Flashmob am Nikolaustag: Gruppe junger Menschen setzt sich für menschenwürdige Asylpolitik ein

Geschrieben von Martin Tanfeld (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. Dezember 2014 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2014/12/flashmob-am-nikolaustag-gruppe-junger-menschen-setzt-sich-fuer-menschenwuerdige-asylpolitik-ein/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:48 Uhr

Am 06.12.2014, dem Nikolaustag, machte eine Gruppe junger Menschen auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Tölz mit einem ruhigen und friedlichen Flashmob auf die Missstände an der EU-Außengrenze aufmerksam.

16 Personen legten sich zum Trompetenspiel von “Oh du Fröhliche” als tote Menschen auf die Pflastersteine der Marktstraße. Die “toten Körper” wurden mit Kreide umrandet. In die Umrahmung wurden Namen und Todestag, von im Mittelmeer verstorbenen Flüchtlingen, geschrieben.

Flashmob 1 (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/12/Flashmob-1 NULL.jpg)Speziell zu Weihnachten soll mit dieser Aktion, den Flüchtlingen gedacht werden welche auf der Suche nach Schutz verstorben sind.
Dass es sich hier um ein Gedenken, der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge handelt, war den meisten der Beobachter dieser Aktion rasch bewusst. Viele der Passanten und Besucher des Weihnachtsmarktes interessierte das Thema auch tatsächlich. Sie suchten das Gespräch mit den jungen Veranstaltern dieser Aktion und fragten nach mehr Informationen.

Die Flashmob-Gruppe wurde allerdings, noch bevor Informationen weitergegeben werden konnten, vom Vorstand des Vereins Aktive Tölzer e.V. aufgefordert, den Marktplatz umgehend zu verlassen.

Ein freundliches Angebot zu einem Gespräch wurde ignoriert und mit dem Hinweis, die Polizei wäre bereits verständigt worden, abgelehnt.
Daraufhin verlies die Gruppe friedlich und schweigend die Marktstraße – sie wollte keine Unruhe stiften, sondern lediglich ins Bewusstsein rufen, was jenseits der idyllischen Weihnachtsmarktwelt geschieht:

Flashmob 2 (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2014/12/Flashmob-2 NULL.jpg)Auf der Flucht vor Krieg und politischer Verfolgung sind allein in diesem Jahr schon mehr als 3.000 Schutzsuchende auf ihrem Weg in die EU ums Leben gekommen. Vor allem das Mittelmeer hat sich hierbei rasant zu einem großen Massengrab vor den Grenzen der EU entwickelt. Schlepperbanden machen sich die Situation zu Nutze und beuten die Flüchtlinge massiv aus. Sicherheit scheint auf den waghalsigen Überfahrten nicht zu interessieren. So überlebten zum Beispiel im Herbst 2013 nur 11 von 500 Personen den Untergang eines hoffnungslos überfüllten Flüchtlingsbootes vor der Mittelmeerinsel Lampedusa. Für 489 Menschen wurde diese letzte Etappe ihrer Flucht, zum rettenden europäischen Festland, zur Fahrt in den Tod.
Die Flashmob-Beteiligten fordern eine Kursänderung der Sicherheitspolitik an den europäischen Außengrenzen und möchten zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der geltenden Asylpolitik innerhalb der EU auffordern. Die Europäische Union sollte dazu aufgefordert werden, sich ihrer Verantwortung im Mittelmeer nicht mehr länger zu entziehen und zukünftig ein geschütztes Einreiseverfahren zu ermöglichen.

Eine Marineoperation wie Mare Nostrum, welche seit Oktober 2013 bereits mehr als 40.000 Menschen gerettet und mehr als 200 Schlepper festgenommen hat, ist ein Schritt in die richtige Richtung und sollte unbedingt fortgesetzt werden und nicht eingestellt.