Was ist eine Währungsunion und warum sollte man so etwas wollen?

Geschrieben von Johannes Straaß (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. Juni 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/06/was-ist-eine-waehrungsunion-und-warum-sollte-man-so-etwas-wollen/>
Abgerufen am 24. Januar 2019 um 10:56 Uhr

Staaten mit Währungen, die an den Euro oder den US-Dollar gebunden sind:

Das Politische System der EU besteht aus 28 Staaten, die wirtschaftlich zusammen arbeiten wollen um durch die entstehende wirtschaftliche Abhängigkeit Frieden zu sichern und um durch einen größeren Markt das Wirtschaftswachstum zu fördern. 18 dieser Staaten haben die gemeinsame Währung, den Euro, eingeführt um in ihrem wirtschaftlichen Handeln noch enger zusammen zu rücken. Dadurch haben diese 18 Länder einen einheitlichen als auch freien Binnenmarkt geschaffen und Transaktionskosten gesenkt, was den wirtschaftlichen Austausch zwischen diesen Ländern stärkt. Dies hat zur Folge, dass aus verschiedenen Wirtschaftsräumen einer wird. Entsprechend wird es notwendig, dass Wirtschafts- und Währungspolitische Regelungen sehr gut auf einander abgestimmt sind.

 

Ein neuer Wirtschaftsraum

Mit der Einführung der gemeinsamen Währung sind die verschiedenen Wirtschaftsräume/-systeme der Euroländer zu einem neuen Wirtschaftssystem zusammengewachsen.
Kennzeichnend für ein System ist, dass es sich nach außen abgrenzt, also relativ geschlossen ist. Damit entsteht die Notwendigkeit für das System, sich mit sich selbst gut zu arrangieren, sprich ein Gleichgewicht herzustellen, in dem es gut funktionieren kann. Durch die Schaffung der Währungsunion ist ein neues Wirtschaftssystem entstanden, was die Schwierigkeit mit sich bringt, dass die einzelnen Länder ihr Handeln und ihre Strukturen nicht mehr nur auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen müssen, sondern auch auf die Bedürfnisse des gesamten Wirtschaftssystems. Je größer das Wirtschaftssystem ist, je verschiedener der Lebensstandard in den beteiligten Ländern und je unterschiedlicher die Wirtschaftsleistung, desto eher muss das einzelne Land hierbei Kompromisse eingehen.
Solange jedes Land eine eigene Währung hatte, gab es eine wirtschaftliche Abgrenzung nach außen. Diese Abgrenzung fand in Form von veränderbaren Wechselkursen (durch die Veränderung der vorhandenen Geldmenge) und durch die Regulierung des Austausches (Zölle) statt. Mit dieser Regulierung konnte man strukturelle und wirtschaftliche Unterschiede zum eigenen Vorteil ausgleichen, gleichzeitig waren die verschiedenen Währungen durch diese Maßnahmen jedoch erheblichen Schwankungen unterworfen, was die Produkte eines Landes für andere Wirtschaftsräume immer wieder teurer oder billiger machte. Diese Preisschwankungen „fremder“ Produkte sind gerade dahingehend ein Problem, wo das eigene Land auf diese fremden Produkte angewiesen ist, was bei steigenden Preisen immer wieder zu Mangelversorgung führen konnte. Je mehr Handel also zwischen zwei Ländern getrieben wird, desto größer ist ihr Nutzen an einer gemeinsamen Währungsunion.

 

Hintergrund des Zusammenschlusses

Der Zusammenschluss zum Euroraum hatte also mehrere Gründe. Er sollte Versorgungssicherheit, Preisstabilität, Währungsstabilität, dadurch ideale Bedingungen für Investoren, Frieden, kooperative Wirtschaftspolitik und einen einheitlichen, freien Markt schaffen und damit insgesamt zur Steigerung des Wohlbefindens der Bürger beitragen. Mit dem neuen Wirtschaftssystem kommt jedoch auf einmal zu tragen, dass die Wirtschaft der einzelnen Euroländer unterschiedlich stark ist, die Verschuldung verschieden groß ist und die Sozialsysteme unterschiedliche Standards haben. Wenn man für all die verschiedenen Ausgangsbedingungen jedoch in etwa die gleiche Politik macht, was ja gerade der Witz einer Währungsunion ist, dann haben die einen mehr Vorteile und die anderen mehr Nachteile. Entsprechend ist es nachvollziehbar, dass es gewisse Voraussetzungen gibt, die ein Land erfüllen muss um in die europäische Währungsunion aufgenommen zu werden. Diese sogenannten Konvergenzkriterien sind:

