Klimawandel und die Notwendigkeit der Energiewende – Hintergründe und Ausblicke

Geschrieben von Johannes Straaß (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. November 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/11/klimawandel-und-die-notwendigkeit-der-energiewende-hintergruende-und-ausblicke/>
Abgerufen am 24. Januar 2019 um 10:57 Uhr

Nachdem wir uns im ersten Beitrag zum Thema “Energie-Klima-Nachhaltigkeit” mit erneuerbaren Energien in Deutschland (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2014/09/erneuerbare-energien-in-deutschland-wie-was-warum-und-wohin/) beschäftigt haben, folgt nun Teil 2:
Die Energiewende ist ein emotionales Thema zu dem jeder eine Meinung hat. Doch worum es dabei geht, welche Aspekte dahinter stehen und wie groß oder klein die Notwendig für Engagement dabei ist, wird meist von sehr subjektiven Standpunkten aus dargelegt. Daher wollen wir mit diesem Artikel ein paar Fakten und Orientierung an die Hand geben.

Was wissen wir über den Klimawandel

Dieses Jahr hat der Weltklimarat (intergovernmental panel on climate change – IPCC), bestehend aus zahllosen Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die neuesten Erkenntnisse bezüglich des Klimawandels, in seinem fünften Sachstandbericht, festgehalten. Alle 6-7 Jahre werden diese Berichte erstellt, die sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, den Auswirkungen des Klimawandels, möglichen Anpassungsstrategien, sowie den Möglichkeiten zur Minderung des Klimawandels befassen. In einem 30 seitigen Synthesebericht (http://www NULL.de-ipcc NULL.de/de/200 NULL.php), der Anfang diesen Monats (Nov. 2014) veröffentlicht wurde, werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst um so einen besseren Überblick für Entscheidungsträger und die Bevölkerung zu geben.

Die Erkenntnisse sind folgende:
Es ist vielfach bewiesene Tatsache, dass seit der Industrialisierung, ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, menschliche Aktivitäten kontinuierlich Auswirkung auf das Klima genommen haben. So ist durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum die Konzentration von Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre enorm angestiegen. Diese Treibhausgase bewirken (etwas vereinfacht), dass die Sonneneinstrahlung und die damit entstehende Wärme nicht mehr so stark in das Weltall reflektiert wird, sondern sich in unserer Atmosphäre staut. Das führt zu einer Erwärmung und einem Temperaturanstieg in unserer Atmosphäre (https://www NULL.youtube NULL.com/watch?v=dMDQzXvEBTE), was wiederum enorme Auswirkungen auf unser Klima im allgemeinen hat (Treibhauseffekt).

Welche Konsequenzen hat ein ungebremster Klimawandel

Die Erwärmung führt über kurz oder lang dazu, dass Gletscher und polare Eiskappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, dass das Meer versauert (Aufnahme von Treibhausgasen), extreme Wetterlagen zunehmen, Permafrostboden auf taut und noch mehr Treibhausgase frei setzt, sich Krankheiten leichter ausbreiten…pixabay werner22brigitte (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/cows-358959_1280 NULL.jpg)

Die Folgen (http://www NULL.oekosystem-erde NULL.de/html/klimawandel-03 NULL.html): Ganze Landstriche werden unbewohnbar, es kommt zu hohen Ernteausfällen und Dürren, die Wasserknappheit verschärft sich, es kommt zu Extremregen und Hochwassern gepaart mit Hitzewellen und Extremhitze. Stürme, Buschfeuer und Meeresfluten werden häufiger… Kurz: Das was für uns heute extrem ist, wird zum Normalfall.

Diese Veränderungen gehen an Tieren und Pflanzen nicht vorbei und viele Arten werden sterben, es wird zu großen Flüchtlingsströmen sowie zu wirtschaftlichen Zusammenbrüchen kommen. Die politische Situation in der ganzen Welt wird sich destabilisieren, Verknappung von Ressourcen wird vermehrt zu Konflikten und Kriegen führen. Langfristig gefährdet ein entsprechend schneller Klimawandel womöglich sogar die Existenz der allermeisten Spezies die es heute gibt (und wir Menschen sind abhängig von vielen anderen Lebensformen).

