“Bunte Heimat – Eine Welt” Eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte zum Thema Fremdsein

Geschrieben von Franziska Leipold (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 29. Juli 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/07/bunte-heimat-eine-welt-eine-fortbildung-fuer-paedagogische-fachkraefte-zum-thema-fremdsein/>
Abgerufen am 27. Mai 2019 um 00:25 Uhr

Die TeilnehmerInnen der Fortbildung vor dem Jugendzentrum Saftladen in Geretsried

Eine Fortbildung von Studierenden für pädagogische Fachkräfte. Geht so was?

Ja, es geht, bewiesen Eva-Maria Späth und Franziska Leipold von der katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern, im Februar 2015. Sie studierten beide zu dieser Zeit im fünften Semester Soziale Arbeit und boten die Fortbildung als sogenanntes Praxis-III-Projekt als Teil ihres Studiums an.

Unter dem Titel „Bunte Heimat — Eine Welt” organisierten sie für die Fachkräfte der Jugend- und Jugendsozialarbeit im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen eine an zwei Vormittagen stattfindende Fortbildungsveranstaltung zum Thema Asyl und Fremd-Sein.

Die Idee zu dieser Fortbildung kam von den Fachkräften selbst, die einen Bedarf hinsichtlich der Weiterbildung im Bereich Flüchtlinge anmeldeten. Bereits im März 2014 merkten diese, dass viele neue Herausforderungen im Bereich Schule und offener Jugendarbeit auf sie zukamen. Ab da fanden Ideen-Sammlungen statt. Franziska Leipold absolvierte damals ihr Praktikum im Amt für Jugend und Familie in Bad Tölz, Eva-Maria Späth ihres im Don-Bosco-Club Benediktbeuern. Sie kannten sich schon seit Beginn des Studiums und waren beide begeistert, als die Idee zu diesem Projekt aufkam. Allerdings wollten sie anfangs einen Referenten oder eine Referentin einladen, die diese professionelle Aufgabe übernimmt. Daraus wurde leider nichts, denn entweder meldeten sich diese nicht auf E-Mails zurück oder äußerten andere Bedenken.

Es wurde dann ein Arbeitskreis aus Fachkräften gebildet, der sie mit ihren Ideen und Anregungen unterstützt hat. Zwischendrin drohte das Projekt auch mal etwas auszuufern, schildern sie. Ein Verein aus dem Landkreis wollte ihr Projekt finanziell und ideell unterstützen. Dies allerdings in Kooperation wiederum mit einem sehr großen Verein aus München, der sich gegen Rassismus einsetzt. Für beide wäre dies keine Option gewesen, denn sie wollten, dass es „ihr“ Projekt bleibt.

Eva-Maria Späth arbeitet neben ihrem Studium in einem Kinder- und Jugendheim im Allgäu, in welchem schon länger einige Flüchtlinge aus Eritrea oder Syrien wohnen. Sie kommt dort einerseits mit deren Leben in Verbindung, andererseits merkt sie auch, welche große pädagogische und organisatorische Herausforderung diese neue Situation darstellt. Franziska Leipold hat sich zeitweise für den ehrenamtlichen Helferkreis in Kochel engagiert, stellte aber nach einiger Zeit fest, dass dies neben Studium und eigenen Kindern eine zu große Belastung für sie selbst war.

35 Mitarbeiter von Jugendzentren und Schulen wurden am ersten Seminartag bereits beim Ankommen vor dem Tölzer Jugendcafé bei eisiger Kälte mit Erfahrungen von Flüchtlingen konfrontiert: Absperrbänder verhinderten den Zugang, die in arabischer Schrift daneben hängenden Hinweistafeln konnte niemand entziffern … als der Einlass endlich möglich war ging es — von knappen, englischsprachigen Anweisungen begleitet — zunächst in den Keller der Einrichtung.

Nachgestellte Interviewsituation im BAMFHier wurde in Form eines Rollenspiels exemplarisch ein Asyl-Interview nachgestellt. Der weitere Verlauf des Vormittags war von Informationen über verschiedene Herkunftsländer und die Umstände der Flucht in Gruppenarbeit geprägt. So gelang es, den Teilnehmern einen Perspektivenwechsel in das Fühlen, Leben und Handeln der Flüchtlinge und Asylbewerber zu ermöglichen.

Ergriffene Teilnehmer (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/07/Ergriffene-Teilnehmer NULL.jpg)

Am zweiten Schulungsvormittag wurde in das Geretsrieder Jugendzentrum Saftladen geladen. Hier stand die Erweiterung des individuellen Methodenrepertoires im Umgang mit einheimischen und zugewanderten Jugendlichen in Schulklassen und Jugendzentren im Vordergrund.

Gruppenarbeit (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/07/Gruppenarbeit NULL.jpg)

Zudem wurde auf Komplikationen hingewiesen, die eventuell aus Re-Traumatisierungen junger Flüchtlinge in der Arbeit mit diesen entstehen können. Die Fachkräfte bekamen in diesem Zusammenhang eine ausführliche Darstellung möglicher Auslöser solcher Re-Traumatisierungen.

Unterstützt wurde die Tagung finanziell und ideell vom Amt für Jugend und Familie, Bad Tölz-Wolfratshausen.

Das repräsentative Fazit eines Teilnehmers: „Klasse, wenn Theorie und Praxis auf so hervorragende Weise zusammengeführt werden! Die intensive und praktische Auseinandersetzung mit dem Thema hat neben fachlichen Informationen und Arbeitsmethoden für die Praxis auf hervorragende Weise auch ein Gefühl für das Schicksal von Flüchtlingen vermittelt.“

Das Ergebnis einer Gruppenarbeit (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/07/Das-Ergebnis-einer-Gruppenarbeit NULL.jpg)

 

Dieses Projekt war nicht nur als einmalige Veranstaltung geplant, sondern soll Modell-Charakter haben. Einige Anfragen aus Nachbarlandkreisen kamen bereits. Sollten auch Sie Interesse an dieser Fortbildung haben, kontaktieren Sie die Referentin bitte unter:

franziskaleipold@hotmail.de