Blut muss fliessen – Undercover unter Nazis. Interview mit dem Regisseur Peter Ohlendorf

Geschrieben von Martin Tanfeld (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. November 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/11/blut-muss-fliessen-undercover-unter-nazis-interview-mit-dem-regisseur-peter-ohlendorf/>
Abgerufen am 21. November 2019 um 19:20 Uhr

„Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig, lasst die Messer flutschen in den Judenleib – Blut muss fliessen knüppelhageldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik…“; „Wir wollen euren Jesus nicht, das alte Judenschwein…“ und „Adolf steig hernieder und regiere Deutschland wieder.“ Solche und andere blutrünstigen, menschenverachtenden und rassistischen Hassparolen werden von martialisch und angsteinflößend aussehenden Nazis lauthals zu rabiater, schneller und lauter Musik freudestrahlend mitgegröhlt. Die rechte Hand erhoben zum Hitlergruß und in der anderen Hand ein kühles Bier.

Dies sind die ersten erdrückenden und niederschmetternden Bilder mit denen man in dem Film „Blut muss fliessen – Undercover unter Nazis“ konfrontiert wird. Für jeden demokratisch denkenden Menschen ein absoluter Schock. In so manchen Gesichtern kann man die Frage lesen, „Gibt es sowas wirklich noch in Deutschland?“ Die Antwort darauf ist ernüchternd und einfach. Ja, sowas gibt es noch.

Am Donnerstag, dem 16. Oktober 2014, wurde dieser Film im Audimax der katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH) in Benediktbeuern einem großen und breit gefächerten Publikum von Regisseur Peter Ohlendorf vorgeführt. Etwa 200 Besucher, hierunter waren sowohl Student/-innen als auch Anwohner/-innen aus der Region, sahen sich den Film an. Im Anschluss an den Film gab es noch eine rege geführte Podiumsdiskussion mit dem Regisseur Peter Ohlendorf, dem Rechtsextremismus-Experten und Journalisten Thies Marsen sowie zwei Vertretern der Student/-innender KSFH, Jasper Grosser und Martin Tanfeld. Bei dieser Diskussion wurden vor Allem die entstandenen Fragen des Publikums beantwortet und diskutiert.

Podiumsdiskussion, Blut muss fliessen, v.l.n.r. Martin Tanfeld, Peter Ohlendorf, Annette Eberle, Thies Marsen, Jasper Grosser (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/IMG_1491 NULL.jpg)

Teilnehmer der Podiumsdiskussion, v.l.n.r. Martin Tanfeld, Peter Ohlendorf, Annette Eberle, Thies Marsen, Jasper Grosser

Wie ungehemmt und ungebremst die rechte Szene ihre Konzerte überall in Deutschland, und auch in anderen Teilen Europas, feiern kann wird in diesem Film sehr gut dokumentiert und vor Augen geführt. Die braune Partymeile ist eine der wichtigsten Instrumente der Naziszene um neue Anhänger zu werben und um für Zusammenhalt innerhalb der Szene zu sorgen. Es macht den Eindruck frei nach dem Motto: „Wir feiern zusammen und kämpfen zusammen.“ Nicht umsonst wird die rechte Musik als eine Art „Einstiegsdroge“ in die Naziszene bezeichnet. Diese Behauptung erhärtet sich, wenn man die im Film gezeigten Bilder sieht.

Die Masche junge Menschen mit dieser Musik zu radikalisieren und zu ködern scheint nach wie vor sehr gut zu funktionieren. Auch wird ein Großteil der Szene durch solche Veranstaltungen finanziert.Der Journalist Thomas Kuban hat dieses braune Treiben jahrelang mit versteckter Kamera gefilmt und verfolgt. Dafür ist er ein sehr hohes Risiko eingegangen und muss seine wahre Identität geheim halten: Weil er den Nazis mit seinen Undercover-Drehs die Maske vom Gesicht reißt, gibt es schon seit langem Morddrohungen aus der rechtsradikalen Szene gegen ihn.

Im Fokus des Films stehen aber auch politische Entscheidungsträger und Behörden. Es wird versucht Antworten zu finden auf die Frage: „Warum kann auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden und wie lässt es sich verhindern?“ Der Film soll ein Bewusstsein schaffen und dazu auffordern nicht wegzusehen und Initiative zu zeigen. Dinge die gerade in einer Demokratie einen sehr hohen Stellenwert haben sollten.

