Freistaat Bayern – Frei von Bildung?

Geschrieben von Ursula Zwick (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/03/freistaat-bayern-frei-von-bildung/>
Abgerufen am 26. März 2019 um 06:10 Uhr

Das Bundesland Bayern gehört mit Sachsen zu den einzigen zwei Bundesländern, die keine gesetzliche Regelung zu einem Bildungsurlaub haben.

Aber was ist denn überhaupt Bildungsurlaub?
Als Bildungsurlaub bzw. Bildungsfreistellung wird die Möglichkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezeichnet, sich für eine bestimmte Zeit von ihrer Berufstätigkeit unter Lohnfortzahlung freistellen zu lassen. Das Wort „Bildung“ verrät hierbei, dass es dem Zwecke der Fort- bzw. Weiterbildung dient. Allerdings bezieht sich das nicht nur die berufliche, sondern auch die kulturelle, politische und allgemeine Weiterbildung.

In allen anderen Bundesländern gibt es bereits seit Jahrzehnten Regelungen dazu. Somit haben beispielsweise Beschäftigte in Rheinland-Pfalz einen Anspruch auf 10 Tage Freistellung innerhalb 2 Jahre.

Bildung gilt in unserem Land als eine der wichtigsten Ressourcen und der allgegenwärtige Strukturwandel mit seinen Auswirkungen innerhalb und für die Arbeitswelt ist enorm.
Den Beschäftigten in der heutigen Zeit wird eine ständige Bereitschaft zu Weiterbildung abgefordert und verfolgt ein klares Ziel: Nur wer beruflich auf dem aktuellen Stand ist, kann seine Arbeitsmarktchancen erhalten bzw. versuchen, beruflich weiterzukommen. Aber nicht nur die berufliche Bildung sondern auch umfassende Kenntnisse in anderen Wissensbereichen, wie Allgemeinbildung oder  kulturelle und politische Bildung wird vorausgesetzt.

Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Doch Demokratie lebt von der Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürgern. Wer mitgestalten will, braucht Wissen und muss sich deshalb auch weiterbilden. Deshalb leistet die berufliche, allgemeine, kulturelle und politische Weiterbildung auch einen Beitrag für die Gesellschaft. Sie hilft, die Demokratie weiter zu entwickeln und fördert damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch für den Arbeitgeber springen hier Vorteile heraus: Weiterbildung fördert Innovationen und unterstützt den technischen und wirtschaftlichen Strukturwandel.

Wie können aber nun Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern diesen Anspruch erfüllen, wenn entsprechende Regelungen zu einer Freistellung zum Zwecke der Bildung bisher nicht getroffen worden sind? Die Bildungsbereitschaft ist hierbei nicht das Problem vielmehr die notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung seitens der Politik.

Das Erreichen von Chancengleichheit in unserem Land wird zum primären Faktor und zeigt, dass Recht auf Bildung eine wichtige Voraussetzung dafür ist.

Von einem entsprechenden Gesetz zur Aus- und Weiterbildung profitieren alle: Die Gesellschaft, die Beschäftigten und die Unternehmen.
Die Beschäftigten, weil sie damit auf dem aktuellen Wissensstand bleiben und ihre Arbeitsmarktchancen erhalten können. Die Unternehmen, weil das erworbene Wissen auch ihnen zur Verfügung steht.

Daher ist es nur gerecht, wenn in Zukunft die Unternehmen einen Beitrag dazu leisten und ihre Beschäftigten unter Fortzahlung ihres Entgelts für einen bestimmten Zeitraum zum Zwecke der Bildung von der Arbeit freistellen. Eine gesetzliche Regelung gilt hierbei allerdings als Grundlage und der Freistaat Bayern sollte als eines der beiden letzten Bundesländer und Bildungsfreistellungsgesetz darauf reagieren und entsprechende Maßnahmen einleiten.

Die Gewerkschaft ver.di setzt seit geraumer Zeit mit Aktionen ein Zeichen für die zuständige Politik. Hier (http://www NULL.br NULL.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/linda-schneider-bildungsfreistellungsgesetz-100 NULL.html) finden Sie zum Thema Bildungsfreistellungsgesetz ein Interview mit der stellvertretende Landesleitung der ver.di Bayern.