Der ländliche Raum im Wandel – mögliche Handlungsansätze

Geschrieben von Lisa Kaltenbacher (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/03/der-laendliche-raum-im-wandel-moegliche-handlungsansaetze/>
Abgerufen am 7. August 2020 um 16:48 Uhr

Mit dem Thema „Demografische Entwicklung in Schwaben und deren Auswirkungen auf die Jugendarbeit“ setzten sich Mitte März die Geschäftsführer/innen der schwäbischen Kreis- und Stadtjugendringe auseinander.

Nach Begrüßung und Einführung in das Thema gab es einen Überblick über die demografischen Entwicklungen in Schwaben (zum Beitrag (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2015/03/der-laendliche-raum-im-wandel-demografische-entwicklung-in-schwaben/)) .
Im Anschluss fanden Arbeitsgruppen statt, um die Unterschiede der Auswirkungen und besonders wichtige Maßnahmen in Städten und Landkreisen auszuarbeiten.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden im Folgenden kurz dargestellt.

„Welche Möglichkeiten hat die Jugendarbeit, um die Jugendlichen auf dem Land zu halten?“ – Handlungsansätze in den Landkreisen

1. Organisation von Jugendarbeit/Gruppen
Hier steht die Kooperation im Mittelpunkt. Diese kann sowohl intern, als auch extern erfolgen. Ein Beispiel für die eine überörtliche Kooperation ist die Zusammenlegung von Fußballvereinen aus zwei Gemeinden. Dafür muss Mobilität geschaffen werden, damit die Mitglieder weiterhin im Verein bleiben können. Ein Beispiel für eine verbandliche Kooperation könnte das gemeinsame Ausrichten eines ökumenischen Festes von katholischen und evangelischen Verbänden sein. In jedem Fall ist es wichtig, über die bestehenden Strukturen hinaus zu denken und so neue Lösungswege zu finden.

2. Schule und Verbände
Verbände und Vereine sollten in die Schulen geholt werden. Dabei ist ein Koordinator wichtig, der als Ansprech- und Verhandlungspartner zwischen den Vereinen und den Schulen fungiert. Außerdem können in Schulen ehrenamtliche Projekte gefördert werden, um Kindern den Spaß an ehrenamtlicher Arbeit näherzubringen.

3. Zuwachs für Betriebe
Jugendlichen sollen örtliche Betriebe kennenlernen. Zu diesem Zweck organisiert die Handwerkskammer bereits einen sogenannten „Handwerkerbus“, mit dem Jugendliche einen Einblick in Betriebe bekommen und ihnen so mögliche Ausbildungsplätze in der Region gezeigt werden. Außerdem soll so die Attraktivität von Ausbildungsberufen gesteigert werden. Hier wäre auch eine Zusammenarbeit mit dem KJR denkbar.

4. Engagement in und von der Gemeinde
Dabei soll den Jugendlichen gezeigt werden, dass sie sich politisch und ehrenamtlich engagieren können. Dafür könnten Jugendringe zum Beispiel über Jungbürgerversammlungen (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2012/10/mitmachen-erwuenscht-jugend-und-kommunalpolitik/) zeigen, wie Beteiligung möglich ist, oder sie können Module der Jugendleiterausbildung den Schulen oder den Betrieben anbieten. Dies ist wichtig, da es viele Jugendliche gibt, die in Vereine oder Gruppen eintreten möchten, ihnen aber dazu die passenden Jugendleiter fehlen. Außerdem müssen die Gemeinden sich auch um die Jugendlichen bemühen und bei ihnen um Beteiligung werben, z.B. dass diese als Ferienbetreuer/innen für die gemeindlichen Ferienprogramme zur Verfügung stehen.

„Gibt es in den Städten ein Bewusstsein für den demografischen Wandel?“ – Handlungsansätze in den kreisfreien Städten

1. Bewusstsein für demografischen Wandel schaffen
In allen vier Städten (Augsburg, Kaufbeuren, Memmingen, Kempten) gibt es noch wenig Bewusstsein für den demografischen Wandel. Ziel ist es, auf allen Ebenen ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Bei der Stadt Augsburg wurden z.B. jahrelang Umbauten und Sanierungen der Schulen hinausgeschoben. Jetzt ist alles auf einmal fällig. „Wer von Zwang getrieben ist, tut sich schwer für die Zukunft zu gestalten“.

2. Umgang mit Entwicklungen
Jede Stadt bekommt die Auswirkungen des demografischen Wandels anders zu spüren. In Memmingen z.B. werden geringe Schülerzahlen in der Stadt mit der Öffnung der Schulen für das Umland ausgeglichen. Die Erfahrung in Kaufbeuren ist, dass Schulen, die vor ein paar Jahren saniert wurden, zu viele Klassenräume für den jetzigen Bedarf haben. Diese Leerstände kann man nutzen, um z.B. in Ganztags-schulen dort Jugendarbeit oder VHS-Kurse anzubieten. Kempten hat dagegen ganz andere Auswirkungen. Dort gibt es viele verschiedene Quartiere mit jeweils anderen Bevölkerungs- und Altersschichten. In den Stadtteilen, in denen viele Familien wohnen, wurden überwiegend Kindergärten und Schulen gebaut, während z. B. im Viertel „Haubenschloß“ eine starke Überalterung stattfindet. Deshalb sollte man auch hier generationenübergreifend denken und mehrere Bereiche zusammenlegen, um den demografischen Wandel abzuschwächen.

Ausblick
Der demografische Wandel bringt viele Veränderungen mit sich, die je nach Stadt oder Landkreis sehr verschieden ausfallen. Doch mit dem nötigen Verständnis über die Ursachen und die Entwicklung der Demografie ist es möglich, Maßnahmen für alle Altersgruppen gezielter zu planen und die bestehenden Angebote anzupassen.

Um die Zukunftsfähigkeit gerade kleinerer Gemeinden zu sichern, ist Kooperation ein Grunderfordernis insbesondere im ländlichen Raum. Kooperation und die Bildung von Netzwerken sind notwendige Antworten auf die aktuellen Herausforderungen. Auch Fusionen z. B. von Vereinen dürfen kein Tabu sein. Gemeinden, die jugendfreundliche Strukturen haben und diese bewusst pflegen und ausbauen, schaffen Lebensqualität für Jugendliche.
Nur im Zusammenspiel zwischen der Gemeindepolitik und den Akteuren aus der Jugendarbeit sowie mit engagierten Bürgern kann es gelingen, eine Wohlfühlatmosphäre und ein Wir-Gefühl in der Gemeinde zu schaffen. Jugendfreundlichkeit ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gemeinde und wirkt der Abwanderung von Jugendlichen entgegen. Die Jugendringe unterstützen die Gemeinden bei der Gestaltung des demografischen Wandels.