Was macht Gemeinden für junge Menschen attraktiv? – Jugendforum 2014

Geschrieben von Julia Tobari, Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. November 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/11/was-macht-gemeinden-fuer-junge-menschen-attraktiv-jugendforum-2014/>
Abgerufen am 26. November 2020 um 22:45 Uhr

Landflucht. Ein Thema, das in Geschichtsbücher gehört? Nein, denn auch heute haben gerade kleinere Gemeinden mit den Folgen des demographischen Wandels und zunehmender Abwanderung junger Menschen zu kämpfen. Somit stellt sich die Frage, was können Kommunen tun, um für Jugendliche attraktiv zu sein.

Um zu diesem Thema einen gemeindeübergreifenden Austausch zu ermöglichen, luden der Bezirk und der Bezirksjugendring Schwaben verschiedene Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Jugendarbeit zu diesjährigen Jugendforum ein. So versammelten sich gut 130 Gäste am 7. November in der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen.

Einleitend sprachen die Gastgeber Herr Reichert (Bezirkstagspräsident) und Herr Gahler (Vorsitzender des Bezirksjungendrings) über ihr persönlichen Engagement für die politische und verbandliche Jugendarbeit. Sie machten dabei deutlich, wie wichtig ihnen die Einbindung von Jugendlichen in Kommunalpolitik ist, denn Jugendliche hätten sehr wohl politische Interessen und konkrete Vorstellungen davon, was eine Gemeinde für sie attraktiv macht. Entscheidend ist hierbei, dass diese Interessen von Erwachsenen wahrgenommen und gemeinsam mit jungen Menschen Wege und Mittel gefunden werden diese umzusetzen.

Filmprojekt von Wertinger Jugendlichen zum Thema "Was macht eine Kommune für junge Menschen attraktiv?" (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/Jugendforum_film-2 NULL.jpg)

Filmprojekt von Wertinger Jugendlichen zum Thema “Was macht eine Kommune für junge Menschen attraktiv?”

Deutlich wurde dies auch in dem von Wertinger Jugendlichen gedrehten Film. Dieser beschäftigt sich aus gegebenem Anlass mit der Frage, was

eine Kommune für junge Menschen attraktiv macht und was sie brauchen um sich dort wohl zu fühlen. Die Aussagen der in dem Film interviewten Schüler und Schülerinnen sowie Auszubildenden zeichneten ein einheitliches Bild. Wichtig sind ihnen:

  • Ein guter öffentlicher Nahverkehr und gute Infrastruktur
  • Freizeitmöglichkeiten von verbandlichen Angeboten (Sportvereine etc.) bis hin zu Jugendtreffs mit einem erwachsenem Ansprechpartner
  • Gute, nah am Wohnort gelegene, Ausbildungs- und Arbeitsstellen
  • Ein/e kooperativer/e Bürgermeister/ Bürgermeisterin, der/ die immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Jugendlichen hat

Künstlerisch aufgelockert wurde die Veranstaltung vom „allgäuEnsemble“, die sich mittels Improvisationstheater mit dem Thema „Wer sich wohlfühlt, bleibt gerne in seinem Ort“ auseinandersetzten. Dabei gingen sie unter anderem darauf ein, dass Jugendliche Frei- und Gestaltungsräume brauchen, in denen sie sich entfalten können und dass Jugendpolitik keine Frage von Legislaturperioden sein sollte. Auch berichteten sie über ihre persönliche Entscheidung nach der Schauspielschule nicht in der Großstadt München zu bleiben, sondern in ihre Gemeinden zurückzukehren, um dort das kulturelle Leben aktiv mitzugestalten.

Bezirk Schwaben Jugendforum (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/11/Bezirk_Jugendforum0042 NULL.jpg)

Dr. Uwe Brandl, Präsident Gemeindetag Foto: Bezirk Schwaben/Andreas Lode

Nachdem die Perspektiven von Jugendlichen auf ihre Gemeinden dargestellt wurden, brachte Dr. Brandl (Präsident des bayerischen Gemeindetages) schließlich die Sichtweisen der Politik dazu zur Sprache, was Gemeinden brauchen um zukunftsfähig zu sein. Er betonte, dass die Zukunft einer Gemeinde mehr sein müsste als nur Jugendpolitik, sondern dass generationsübergreifend und langfristig (nicht nur in Legislaturperioden) gedacht werden müsse. Kommunen sollten sich kritisch damit auseinandersetzen, wo ihre Schwächen, aber auch wo ihre Stärken sind. Auch ging er darauf ein, dass mangelnde finanzielle Mittel und Landflucht (gerade in kleinen Gemeinden) in einen Teufelskreis führten: Unternehmen und ArbeitnehmerInnen wandern ab, dadurch hat eine Gemeinde finanzielle Einbußen, dies wiederrum führt dazu dass weniger Mittel für Infrastruktur bereit stehen und dies wiederum macht eine Kommune als Wirtschaftsstandort noch unattraktiver. Somit müssten Gemeinden etwas unternehmen. Dr. Brandl betonte aber, dass es dafür keine Pauschallösung geben könne, sondern dass jede Gemeinde ihren eigenen Stil finden müsse.

In der abschließenden Austauschrunde ging es um die persönlichen Erfahrungen der Gäste. Welche Aktivitäten es vor Ort in den Kommunen braucht, was dabei Jugendbeauftragte leisten können und welche Unterstützung diese brauchen. Dabei wurde deutlich, dass viele Jugendbeauftragte mehr Vernetzung untereinander und mehr Unterstützung sowie Ansprechpartner bräuchten. Es schien unklar zu sein, dass sie sich mit Fragen jederzeit an die (Kreis-)Jugendpfleger, an die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kreisjugendringe und an die Geschäftsstelle des Bezirksjugendrings wenden können. Von vielen Seiten kam der Einwand, dass auch, wenn es gute Ideen gäbe, insbesondere in kleinen Gemeinden nicht genug finanzielle Mittel für Angebote zur Verfügung ständen.

Ein weiteres wichtiges Thema, das bis dahin ausgeklammert wurde und das noch mehr Aufmerksamkeit bedarf, kam in der Diskussion auch zur Sprache: Jugendarbeit muss auch an Jugendliche mit Behinderung denken.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine lebendige Jugendarbeit nicht aus Geld entsteht, sondern aus der aktiven Beteiligung von Jugendlichen. Denn eine gut funktionierende Jugendarbeit ist keine, wie einer der anwesenden Sozialpädagogen treffend formulierte, von der man nichts hört und sieht, sondern eine, die in die Auseinandersetzung mit Jugendlichen und Politik geht.