Preisstabilität (die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozent über derjenigen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer der Europäischen Union liegen)
Höhe der langfristigen Zinsen (die langfristigen Nominalzinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozent über den selbigen Zinssätzen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer der Europäischen Union liegen)
Haushaltsdisziplin (das jährliche öffentliche Defizit sollte nicht mehr als 3% und der öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60% des Bruttoinlandsprodukts betragen)
Wechselkursstabilität (der Beitrittskandidat muss mindestens zwei Jahre an einem Wechselkurssystem teilgenommen haben, während dessen es zu keinen starken Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro kommen darf)

Diese Voraussetzungen schaffen ein etwa ähnliches Niveau der Länder in der europäischen Währungsunion. Doch wurden diese Kriterien teilweise nicht all zu genau genommen und bei dem ein oder anderen Beitritt aus politischen Gründen ein Auge zu gedrückt. Schwierig bei diesem ganzen Vorgehen ist natürlich auch, alle wichtigen Variablen weitestgehend korrekt zu erfassen.

 

Gemeinsame Zukunft erfordert angleicheung an einander
Trotz dieser Eintrittsvoraussetzungen bestehen aber immer noch viele Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern der Währungsunion, was für ein langfristiges Bestehen eine Angleichung der verschiedenen Wirtschaftsräume und -strukturen, als auch der sozialen und finanziellen Bedingungen notwendig macht (wirtschaftliche Integration). Diesen Prozess der wechselseitigen Annäherung kann man als Anpassung an die neue Situation betrachten, also als das langsame finden eines Gleichgewichts in diesem neuen System (das „perfekte“ Gleichgewicht wird es hierbei nie geben). Das diese relative Anpassung einige Jahrzehnte dauern kann, sollte nicht verschwiegen werden. Gerade in dieser Anpassungsphase sind die einzelnen Länder besonders anfällig für „Nachfrageschocks“, also wirtschaftlich problematische Situationen.
Da in einem Währungsraum wirtschaftliche Schocks, die nur in bestimmten Regionen/Ländern auftreten (asymmetrische Nachfrageschocks), nicht mehr durch Abwertung der Wechselkurse neutralisiert werden können, ist es laut Robert Mundell (Theorie optimaler Währungsräume) für einen „optimalen Währungsraum“ notwendig, dass diese asymmetrischen Nachfrageschocks alternativ durch eine ausreichende Faktorenmobilität ausgeglichen werden. Faktorenmobilität meint, dass Produktionsfaktoren wie Arbeitskräfte, Kapital, Ressourcen, Standorte… möglichst flexibel und mobil sind. Die Erhöhung dieser Faktorenmobilität soll durch die Politik geschaffen werden. In der europäischen Währungsunion ist diese Faktorenmobilität erschwert, da es in diesem Wirtschaftsraum keine gemeinsame Sprache gibt. Zudem ist die Offenheit gegenüber anderen Arbeitskräften und gegenüber flexiblen Veränderungen des Lebensraumes nicht immer übermäßig groß. Asymmetrische Schocks lassen sich jedoch teilweise auch durch flexible Kapitalströme ausgleichen, was im Rahmen der Wirtschaftskrise auch geschehen ist (Rettungsschirm). Wirtschaftliche Schocks sind für Währungsunionen zudem weniger gefährlich, wenn die einzelnen Länder wirtschaftlich möglichst breit aufgestellt sind und nicht von einer einzelnen Branche abhängig sind.

