Wer in die Zukunft investiert, glaubt an die Zukunft – Aspekte zur Jugendpolitik

Geschrieben von Dr. Uwe Brandl, gekürzt von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. November 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/11/wer-in-die-zukunft-investiert-glaubt-an-die-zukunft-aspekte-zur-jugendpolitik/>
Abgerufen am 11. Juli 2020 um 07:00 Uhr

Im Folgenden lesen Sie einen Auszug zur Jugendpolitik aus der Rede Dr. Uwe Brandls, Präsident Gemeindetag, zum Thema “Was brauchen Gemeinden um zukunftsfähig zu sein?”. Das vollständige Redemanuskript finden Sie auf unserer Webseite (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/veroeffentlichungen/) im Bereich »Veröffentlichungen > Dokumente«.

“…Standortfaktor Kinder- und Jugendfreundlichkeit
Kinder- und Jugendfreundlichkeit ist ein Standortfaktor, der eine immer größere Bedeutung erhält. Kinder- und Jugendfreundlichkeit in einer Gemeinde fängt dort an, wo wir es schaffen, bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungsplätze für diesen Personenkreis anbieten zu können. Wir haben in den bayerischen Gemeinden in den vergangenen Jahren mit einem erheblichen finanziellen, organisatorischen und personellen Kraftakt die vorschulischen Betreuungsplätze für unter 3 Jährige massiv ausgebaut.
Die Gemeinden haben damit einen wichtigen Beitrag geleistet für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch für ein außerfamiliäres Betreuungsangebot, das mit hoher Qualität auf die Bedürfnisse der jungen Familien eingeht.

(…) Es geht nicht nur um Vorschule und Schule, es geht auch um die weiteren Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, die wir den jungen Menschen in der Region anzubieten haben.
Deswegen halte ich es auch für begrüßenswert, dass der Freistaat Bayern mit seiner Initiative „Bildungsregionen in Bayern (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2013/09/bildung-wird-grossgeschrieben/)“ dieses Thema aufgegriffen hat. Wir brauchen verstärkt eine Kooperation und Vernetzung aller beteiligten Bildungsträger und Kommunen innerhalb einer Bildungsregion. Als Bildungsregion werden die Landkreise und kreisfreien Städte definiert. Wichtig ist dabei aus meiner Sicht eine enge Einbindung der kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden.

Freiräume und politische Partizipation
Junge Menschen werden allerdings ihren Wohnort nicht nur unter dem Gesichtspunkt beurteilen, welche schulischen und außerschulischen Bildungs- und Betreuungsangebote ihnen vor Ort zur Verfügung stehen, sondern natürlich auch unter dem Aspekt: Was ist hier los in meinem Ort?
Jugendliche brauchen öffentliche Räume zur Kommunikation und für ihre sozialen Aktivitäten. Sie brauchen Freiräume, wo sie unter sich sein und sich austauschen können. Sie fordern Freizeiteinrichtungen, Spiel- und Jugendplätze. Das alles sind klassische kommunale Aufgaben, denen sich die Gemeinden widmen müssen. Umfang und Ausstattung der Einrichtungen für Jugendliche hängen von der Größe des Ortes und insbesondere von den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde ab, aber auch von den Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen selbst. Und genau an dieser Stelle ist es sinnvoll, Jugendliche in kommunalpolitische Entscheidungsfindungsprozesse mit einzubeziehen.

Für mich ist die Kommunalpolitik die Schule unserer Demokratie. Hier lernen die Menschen hautnah, wie die politischen Akteure im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung die Dinge des öffentlichen Lebens selbst regeln. Gerade auch unter dem Gesichtspunkt der ernüchternden Wahlbeteiligung bei der letzten Kommunalwahl ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig in diese Entscheidungsfindungsprozesse mit einzubinden und für kommunalpolitische Fragen zu interessieren.

Mit der Partizipation junger Menschen auf der kommunalen Ebene beschäftigt sich der Bayerische Gemeindetag seit Jahrzehnten. Wir wissen alle, wie schwierig es ist, junge Menschen für Politik zu begeistern. Wir haben in der Kommunalpolitik sogar noch den Vorteil, dass es sich hier um politische Tätigkeitsfelder handelt, die vor Ort von den Menschen als wichtig und als direkt spürbar empfunden werden. Die „große Politik“ ist einfach viel zu weit weg. Kommunalpolitik das ist das, was vor der Haustüre geschieht. Dennoch merken wir in den politischen Parteien bei der Rekrutierung junger Kandidatinnen und Kandidaten eine immer größer werdende Zurückhaltung. Aber auch das kennen wir von Vereinen, die Kirchen und selbst den Feuerwehren.

