der Gleichberechtigung gesehen werden, ist aber genau so wenig wünschenswert wie ihre umgekehrte Form.

Der internatinale Frauentag ist also nicht nur für Entwicklungsländer ein wichtiger symbolischer Tag, sondern behält seine Relevanz auch in Deutschland. Neben Herausforderungen, Ungleichheiten und Fragestellungen, die zu diskutieren sind, ist dieser Tag aber auch ein Tag zum feiern. Ein Tag der uns zeigt, dass wir gemeinsam eine gerechtere Welt erschaffen können und das wir uns freuen sollten, dass wir einander haben, denn was sollen Männer auf dieser Welt ohne Frauen und was sollen Frauen ohne Männer. Wir gehören einfach zusammen um Leben weiter zu tragen und daher dürfen wir ruhig gemeinsam die beiden Geschlechter feiern. Am internationalen Frauentag die Frauen und am internationalen Männertag die Männer. Daher hoffe ich ihr habt am 8. März alle zusammen ordentlich diskutiert und gefeiert 🙂

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wichtige Quellen:

  • Bundeszentrale für politische Bildung: 8. März: 100. Weltfrauentag; Url.: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68844/weltfrauentag-08-03-2011 (http://www NULL.bpb NULL.de/politik/hintergrund-aktuell/68844/weltfrauentag-08-03-2011) (27.03.2014);

  • Landezentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: 8. März 2014: Internationaler Frauentag; Url.: http://www.lpb-bw.de/08_maerz_frauentag.html (http://www NULL.lpb-bw NULL.de/08_maerz_frauentag NULL.html) (27.03.2014);

  • Wikipedia: Internationaler Frauentag; Url.: http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Frauentag (http://de NULL.wikipedia NULL.org/wiki/Internationaler_Frauentag) (27.03.2014);

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: ImFokus: Im Detail: Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland; Url.: http://www.bmfsfj.de/mag/root,did=114188.html (http://www NULL.bmfsfj NULL.de/mag/root,did=114188 NULL.html) (27.03.2014);

  • Osnabrücker Zeitung; Franziska Kückmann: Weltfrauentag: Amnesty beklagt deutsche Gleichgültigkeit; Url.: http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/457004/weltfrauentag-amnesty-beklagt-deutsche-gleichgultigkeit (http://www NULL.noz NULL.de/deutschland-welt/politik/artikel/457004/weltfrauentag-amnesty-beklagt-deutsche-gleichgultigkeit) (27.03.2014);

  • Zeit online; Elisabeth Raether und Tanja Stelzer: Das geschwächte Geschlecht; Url.: http://www.zeit.de/2014/02/maenner-krise-maennerbewegung (http://www NULL.zeit NULL.de/2014/02/maenner-krise-maennerbewegung) (27.03.2014);

  • Zeit online; Johanna Kutsche: Emanzipation mit dem Regenschirm; Url.: http://www.zeit.de/online/2009/11/frauentag-gewalt-von-frauen (http://www NULL.zeit NULL.de/online/2009/11/frauentag-gewalt-von-frauen) (27.03.2014);

  • Wikipedia: Internationaler Männertag; Url.: http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_M%C3%A4nnertag (http://de NULL.wikipedia NULL.org/wiki/Internationaler_Männertag) (27.03.2014);