Alles in allem ist das kein besonders erquickliches Zukunftsszenario. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle dieses Thema ernst nehmen und uns gemeinsam um konstruktive Problemlösungen bemühen, damit wir diese negativen Auswirkungen abfedern oder bestenfalls verhindern können.

Frühere Klimaänderungen

Natürlich gab es auch schon in früheren Erdzeitaltern Veränderungen des Klimas (http://www NULL.oekosystem-erde NULL.de/html/klimageschichte NULL.html) und der Temperatur auf der Erde, was jedoch immer mit großen Veränderungen hinsichtlich des Lebens auf der Erde einhergegangen ist. Die Ursache für diese Klimaänderungen waren jedoch verschiedene natürliche Prozesse, die Auswirkung auf die Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO2) in unserer Atmosphäre genommen haben und damit auf die Reflexion von Sonnenlicht, wobei sich vergleichbare Prozesse über Jahrtausende bis Jahrmillionen hingezogen haben. Aber auch schon damals galt: pixabay comfreak (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/environmental-protection-544198_1280 NULL.jpg)Ist die CO2 Konzentration hoch, wärmt sich die Erde auf, da weniger Sonnenlicht zurück ins Weltall reflektiert wird, und umgekehrt.

Auch innerhalb verschiedener Erdzeitalters ist das Klima immer wieder um mehrere Grad zwischen „Kaltzeiten/Eiszeiten“ und zwischen „Zwischeneiszeiten/Warmzeiten“ geschwankt. Allerdings waren diese Wechsel relativ gering im Verhältnis zu Wechseln zwischen verschiedenen Erdzeitaltern. Warme Erdzeitalter werden als akryogenes (“nicht Eis bildendes”)  Warmklima bezeichnet und kalte Erdzeitalter als Eiszeitalter. Unsere Vorfahren, die Homosapiens, gibt es seit ca. 200 000 Jahren, das heißt wir haben während unserer ganzen Evolution in einem Eiszeitalter gelebt, das jetzt bereits seit 2,6 Millionen Jahren andauert (Erdzeitalter Quartär). Innerhalb dieses Eiszeitalters leben wir seit 10 000 Jahren in einer Warmzeit (dem Holozän), was den Aufschwung menschlicher Kulturen ermöglich hat.

Eine CO2 Konzentration, wie wir sie heute, durch Treibhausgasemissionen bedingt, haben, hat es in unserer Atmosphäre jedoch seit dem Pliozän (der Übergangszeit von dem vorausgehenden akryogenen Warmklima hin zu unserem Eiszeitalter) nicht mehr gegeben. Der Klimawandel, den wir Menschen also verursachen (das Klima ist ein sehr träges System), liegt in einer Größenordnung, die einen Wechsel zwischen Warm- und Eiszeit überschreitet und mit dem Wechsel zwischen einem kalten und einem warmen Erdzeitalter vergleichbar ist. Daher ist der Blick in das letzte akryogene Warmklima vielleicht ein Blick in die Zukunft. Gerald Haug (Geoforschungszentrum Potsdam) bringt das damit einhergehende Problem auf den Punkt: „Wir sind auf dem Weg zurück ins Pliozän… Die Frage ist: Wollen wir wirklich dorthin?“

Fossile Energieträger und unsere Abhängigkeit

Kohle und andere fossile Energieträger sind Abbauprodukte toter Pflanzen und Tiere, die in ihren chemischen Verbindungen die Sonnenenergie früherer Zeit, in Verbindung mit Kohlenstoff (C), gespeichert haben und durch Sedimentation unter die Erde gelangt sind. Dieser gespeicherte Kohlenstoff gelangt beim Verbrennen nun wieder in die Atmosphäre und verbindet sich mit Sauerstoff zu dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2).