Im ehrenamtlichen Engagement, auf das wir in unserer Gesellschaft künftig immer stärker angewiesen seien werden, machen wir die Beobachtung, dass junge Menschen – gerade in der Ausbildungsphase – und dann auch noch in der Startphase im Berufsleben immer weniger für solche gesellschaftlichen Aufgaben zu begeistern sind. Und wenn sie sich für ein bürgerschaftliches Engagement entscheiden, dann soll dies nicht auf Dauer angelegt sein, sondern eher Projektcharakter haben, vorzugsweise mit Eventcharakter.
Sich spontan für eine Sache zeitlich begrenzt einzusetzen, das funktioniert wohl eher. Aber sich dauerhaft ehrenamtlich für ein Ziel einzusetzen, da wird immer häufiger abgewinkt. Hier müssen die Kommunen durch geeignete Maßnahmen die Bereitschaft bei jungen Menschen zur Partizipation in der Kommunalpolitik, aber auch zur Teilnahme am ehrenamtlichen Engagement noch einiges tun.

Das kann in formalisierter Form in größeren Kommunen das Jugendparlament (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2010/07/junge-ideen-bringen-frischen-wind-herbert-heisler-uber-das-jugendparlament-in-obergunzburg/) sein, in dem jungen Menschen sehr früh die demokratischen Spielregeln erkennen und lernen sollen. Das können Jugendsprecher sein, die in kommunalpolitischen Entscheidungsfindungsprozessen mit eingebunden werden. Die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen sind von den Gemeinden zu schaffen. Und es bedarf der Bereitschaft, dass gewählte Repräsentanten und Mitarbeiter in den Rathäusern offen und partnerschaftlich auf die Jugend zugehen. Gleiches gilt für das ehrenamtliche Engagement. Wir werben als Bayerischer Gemeindetag für eine noch größere Anerkennungskultur. Menschen, die sich für andere einsetzen, die sollen auch in geeigneter Form mal eine Belobigung bekommen. Letztendlich muss uns doch allen klar sein, dass die Partizipation in der Politik oder aber das ehrenamtliche Engagement im sozialen oder kulturellen Bereich auch ein Stück Selbstfindung für den Einzelnen ist. Ja, es muss auch Spaß machen, es muss auch Freude bereiten, und man soll selbst auch davon profitieren, wenn man für andere da ist und ihnen zur Seite steht. Diesen Wert müssen wir noch stärker transportieren. Oft frage ich mich, warum wir bei der Beurteilung von Gemeinden uns Fragen stellen wie: Gibt es genügend Golf- oder Tennisplätze, wo ist die nächste S-Bahn-Haltestelle, gibt es einen Autobahnanschluss?

Ich würde gerne mal die Frage aufwerfen, ob die Lebensqualität in einer Gemeinde nicht auch davon abhängig ist, wie groß das ehrenamtliche Engagement, wie groß die Bereitschaft zur Partizipation bei kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen ist?
(…)Und für ein solches Engagement insbesondere die Jugend zu gewinnen, ist aus meiner Sicht für die Gemeinden eine der wichtigsten Herausforderungen. Wir müssen unser Gemeinwesen zukunftsfest aufstellen.

Das geht nur mit Beteiligung und mit der Hilfe der nachfolgenden Generation. Und wenn ich mir die gesamten Herausforderungen nochmals vor Augen führe: Arbeitsmarktsituation, demografischer Wandel, Aufgaben in der Familienpolitik, dann sollte uns doch allen klar sein, dass wir diese Herausforderung nur gemeinsam mit unserer Jugend vor Ort meistern können.

Für Kinder- und Jugendpolitik ist aus meiner Sicht der zuständige Kreisjugendring ein geborener Partner. Es sind die Jugendpflegerinnen und Jugendpfleger wie Sie, und es sind schließlich die jungen Menschen selbst, die sich für ihre Heimatstadt, für ihre Heimatgemeinde einsetzen wollen….”