Jugendpolitik neu ausrichten!

Geschrieben von Ursula Zwick (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. Juni 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/06/jugendpolitik-neu-ausrichten/>
Abgerufen am 27. Mai 2019 um 00:29 Uhr

Sitzung des Bezirksjugendringausschusses Schwaben am 25.05.2015 in der Jugendbildungsstätte Babenhausen

Unter dem Schwerpunkt „Jugendpolitik neu ausrichten“ stand die diesjährige Frühjahrsvollversammlung des Bezirksjugendringes Schwaben.
Aber was genau ist nun mit Jugendpolitik gemeint? Hier ist vor allen Dingen die kommunale Jugendpolitik ins Auge zu fassen. Es sollen die Lebensverhältnisse von Jugendlichen besonders im Hinblick auf deren Bedürfnisse, Anliegen und Motivation gestaltet werden. In den meisten Parteiprogrammen ist die kommunale Jugendpolitik ein eigener Punkt und auch viele Träger der Jugendarbeit positionieren sich ebenfalls zu diesen Themen. Gerade Jugendringe und Jugendverbände sind hier ausschlaggebend und fordern zum einen Unterstützung von staatlicher Ebene um die Belange der Jugendliche umzusetzen als auch das eigene Engagement, selbst aktiv zu werden und Initiativen zu gründen.

Die Vergangenheit zeigt, dass sich die private und öffentliche Verantwortung in neuen Mischungsverhältnissen wiederspiegelt – so der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung. Kinder stehen im Fokus der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Die Anforderungen an die Familien haben sich verändert und in Folge dessen spielen sich Kindheit und Jugend nicht mehr innerhalb eines Familiensystems ab, sondern sind seit geraumer Zeit Teil von mehreren Akteuren. Die sogenannte „öffentliche Erziehung“ innerhalb der Gemeinde hat sich umgestellt und hierbei wird ein großer Blickpunkt auf die Schule gerichtet, da die Erfahrung zeigt, dass diese eine große Weichenstellung für das Leben eines Jugendlichen ist. Fragen, ob das Studium oder die Ausbildung der richtige Weg sei und ob diese dann vor Ort, in der Region oder gar in einem anderen Bundesland absolviert werden, stellen sich.
Es entstehen Bildungswelten: Die Entwicklung von Ganztagsschulen, eine Expansion der Schulzeiten sowie eine allgemeine Verdichtung der Schulintensität rücken in den Vordergrund. Aufgrund dessen werden aktive, bürgerschaftlich engagierte Menschen Mangelware. Fehlende zeitliche Ressourcen und Information sind u. a. Gründe dafür.
Der Wegzug aus der ländlichen Gegend wird bei Jugendlichen immer mehr zum Trend. Für die örtliche Jugendarbeit ein Schlag, da gerade die „Macher“ unter den ehrenamtlichen Jugendlichen diesen Schritt in Erwägung ziehen. Der demografische Wandel macht sich somit auch in der Gemeinde bemerkbar und die ökonomische Grundregel, dass Kinder und Jugendliche ein knappes Gut sind wird geltend gemacht.

Es muss also ein klares Zeichen in der Kommunalpolitik gesetzt werden: Für Familien und insbesondere für Kinder und Jugendliche müssen mehr Angebote, mehr Möglichkeiten vor Ort geschaffen werden um die Jugendarbeit und die Jugend an sich als Personengruppe erhalten zu können. Die Kinder- und Jugendpolitik wird hier zum Standortfaktor.
Damit die kommunale Jugendpolitik ein Anreiz und Motivation für das Engagement von Jugendlichen bietet müssen Punkte wie eine aktive Bürgerbeteiligung, Zusammenhalt, bezahlbarer Wohnraum sowie ausreichende und ansprechende Arbeits- bzw. Ausbildungsplätze gewährleistet werden.
Es geht hier ganz klar um die Zukunft der Dörfer: Umso mehr bürgerliche Beteiligung vorhanden und möglich ist, umso bessere demografische „Überlebenschancen“ können garantiert werden.