 

Blut muss fliessen, Publikum (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/IMG_1498 NULL.jpg)

Publikum im Audimax der KSFH Benediktbeuern

Nicht umsonst gibt es den Begriff der „wehrhaften Demokratie“. Der Film ist sehr empfehlenswert und sehenswert, für Jede/-n.

 

 

 

 

 

 

 

Bevor der Film gezeigt wurde hatte ich noch die Gelegenheit Peter Ohlendorf zu seinem Film und zu diesem Thema zu interviewen:

M.T.: Herr Ohlendorf, wie sind Sie bzw. Herr Kuban auf die Idee gekommen diesen Film zu machen? Und wie haben Sie sich kennengelernt?
P.O.:Thomas und ich haben uns kennengelernt über einen gemeinsamen Freund, Thomas war zu diesem Zeitpunkt bereits 3 Jahre Undercover unterwegs in der Naziszene. Er war etwas desillusioniert darüber, dass sein Material nicht den Anklang in der Öffentlichkeit fand, wie er es sich vorgestellt hatte. Ich sagte ihm, dass ich es Wahnsinn finde, was er macht, und dass ich das Material gerne sehen würde. Zunächst mussten wir beide uns natürlich erst einmal ein wenig abtasten, jeder musste Vertrauen zum anderen fassen können. Zum einen, dass ich ihn wirklich nicht einmal aus Versehen verrate und seine wahre Identität offenbare, denn schnell hat man sich mal verredet und den Namen auf den Tisch gelegt, auch ohne dass man das will. Und ich musste natürlich auch erst einmal Vertrauen in ihn bekommen, dass er nach den 3 Jahren, die er bereits Undercover unterwegs war, noch nicht unscharf geworden ist und immer noch hinter dem steht, was er von Anfang an mit seinen Recherchen bezwecken wollte. Das Ganze hat ein paar Wochen gedauert,dann war uns klar, dass die Zusammenarbeit funktionieren kann. Nach Sichtung seines Filmmaterials sagte ich dann zu ihm, dass das eindeutig Stoff für einen Dokumentarfilm sei.

Haben Sie sich auch zuvor schon mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt?
Für mich ist das Thema Nationalsozialismus ganz früh schon ein Thema gewesen, denn mein Vater war noch im Krieg. Ich habe mit ihm viel debattiert über das was, da passiert ist, warum er für so ein fürchterliches politisches System in den Krieg gezogen ist. Und wie das wohl für viele meiner Generation war, habe ich nicht immer die ehrlichen Antworten bekommen, die ich erwartet hatte. Und damit war für mich aber auch klar, dass dieses Thema gesetzt war in meinem Leben, auch in beruflicher Hinsicht. Und so war und ist es dann auch.

Wie macht man das, einen Dokumentarfilm zum Thema Undercover unter Nazis?
Das war eine sehr große Frage, die uns beide beschäftigt hat, wie machen wir das jetzt? Es war für mich eine große Schwierigkeit, dass ich das wahre Gesicht von Thomas nicht zeigen konnte. Ich hatte einen Protagonisten, was toll ist für einen Film. Aber keiner kann ihm in die Augen schauen, keiner der Zuschauer kann emotional Kontakt zu ihm aufnehmen. Das war das größte Problem. Er musste sich so verstecken, dass er eine Kunstfigur wird. Und deswegen ja auch die krasse Verkleidung mit dieser Perücke und diesem gelben Sakko, um einen Leuchtturmeffekt zu bekommen, um so zu sagen: Er sticht heraus aus der Masse der Kolleg_innen, die zum weit überwiegenden Teil dem Thema Nazis keine große Aufmerksamkeit mehr geschenkt haben. Eine weitere Herausforderung war die Fülle an Material, die wir hatten, nämlich weit über 100 Stunden Filmmaterial. Wie kann man das alles so zusammenkürzen, dass der Film auch wirklich präsentabel wird? Und dann auch noch die Reise zusammen mit Thomas hineinzupacken, zurück an Orte, wo er versteckt gefilmt hatte – das war einiges an dramaturgischer Arbeit. Wir wollen ja zeigen: Die Konzerte sind die eine Sache, aber die Reaktionen der Gesellschaft darauf sind das Andere. Das war schon ein langes und heftiges Kneten bis dann der Plot stand. Der erste Rohschnitt war ein Film mit einer Länge von ca. 200 Minuten. Da habe ich zunächst immer davon geredet, dass die Zuschauer/-innen das aushalten müssten. Bis mir dann klar wurde, dass das einfach nicht geht und dass wir auf 90 Minuten runterkommen müssen. Es war dann noch einmal ein ziemlich schwieriger Prozess.