Diese kompakte Energie lässt sich leicht speichern und aufbewahren, weshalb sie der Auslöser für die Industrialisierung und für den wirtschaftlichen Aufschwung war und damit einen enormen Bevölkerungszuwachs ermöglicht hat. Diese Grundlage unseres modernen Lebens, die Energieversorgung, von der wir momentan noch sehr abhängig sind, ist jetzt jedoch Ausgangspunkt für unser wahrscheinlich größtes Problem.pixabay tpsdave (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/12/california-78100_1280 NULL.jpg)

Daher müssen wir eine Energieversorgung entwickeln, die unseren Energiebedarf decken kann, ohne das Klima noch weiter zu belasten. Gelingt uns dies, werden sich zwar auch gesellschaftliche Strukturen ändern, wir werden jedoch weiterhin in dieser modernen Welt leben können. Gelingt uns dies nicht, werden wir (wenn wir Glück haben) wieder zurück in die archaische Frühzeit fallen und wie sämtliche Tiere auch, von der Hand in den Mund und vom Schicksal gebeutelt, leben müssen.

Was also ist die Energiewende und welche Notwendigkeiten bringt sie mit

Die Energiewende beschreibt den Umbau unserer Energieversorgung in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität, hin zu einer nachhaltigen Energiebereitstellung. Nachhaltige Energie bedeutet, dass der heutige Energiebedarf nicht zu Lasten zukünftiger Generationen gehen darf. Es dürfen also nicht mehr Schadstoffe produziert werden, als die natürlichen Ökosysteme der Erde wieder umwandeln und austauschen können (Regenerations- und Assimilationsfähigkeit). Gelingt dieses Nullsummenspiel nicht, wird unsere Energieproduktion weiterhin klimatische Aspekte beeinflussen.

Diese natürlichen Stoffkreisläufe (http://www NULL.oekosystem-erde NULL.de/html/system-erde NULL.html) geben also den Rahmen für ein nachhaltiges Leben auf der Erde vor, an den wir uns halten müssen, um die natürliche Lebensgrundlage für alles Leben auf der Erde (von dem wir als Mensch abhängig sind) aufrecht zu erhalten.

Nachhaltig zu leben ist also nicht etwas für Spießer, sondern ein Akt der Vernunft, der Gerechtigkeit und auch notwendig um die Bedeutung unseres eigenen Lebens aufrecht zu erhalten. Denn welchen Sinn macht Leben, und all unser Tun, wenn daraus nicht etwas bleibendes hervorgeht? Aus dem Biologieunterricht ist ja weithin bekannt, dass das höchste Ziel des Lebens der Selbst- und Arterhalt, sowie die Reproduktion sind. Das heißt natürlich nicht, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse ignorieren sollen, doch ist dem Leben auf Erden wenig gedient, wenn wir bei unserer Bedürfnisbefriedigung die Konsequenzen unseres Handelns übersehen und dadurch die Zukunft unserer Spezies gefährden.640px-20140510_xl_Energiewende-Demo--Energiewende-nicht-kentern-lassen--10.05.2014-Berlin_6478 (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/12/640px-20140510_xl_Energiewende-Demo-Energiewende-nicht-kentern-lassen-10 NULL.05 NULL.2014-Berlin_6478 NULL.png)

Wenn wir die natürlichen Stoffkreisläufe nicht überlasten wollen, ist es notwendig, dass wir nachhaltig Energie gewinnen, was nur mit erneuerbaren Energien möglich ist. Die Energiewende bezieht sich jedoch nicht nur auf den wichtigen Aspekt der Energiegewinnung, sondern auch auf die Steigerung der Energieeffizienz, als auch auf die Einsparung unnötigen Verbrauchs. Gerade bei letzterem Punkt kann sich jeder selbst ohne großen Aufwand auf die Finger schauen.

 

Wie es um die Energiewende in der Welt und in Deutschland steht, erfahrt ihr in einem der nächsten Rundbriefe.

 

Weitere Infos:

  • Die Klimageschichte der Erde (http://www NULL.oekosystem-erde NULL.de/html/klimageschichte NULL.html)
  • Anthropozän – Planet der Menschen (http://www NULL.zeit NULL.de/zeit-wissen/2014/02/anthropozaen-planet-der-menschen)
  • Klimageschichte (%20http://de NULL.wikipedia NULL.org/wiki/Klimageschichte)
  • Der aktuelle (Wissens-)Stand des Klimas (http://www NULL.de-ipcc NULL.de/de/200 NULL.php)