Wahlnachbetrachtung mal anders – ein Interview mit Erich Nieberle (SPD) zu seiner Kandidatur als Bürgermeister

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Mai 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/05/interview-mit-erich-nieberle-zu-seiner-kandidatur-als-buergermeister/>
Abgerufen am 15. Oktober 2019 um 02:16 Uhr

Erich Nieberle

Im letzten dreiviertel Jahr fanden viele Wahlen auf verschiedenen Ebenen statt. Von den Kommunen bis hin zum Europaparlament war in Bayern alles dabei. Wie auch viele andere hat die Politische Bildung Schwaben von den Wahlen und Wahlsystemen berichtet. Auch wenn viele nicht wählen gehen, weiß doch fast jeder, wie man sich als Wähler fühlt. Man macht sich Gedanken über die Parteien und wie viele Kreuze man auf dem Stimmzettel machen darf.

Wir haben uns gefragt, wie ist es eigentlich, wenn man von seinem passiven Wahlrecht gebraucht macht und als Kandidat oder Kandidatin auf dem Stimmzettel steht?

Erich Nieberle – Diplom Sozialpädagoge (FH) – ist kommunaler Jugendpfleger und Geschäftsführer des Kreisjugendrings Ostallgäu. Er hatte im März für die SPD für das Amt des Bürgermeisters in Marktoberdorf kandidiert und war so freundlich uns ein paar Fragen zu seiner Kandidatur zu beantworten.

Was war Ihre Intention, zu kandidieren?
Die Kommunalpolitik ist die direkteste Form, Demokratie zu leben. In der Kommune werden die Belange der  Bürgerinnen und Bürger gestaltet, die direkt Einfluss nehmen und für die unmittelbare Umwelt von Bedeutung sind. Dies stellt eine schöne Herausforderung dar, hier federführend mitzugestalten. In Marktoberdorf standen und stehen viele unterschiedliche Projekte beispielsweise in den Bereichen Bildung, Stadtentwicklung und Energie an, die für die Zukunft der Stadt wichtig sind. Und hier eigene Ideen mit einzubringen, die im politischen Prozess umgesetzt werden sollen, ist eine höchst attraktive Aufgabe, der ich mich mit Freude stelle.

Wenn Sie an den Wahlkampf zurück denken, wie viele Veranstaltungen haben Sie durchgeführt bzw. an wie vielen waren Sie beteiligt?
Es waren ca. 20 Veranstaltungen, die selber geplant und durchgeführt wurden. Insgesamt ca. 30 Veranstaltungen mit meiner Beteiligung.

Was war Ihre größte Veranstaltung, vor wie vielen Personen haben Sie gesprochen und wie ist es Ihnen damit ergangen?
Die größte Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion, veranstaltet von der lokalen Presse, mit allen fünf KandidatInnen für das Bürgermeisteramt mit ca. 1.300 BesucherInnen. Alle KandidatInnen waren sehr gut inhaltlich vorbereitet und somit war die Veranstaltung für die BesucherInnen von hohem Informationsgehalt.
Durch die Gestaltung der Diskussion war es eine hervorragende Gelegenheit die eigenen Positionen einem großen Publikum darzustellen.
Die Zeitung hat hier also einen wertvollen Beitrag zur politischen Bildung im Sinne unserer Demokratie geleistet.

Welche Themen wurden in Ihrem Wahlkampf hauptsächlich diskutiert?
Das Hauptthema, das die Marktoberdorfer emotional mehr als berührt, war die Schließung des Krankenhauses über ein Jahr vorher bzw. die Umstände. Obschon dies keine Angelegenheit in der politischen Entscheidung der Stadt Marktoberdorf war, war der Wahlkampf auch auf der Stadtebene damit ein wichtiges Thema, um Einfluss auf die Nachnutzung zu nehmen.

Haben sich junge Menschen für Ihren Wahlkampf interessiert und wie haben Sie junge Menschen angesprochen?
Zum einen durch eine Gruppe junger Menschen mit einer Facebookumfrage an alle KandidatInnen, die sich vor einigen Jahren zusammengeschlossen hat, um auf die Unzulänglichkeiten mehr als berechtigt aufmerksam zu machen, dass für Junge in der Ausgehlandschaft und jugendkulturell viel zu wenig geboten wird und die Stadt hier attraktivere Rahmenbedingungen forcieren muss. Das Thema Jugend war eines der Wichtigsten in meinem Wahlkampf auf dem Hintergrund der demografischen Veränderungen, denen es aktiv zu begegnen gilt (Wohnen, Bildung, Arbeit, Freizeit etc.). Ich hatte schon den Eindruck, junge Menschen zu erreichen, vor allem mit unkonventionellen Veranstaltungen und Ideen: z.B.: Rockkonzert und Kondomverteilaktionen in der Faschingszeit.

Welche Reaktionen gab es von der Bevölkerung und von der Presse auf Ihren Wahlkampf?
Ich möchte dies sehr kurz beantworten: insgesamt sehr positiv

Wie war der Umgang  mit Ihren politischen Kontrahenten (hart, kollegial, emotional…)?
In der direkten Auseinandersetzung bei zwei Diskussionsveranstaltungen mit allen KandidatInnen: klar in den Ansagen, trotzdem sachlich und fair.

Hat Sie Ihr Wahlergebnis überrascht bzw. enttäuscht?
Das Ergebnis als Bürgermeisterkandidat war enttäuschend, da durch den Wahlkampfverlauf und  die Rückmeldungen ein besseres Ergebnis im ganzen Team zu erwarten gewesen war. Insgesamt aber soweit trotzdem positiv, als das Ziel mehr Sitze durch ein gutes Ergebnis für den Stadtrat zu holen, erreicht wurde.

Gibt es prägende Erfahrungen aus dem Wahlkampf?
Die eigentlich Überraschende zuerst: dass vieles, was an einen herangetragen wird, und hier meine ich nicht die politische Konkurrenz, aus Halbwissen und Vermutungen bestehen, die dann nicht immer unmittelbar zu widerlegen sind.
Das aber Positive: dass im politischen Wettstreit Positionen klar zu vertreten sind, die auf der Sachebene bleiben und nicht auf die persönliche Ebene Einfluss nehmen oder gar abdriften

Was ist davon wichtig für die politische Bildung?
Es bedarf mehr an transparenter, umfänglicher und kontinuierlicher sachlicher Informationsmöglichkeiten.

Wollen Sie in sechs Jahren wieder kandidieren?
Diese Frage kommt zu früh J

Vielen Dank, Herr Nieberle