Warum wurde der Film bisher nicht im Fernsehen oder im Kino gezeigt?
Dazu muss man zunächst einmal die Frage stellen, warum stößt das Projekt von Beginn an, also von 2006 an, auf eine solche Ablehnung? Hierzu kann ich nur auf eine Stelle in unserem Film verweisen, in der Thomas ja wirklich handfest gegenüber dem damaligen Innenminster Günther Beckstein beweisen kann, was bei den Nazikonzerten abgeht. Und Herr Beckstein wischt das vom Tisch. Da sitzen Münchener Kolleginnen und Kollegen von uns in der Pressekonfenrenz – Süddeutsche Zeitung, Münchener Merkur, Bayerischer Rundfunk, DPA, TZ, AZ und einige mehr – und alle hat das nicht interessiert. Ich glaube, das zeigt am allerbesten, leider, dass unser Journalismus nicht mehr so funktioniert, wie es eigentlich sein sollte. Die Funktion als vierte Gewalt im Staat, die drauf schaut, dass die demokratischen Strukturen ihren Job richtig machen, die ist so nicht mehr vorhanden. Das macht deutlich, dass wir uns in den Medien überlegen müssen, ob wir in Zukunft nicht wieder mehr auf eigene und investigative Arbeit setzen wollen oder doch nur auf die schnelle Nachricht und die schnelle Überschrift.

Diesen Film zu machen war sicherlich ein hoher finanzieller Aufwand. Wie und von wem wurde das Projekt finanziert?
Ich sage dazu gerne, weil es dann vielleicht ein bisschen bildhafter wird, ich bin im Familien- und Freundeskreis mit dem virtuellen Pappbecher rumgelaufen und habe gefragt, wer hat mal einen Tausender übrig? Ich habe das Glück, dass in meinem persönlichen Umkreis Menschen sind, die alle einen soliden und gut bezahlten Beruf haben. Somit war da Geld übrig und das konnte ich dann einsammeln. Und dann gab es da noch Freunde wie Stefan, der gesagt hat, mein Schnittplatz steht dir offen, ich arbeite erst einmal gratis für dich und wenn dann mal was reinkommt können wir darüber reden, was du bezahlen kannst. Das war die einzige Chance, den Film zu realisieren. Denn alles andere ist gescheitert, obwohl ich zum Beispiel gute Kontakte habe zu den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten. Aber auch bei Sponsoren und Stiftungen war Fehlanzeige – was ich mir auch einfallen habe lassen über die fast fünf Jahre der Produktion, ist einfach schlichtweg gescheitert.

