Empört Euch! – Denn die Jacken sind bereits verteilt

Geschrieben von Franziska Leipold (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. Januar 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/01/empoert-euch-denn-die-jacken-sind-bereits-verteilt/>
Abgerufen am 19. September 2019 um 09:16 Uhr

Die Gruppe von Interessierten an der KSFH Benediktbeuern mit dem Namen „Die Jacken sind bereits verteilt“ trifft sich jeden Mittwoch für etwa zwei Stunden, um über die „Abschottungspolitik des privilegierten Westens“ zu debattieren.

Dieser Gruppe geht es um ein gemeinsames Ziel: „Empört Euch!“ Um politische Bildung und Aufklärung von und für Studierende der KSFH Benediktbeuern – und allen Interessierten, die davon hören und mitmachen möchten. Nach außen möchte die Gruppe informieren und sensibilisiert über die Abschottungspolitik am Beispiel der europäischen Flüchtlingspolitik.

Entstanden ist die Idee von zwei Studierenden, die von der Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ zum 25. Jahrestag des deutschen Mauerfalls gehört haben. Das „Zentrum für was?“ stellt sich schnell die Frage. Für politische Schönheit. Sie selbst beschreiben sich auf ihrer Internetseite (http://www NULL.politicalbeauty NULL.de) wie folgt: „Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) ist eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Grundüberzeugung ist, dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung von politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert wird und dass Deutschland aus Geschichte nicht nur lernen, sondern auch handeln muss. Das ZPS betreibt seit Jahren eine parallele deutsche Außenpolitik, die auf Menschlichkeit als Waffe setzt. Von Bosnien-Herzegowina über Aleppo bis in die Waldberge vor Melilla künden die Aktionen von der Kunst als fünfter Gewalt im Staate.“ Künstlerischer Aktionismus, um auf politische Missstände aufmerksam zu machen.

Die TAZ (http://www NULL.politicalbeauty NULL.de/Zentrum_fur_Politische_Schonheit NULL.html) meint dazu: „Große Visionen und Lebensziele sind den Mitgliedern des Zentrums für Politische Schönheit nicht fremd. Während die Sehnsüchte ihrer Generation um Karriere, Weltreise und Familie kreisen, ist es ihr erklärtes Ziel, Genozide zu verhindern. Nachdem sie dafür nahe liegende Wege wie Entwicklungshilfe, Politik oder Wissenschaft ausgeschlossen haben, lautet die Strategie Aktionskunst.“

Die Aktionskunst gründete sich in den 1960er Jahren und will die klassischen Formen der bildenden Kunst, um andere mediale (Fotografie, Video, Film) und performative Ausdrucksformen erweitern. Würdige und bekannte Vertreter sind Herrmann Nitsch („Wiener Aktionismus“), Joseph Beuys, Nam June Paik oder Wolf Vostell. Auch Marina Abramovic als eine bekannte Performance-Künstlerin kann man dazu zählen. Die Aktionskunst entstand als eine Schnittmenge von Kunst und Politik. Die Künstler suchten nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, auch um die Menschen auf politische Themen aufmerksam zu machen (Wolf Vostell thematisierte beispielsweise den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust in seinem „Zyklus Schwarzes Zimmer“).

Nun zurück von der Kunst der 1960er Jahre zu unserer Gruppe an der KSFH. Die beiden Studierenden hatten nicht nur überlegt, sondern sich auch für den Ersten Europäischen Mauerfall (http://www NULL.politicalbeauty NULL.de/mauerfall NULL.html), der in deutschen Medien für viel Aufsehen sorgte, angemeldet. Jedoch zu spät. Daraufhin wollten die beiden aber trotzdem aktiv werden, gingen demonstrieren, gründeten eine Facebook-Seite und versuchten möglichst viele Menschen zu motivieren, sich gegen die europäische Flüchtlingspolitik zu wehren und „Flagge zu zeigen“.

Die Diskussionsrunde nach dem Film (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/01/Die-Jacken_Vortrag NULL.jpg)

Die Diskussionsrunde nach dem Film

Seitdem ist die Gruppe der zwei Studierenden größer geworden und im Dezember zeigten sie einen Film in der KSFH. Es kamen viele interessierte Studierende und auch eine Handvoll Nicht-Studierende und schauten sich „Leave to remain“ an.

Ein Film von jungen Flüchtlingen für alle, die mehr über deren Situation in Europa wissen möchten. Hier am Beispiel von England.

Der Audimax der KSFH war gut gefüllt und danach stellten sich einige Studierende und Mitglieder der Gruppe „Die Jacken…“ bereit, um aus ihren eigenen Erfahrungen und Wissensschätzen zu erzählen. Eine angeregte Diskussion entbrannte.
Genau darum geht es den „Jacken“. Sie möchten wachrütteln und motivieren zum eigenen Engagement. Sie möchten auch, dass sich Studierende der Sozialen Arbeit mehr mit Politik auseinandersetzen. Und dazu zählt genau so ein Austausch wie im Audimax der KSFH.

Bernd Kasparek bei seinem Vortrag (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/01/Bernd_Vortrag NULL.jpg)

Bernd Kasparek bei seinem Vortrag

Im Dezember organisierten die „Jacken“ einen Vortrag von Bernd Kasparek vom Verein Bordermonitoring.eu über die Entwicklungen an den europäischen Außengrenzen.

Ein Video des Vortrags soll bald auf der Facebook-Seite veröffentlicht werden. Nachzulesen ist ein Artikel von Bernd Kasparek in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschehen“ APuZ 47/2013 (http://www NULL.bpb NULL.de/shop/zeitschriften/apuz/172384/europas-grenzen) der Bundeszentrale für politische Bildung.

Das mit dem Wachrütteln haben sie schon geschafft. Jetzt heißt es dran bleiben und insbesondere die Studierenden weiter informieren, sensibilisieren und das Interesse wecken, sich selbst zu engagieren. Dafür sind bereits einige neue Aktionen geplant.

Wir möchten nicht als die Generation gelten, die die Berliner Zeitung auf der Internetseite des Zentrums für politische Schönheit beschreibt:
„Wofür werden wir stehen, wenn man am Ende des 21. Jahrhunderts auf unsere Zeit blickt? Womit werden wir in die Geschichtsbücher eingehen? Der Gründer hebt die Augenbrauen. ‚Mit der Abwrackprämie? Mit Mindestlöhnen?’ Wenn es so weiter gehe, wohl am ehesten als die Generation, die nichts mehr wollte.“
Oder?

Wer mit teilen haben möchte, an dem was die „Jacken…“ als nächstes vorhaben, hier ist der Link zu ihrer Facebook-Gruppe (https://www NULL.facebook NULL.com/diejackensindbereitsverteilt?fref=ts).