Luft nach oben – Erhebung zu medienpädagogischen Angeboten

Geschrieben von Daniel Beiter, Medienfachberatung Schwaben (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Juli 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/07/luft-nach-oben-erhebung-zu-medienpaedagogischen-angeboten/>
Abgerufen am 7. August 2020 um 17:44 Uhr

Kinder und Jugendliche wachsen mit Smartphones, Internet und anderen Medien auf und nutzen wie selbstverständlich ihre vielfältigen Möglichkeiten, um sich auszudrücken, sich mitzuteilen, sich selbst auszuprobieren und damit auch sich selbst zu finden. Doch nicht alles, was geht, ist rechtlich auch erlaubt und gut für sie. Mit Handykameras werden Prügeleien aufgenommen und ins Netz gestellt, um Mobbing-Opfer fertig zu machen; Musik wird von YouTube und anderen Plattformen heruntergeladen, verschickt oder in eigene Videos eingebunden – ob legal oder illegal, ist egal. Auch oder gerade die „Digital Natives“ brauchen also eine medienpädagogische Begleitung, die Ihnen Grenzen und Risiken erklärt, legale und kreative Alternativen anbietet und sie somit darin unterstützt, sich zu mündigen und selbstbestimmten MediennutzerInnen zu entwickeln.

Eine effektive Methode der Vermittlung ist die aktive Medienarbeit, bei der Kinder und Jugendliche unter fachkundiger Begleitung eigene Medienprodukte wie Filme, Fotos oder Hörspiele erstellen und im Entstehungsprozess rechtliche Rahmenbedingungen, Manipulationsmöglichkeiten und mehr am praktischen Beispiel kennenlernen. Von der Projektbegleitung erfordert dies natürlich Zeit und medienpädagogisches Know-How. Für Angebote an Schulen bzw. für Fortbildungen von LehrerInnen gibt es bereits eine Reihe von Unterstützungen (mebis.bayern.de). Für Kinder und Jugendliche, die Projekte in ihrer Freizeit durchführen möchten, ist die Situation allerdings nicht so einfach. Ihre AnsprechpartnerInnen in den Vereinen, Verbänden und Jugendzentren verfügen nicht immer über die nötigen Kenntnisse und Ausstattung; Einrichtungen wie der Medienfachberatung Schwaben ist eine Projektbegleitung über einen längeren Zeitraum oft personell und logistisch nicht möglich.

Um diese Situation zu ändern, möchte die Medienfachberatung (http://www NULL.jff NULL.de/mfb/index NULL.php?RUBRIK_ID=60&FB_KAT=60) in Zusammenarbeit mit dem Bezirksjugendring Schwaben medienpädagogische Angebote und AnsprechpartnerInnen inner- und außerhalb der Jugendringe miteinander vernetzen sowie ein System von MultiplikatorInnen (u.a. Mitarbeiter von Jugendzentren) aufbauen, das mit Unterstützung der Medienfachberatung schwabenweit eine außerschulische aktive Medienarbeit leisten kann. In einem ersten Schritt haben sich die Medienfachberatung und der Bezirksjugendring über eine Umfrage bei den schwäbischen Stadt- und Kreisjugendringen zunächst einen Überblick verschafft, wo sich interessierte oder bereits fachkundige Personen befinden, wo bereits medienpädagogische Aktivitäten stattfinden und wo technisches Equipment zur Verfügung steht.

Umfrage-Ergebnisse zum Medienverhalten (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/07/Umfrageergebnisse NULL.png)
Umfrage-Ergebnisse zu medienpädagogischen Angeboten

 

Wie vermutet gibt es in Schwaben eine ungleiche Verteilung der medienpädagogischen Arbeit der Jugendringe. Einige von ihnen sind dank der Zusammenarbeit mit Einrichtungen (z.B. Medienfachberatung Schwaben, Medienstelle Augsburg des JFF, Medienwerkstatt Kempten) und mit Honorarkräften bereits gut aufgestellt und haben eigene medienpädagogische Angebote im Programm, in 4 der 14 Jugendringe gibt es Fachpersonal für die Medienarbeit. Genauso viele allerdings haben überhaupt keine medienpädagogischen Angebote. Auch Kinder- und Jugendmediengruppen sowie AnsprechpartnerInnen außerhalb der Jugendringe sind hier kaum bekannt. Ähnlich unterschiedlich ist auch die Ausstattung mit Geräten: Von einer unbegrenzt ausleihbaren Vollausstattung über einzelne, teils stark veraltete Geräte bis hin zu überhaupt keinen für eine Projektarbeit nutzbaren Geräte sind die technischen Voraussetzungen sehr unterschiedlich, genauso wie die Kenntnisse der Förder- und Ausleihmöglichkeiten (z.B. Medienzentren, Jugendzentren) vor Ort. Das Ergebnis der Umfrage zeichnet also ein teils erfreuliches, teils aber auch ernüchterndes Bild der außerschulischen Jugendmedienarbeit in Schwaben, mit viel Luft nach oben.

Auf Basis der Umfrageergebnisse kann die außerschulische medienpädagogische Landschaft nun gezielt gefördert werden. Die Jugendringe haben den Nachholbedarf erkannt und möchten daran arbeiten: Über die Hälfte der Jugendringe möchte eigene Projektangebote in den Bereichen Foto, Video und Internet aus- oder aufbauen, andere möchten Unterstützungen für Kinder- und Jugendmediengruppen anbieten. Um sich für diese Arbeit zu wappnen, möchten die meisten von ihnen Fortbildungen und andere Unterstützungen der Medienfachberatung und des Bezirksjugendrings in Anspruch nehmen. Diese werden nun den Bedürfnissen der Jugendringe und der MultiplikatorInnen entsprechend geplant und ab Herbst durchgeführt, damit möglichst bald und flächendeckend AnsprechpartnerInnen für eine aktive Medienarbeit zur Verfügung stehen.

Wer sich für die Fortbildungs- und Unterstützungsangebote interessiert, kann sich jederzeit an die Medienfachberatung wenden.

Kontakt:

Medienfachberatung Schwaben
Bezirk Schwaben / Bezirksjugendring Schwaben
Info@medienfachberatung-schwaben.de (Info null@null medienfachberatung-schwaben NULL.de)
Tel. 0821-3101-4504