Haben Sie eine Vermutung, woran all diese Versuche gescheitert sind? Ist dieses Thema einfach zu unbequem für die Öffentlichkeit?
Es hat, glaube ich, mehrere Aspekte. Zum einen den Aspekt des Ausblendens, lieber nicht zu viel darüber reden, das spielt mit hinein. Es gibt, denke ich, in Deutschland generell die Strömung, dieses unbequeme Thema Nazis jetzt doch endlich mal ad acta zu legen und sich lieber nicht so genau damit zu beschäftigen. Zum anderen spielt es eine Rolle, dass die Medien heutzutage, ganz offensichtlich, keine eigenen Radarschirme mehr aufbauen in dem Sinne, wie sie es tun sollten. Sondern, man sieht es auch im Film, der so genannte Terror von islamistischer Hand ist ganz im Vordergrund. Keine Frage, dass das auch einen Blick wert ist und man da aufpassen muss, das will ich gar nicht verharmlosen. Aber vielleicht noch kurz zu dem Begriff islamisitischer Terror: Eine Religion mit Terror gleichzusetzen ist für mich ein absolutes Tabu. Das sind Dschihadisten oder Salafisten, die sich bei ihrem fürchterlichen Handeln sicherlich auf den Koran berufen. Aber auf eine Art und Weise, die mit dem allergrößten Teil der muslimischen Welt nichts zu tun hat. Die aber wird dabei schnell pauschal unterVerdacht gestellt, was wiederum Ausländerfeindlichkeit befördert. Zurück zum Film: Man sieht dort, dass dieser dschihadistische oder salafistische Terror bei Pressekonferenzen im Vordergrund stand und das Thema Nazis dagegen marginalisiert wurde. Nach dem Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ hat sich ein bisschen was geändert, aber nicht entscheidend. Der tägliche Naziterror ist zwar durchaus präsent, das erleben wir immer wieder bei Diskussionen auf unserer Filmtour. Da ist häufig im Publikum die Rede von Angst und davon, dass staatliche Stellen nicht konsequent genug gegen Rechtsradikale vorgehen. Es wird endlich Zeit, dass wir alle uns nicht wegducken, sondern Nazis entschieden entgegentreten.

Gerade Herr Kuban hat sich für den Film in sehr große Gefahr begeben. Welche Gefahren ergeben sich für Sie bzw. Herrn Kuban durch dieses Filmprojekt? Gab es auch schon konkrete Vorfälle bzw. brenzlige Situationen bei Filmvorführungen?
Ja, bei einer Veranstaltung in Essen, beim Fanprojekt von Rot-Weiss Essen, dem Fußballverein. Da sind kurz vor Beginn der Veranstaltung circa zwanzig muskelbepackte Hooligans reingekommen und machten eine Ansage: „Wir sprechen hier für alle Fans von Rot-Weiss Essen, der Film läuft nicht.“ Leider hat sich das Fanprojekt darauf eingelassen und nicht die Polizei gerufen. Das fand ich katastrophal. Es gab Wochen später dann aber eine Wiederholung im Stadion von Rot-Weiss Essen in einem großen Saal mit 500 Zuschauer_innen. Das war letztendlich aber auch nicht ganz befriedigend ,weil der Tenor aus Fankreisen war, dass es kein Problem mit Nazis im Stadion gäbe. Das ist eine deutsche Realität, die ich öfter erlebe: Obwohl es einen Vorfall mit Rechtsradikalen gibt, gibt es kein Problem mit Nazis.

Ansonsten passierte auf der gesamten Tour bisher kein Übergriff. Es kommen immer mal wieder Nazis und versuchen mitzudiskutieren, mehr nicht. Es läuft insgesamt gut. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir inzwischen bekannter geworden sind mit unserem Film und somit auch die Öffentlichkeit unser Schutzschirm ist. Das ist auch ein symbolisches Bild für uns alle, die wir uns vor Ort gegen Nazis einsetzen. Wenn wir viele sind, wenn wir uns deutlich artikulieren, wenn wir uns einsetzen, wenn wir uns in der Presse zeigen und diese Meinung somit im öffentlichen Raum steht – dann haben Nazis keine Chance.

Wird von der Seite der Bundesregierung genug gegen Rechtsextremismus unternommen? Gibt es auf diesem Gebiet auch Versäumnisse?
Ich glaube es gibt inzwischen Ansätze von verschiedenen Menschen in staatlichen Positionen und in der Politik, die die Defizite sehen und beseitigen wollen. Damit meine ich gerade sowas wie die Arbeit, die sicherlich einen langen Atem verlangt – Prävention. Dafür müssen auch Mittel bereitgestellt werden, damit die Institutionen, die in diesem Feld arbeiten, nicht nur einen Etat für ein oder zwei Jahre haben, sondern eine längerfristige Perspektive bekommen. Dies ist notwendig, um Vertrauen aufbauen zu können bei all denen, mit denen sie arbeiten. Und um so über diese Langfristigkeit wirklich eine Tiefenwirkung erzielen zu können. Da gibt es noch großen Handlungsbedarf. Gerne arbeitet man sich dagegen an einem NPD-Verbot plakativ ab. Das gibt dann wieder eine gute Schlagzeile. Aber mühsame präventive Arbeit eignet sich nicht für große mediale Aufmerksamkeit. In diesem Punkt gibt es sehr viel Nachholbedarf.