 

Es bleibt viel Mitverantwortung beim einzelnen Staat

Die Währungsunion fordert im großen eine einheitliche Währungs- und Wirtschaftspolitik, doch haben die einzelnen Länder immer noch viele Möglichkeiten ihre „regionale“ Wirtschaft zu steuern. So muss zum Erhalt eines wirtschaftlichen Gleichgewichts beispielsweise dafür gesorgt werden, dass genügend qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden sind, dass die Leute genügend Kinder bekommen, dass die Beziehungen zu anderen Ländern gut sind, dass man attraktiv für Investoren ist, dass sich die Leute auch sicher und wohl fühlen (was ja letztlich der alles bewegende Grund für Wirtschaft sein sollte), dass genügend Innovationsmöglichkeit gegeben ist und dass die Lebens- und Wirtschaftsform nachhaltiger Art ist.

 

Ausblick

Wenn also alle konstruktiv zusammenarbeiten, um das gemeinsame Ziel einer stabilen Währungunion zu erreichen, dann sind die langfristigen Vorteile einer Währungsunion wesentlich größer als die (relativ) kurzfristigen Nachteile. Das Problem besteht jedoch teilweise darin, dass sich nicht alle über das Ziel einig sind und teilweise das Vertrauen in die Richtigkeit dieses Weges fehlt. Ein weiteres Problem könnte der Rückgang von Erwerbsarbeit sein, da diese durch Rationalisierung und Mechanisierung zunehmend weniger erforderlich ist, jedoch eine grundlegende Größe des momentanen Systems darstellt. Hier könnte eventuell ein bedingungsloses Grundeinkommen entgegenwirken.
Es bleibt also spannend wie sich der Europäische Währungsraum weiter entwickelt.

 

wichtige Quellen:

  • Bundeszentrale für politische Bildung; Eckart D. Stratenschulte: Währungsunion (Euro); Url.: http://www.bpb.de/internationales/europa/europaeische-union/42864/waehrungsunion (17.06.2014);

  • Babler Wirtschaftslexikon – Das Wissen der Experten; PD Dr. Jörg Jasper: Europäische Währungsunion (EWU); Url.: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/europaeische-waehrungsunion-ewu.html (http://wirtschaftslexikon NULL.gabler NULL.de/Definition/europaeische-waehrungsunion-ewu NULL.html) (17.06.2014);

  • Bundeszentrale für politische Bildung; PD Dr. Klaus Zapka: Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion; Url.: http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/55810/europaeische-waehrungsunion?p=all (http://www NULL.bpb NULL.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/55810/europaeische-waehrungsunion?p=all) (17.06.2014);

  • Wirtschaftswoche; Anne Kunz: Robert Mundell – Der Pate unter den Ökonomen; Url.: http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/wirtschaftswissenschaft-robert-mundell-der-pate-unter-den-oekonomen/6358144.html (http://www NULL.wiwo NULL.de/politik/konjunktur/wirtschaftswissenschaft-robert-mundell-der-pate-unter-den-oekonomen/6358144 NULL.html) (17.06.2014);

  • uni-trier; Negative Nachfrageschocks; Url.: http://mp.uni-trier.de/GA-GN-Modell/3%20-%20Schocks/negative_Nachfrageschocks.php (http://mp NULL.uni-trier NULL.de/GA-GN-Modell/3%20-%20Schocks/negative_Nachfrageschocks NULL.php) (17.06.2014);

  • EU-Info. Deutschland; Warum gab es nur in Deutschland keine Volksabstimmung zur Währungsunion? Url.: http://www.eu-info.de/euro-waehrungsunion/5009/5284/5285/ (http://www NULL.eu-info NULL.de/euro-waehrungsunion/5009/5284/5285/) (17.06.2014);

  • Frankfurter Allgemeine; Philip Plickert: Die Vor- und die Nachteile des Euro; Url.: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/waehrungsunion-die-vor-und-die-nachteile-des-euro-1653839.html (http://www NULL.faz NULL.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/waehrungsunion-die-vor-und-die-nachteile-des-euro-1653839 NULL.html) (17.06.2014);

  • Gmx.net; Robert Schmidt: Euro-Krise; Url.: http://www.gmx.net/themen/finanzen/euro-krise/24bbazc-euro-wohlstandsgarant#.hero.Eine%20W%C3%A4hrung%20rettet%20Europa.692.287 (http://www NULL.gmx NULL.net/themen/finanzen/euro-krise/24bbazc-euro-wohlstandsgarant# NULL.hero NULL.Eine%20Währung%20rettet%20Europa NULL.692 NULL.287) (17.06.2014);