Haben Sie das Gefühl mit Ihrem Film etwas bewegt zu haben?
Gerade vorhin habe ich noch eine junge Frau getroffen, die den Film in Herrsching gesehen hat, mit der ich damals noch gesprochen habe und die nun extra nach Benediktbeuern kommt um sich den Film nochmals anzusehen. Vielleicht ist gerade das ein schönes Bild, um eine Antwort darauf zu geben. Da bin ich ehrlich sehr bewegt. Was wir mit unserem Film bewegen können, da bin ich vorsichtig. Wir haben vielleicht die Chance ein wenig zu bewegen. So würde ich das nennen, wir haben die Chance, ein paar Impulse zu geben. Solche Begegnungen wie die mit der jungen Frau gab und gibt es auch immer wieder auf der Filmtour und das sind für mich wirklich kleine Sternstunden. Wo ich mir denke, okay, wir sind ganz gut unterwegs. Und was mich auch total freut: Wir finden immer noch neue Partnerinnen und Partner, die uns einladen, den Film zu zeigen. Und wenn ich jetzt rüberschaue in den Saal, wie er sich füllt, dann denke ich mir, wunderbar – wir sind wirklich gut unterwegs.

Würden Sie bzw. Herr Kuban, aus heutiger Sicht, den Film nochmal drehen?
Ja. Also wenn man schon einmal so eine lange Wegstrecke zurückgelegt hat, die ja an sich schon irrsinnig war, dann weiß man, warum man das macht. Ökonomisch war das ja der Wahnsinn, am Ende fast 200.000 € Schulden zu haben, von denen ich nicht wusste, wie ich sie jemals zurückzahlen sollte. Dass wir das jetzt schaffen, haben wir dieser Filmtour zu verdanken. Und zu Thomas: Es ist schon unglaublich, was er hingelegt hat, wie er sein Leben riskiert hat und trotz aller widrigen Umstände drangeblieben ist. Wer so etwas macht, wer so weit geht, der lässt sich auch nicht mehr irritieren. Thomas und ich würden das Projekt gerade auch aus heutiger Sicht wieder anpacken.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Soll es eine Fortsetzung geben mit dem übrigen Material? Gibt es andere derartige Filmprojekte, die Sie in Planung haben?
Momentan stehen wir in Verhandlungen mit dem BR, es gibt noch ein ganz kleines Restrisiko, dass diese Verhandlungen scheitern, aber es sieht so aus, als würde unser Film sehr bald auf ARD Alpha gesendet werden. Vielleicht sogar schon Ende November. Ansonsten wird gerade medienpädagogisches Begleitmaterial vorbereitet, in Kooperation mit der PH in Freiburg. Das heißt, dass wir den Film vielleicht schon im zweiten Quartal 2015 auf DVD zusammen mit dem medienpädagogischen Begleitmaterial anbieten können. Das übrige Filmmaterial von Thomas bleibt erst einmal liegen. Was jetzt das nächste Projekt ist, nennt sich „Heilbronn-Komplex“. In Heilbronn ist ja die Polizistin Michèle Kiesewetter vermutlich vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ ermordet worden und leider sind auch dort wieder unglaublich viele Spuren liegen geblieben. Man hat sich bei den Ermittlungsbehörden darauf geeinigt, dass die beiden jungen Männer vom Nationalsozialistichen Untergrund die Tat begangen haben und viele andere Fragen, die im Raum stehen, wurden nicht mehr angeschaut. Die Sicherheitsbehörden haben es sich hier sehr bequem gemacht, um das noch nett auszudrücken. Da wir das nicht so stehen lassen wollen und ich erlebt habe, wie nach einer Vorführung unseres Films in Heilbronn das Publikum den dortigen Polizeipräsidenten in die Zange genommen hat, habe ich in diesem Moment beschlossen, dass wir uns diesem so wichtigen Themenkomplex widmen werden. Die Chancen sind nicht groß, da Licht ins Dunkel zu bringen. Aber meiner Meinung nach sind wir das einfach unserem journalistischen Ethos und unserer Verantwortung gegenüber der Demokratie schuldig.

 Vielen Dank für Das Interview, Herr Ohlendorf!