„Neustart“ – Flüchtlingskindheit in Augsburg: Sechs Kinder, ein Schicksal

Geschrieben von Johanna Grethlein (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. September 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/09/neustart-fluechtlingskindheit-in-augsburg-sechs-kinder-ein-schicksal/>
Abgerufen am 15. Oktober 2019 um 02:15 Uhr

Die Fotoausstellung „Neustart“ des Bezirks Schwaben eröffnet Interessierten eine ganz neue Perspektive auf das Thema Flüchtlinge: Die von betroffenen Kindern. Dabei stellen sich Fragen wie „Was haben diese Kinder bereits erlebt und wie ist ihr Leben hier in Augsburg?“

Diesen Fragen ging die Augsburger Fotografin Christina Bleier im Rahmen eines Fotoprojekts auf den Grund. Frau Bleier ist gelernte Bildredakteurin und arbeitet seit 2005 als freie Fotografin. Dabei fokussiert sich ihre Arbeit größtenteils auf den Menschen selbst. Sie ist Mutter eines kleinen Sohnes und bringt dadurch ein gewisses Gespür und Einfühlungsvermögen für die Arbeit mit Kindern mit. In ihrem Bildprojekt hatte sie die Möglichkeit sechs Flüchtlingskinder und ihre Familien fünf Monate lang mit der Kamera zu begleiten. Dabei besuchte sie die Kinder im Kreis ihrer Familien, in der Schule oder beim Spielen, woraus Bilder ihres Alltags, ihrer Persönlichkeit und ihrer Lieblingsorte entstanden. Der Kontakt zu den Flüchtlingskindern wurde mit Hilfe des Diakonischen Werks Augsburg hergestellt. Die Kinder hatten auch die Möglichkeit mit geliehenen Kameras selbstständig das einzufangen, was ihnen wichtig erschien. Aus liebevoll gestalteten Steckbriefen, die mehr über die Flüchtlingskinder und ihre Interessen verrieten, wurden große Ausstellungsdisplays entworfen.

Um mehr über die Person hinter den Bildern zu erfahren, habe ich Frau Bleier um die Beantwortung einiger Fragen gebeten, um vor allem ihr und dem Hintergrund der Fotoausstellung gerecht zu werden.

Johanna Grethlein: Frau Bleier, was hat Sie dazu bewegt, Flüchtlingskinder auf diese Weise zu fotografieren?
Frau Bleier: Der Anstoß dazu kam vom Bezirk Schwaben, der eine Ausstellung zum Thema „Kindheit auf der Flucht, vor 70 Jahren und heute“ plante. Der Bezirk kam auf mich zu und fragte, ob ich bereit wäre, den aktuellen Teil dieser Ausstellung zu übernehmen. Das war eine glückliche Fügung, da ich mich für diese Thematik schon länger interessierte.

Was und/oder wen wollen Sie mit der Ausstellung erreichen?
Ich würde mich freuen, wenn durch die kleinen Einblicke in den Alltag der Kinder ein wenig mehr Verständnis für ihr derzeitiges Leben vermittelt werden kann. Es wäre schön, wenn es gelingt eine „kleine Brücke zu uns Deutschen zu bauen“.

Ich möchte die Menschen erreichen, mit denen wir in diesem Land leben. Egal ob Deutsche oder Menschen aus anderen Ländern.

Wie kann man als Besucher der Ausstellung „hinter“ die Bilder blicken? Gibt es Erklärungen dazu?
Natürlich macht sich jeder Besucher einen eigenen Eindruck von den Bildern. Doch es wird bei einigen Fotos erklärende Bildtexte geben. Außerdem werden die Bilder thematisch (z.B. Schule, Familie, …) sortiert sein.

Was hat Ihnen die Zeit, die sie mit den Kindern verbracht haben, gezeigt?
Wie offen und neugierig Kinder doch sind, egal welchem Kulturkreis sie angehören! Wie sehr ihre Bedürfnisse denen deutscher Kinder, z.B. Wärme, Zuwendung, ähneln und wie sie so oft fröhlich sein können und kaum bis gar nicht von ihren Erlebnissen sprechen.

Wie haben sich die Kinder und ihre Familien Ihnen gegenüber verhalten?
Generell sehr freundlich, hilfsbereit und dankbar! Auch wenn diese Menschen nur wenig besitzen, sie waren alle unwahrscheinlich gastfreundlich. Davon könnten sich viele Deutsche etwas mehr aneignen.

Gab es Probleme oder Barrieren z.B. in der Verständigung?
Ich merkte schon, dass sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander trafen: So kam es z.B. vor, dass es hieß, die Kinder seien um 15 Uhr an Ort und Stelle. Die einzige, die da war, war dann ich. Dann erhielt ich eine Stunde später einen Anruf, die Kinder seien jetzt da. Generell waren die Absprachen nicht ganz einfach zu treffen, da es immer wieder Verständigungsschwierigkeiten gab oder andere Themen am entsprechenden Tag einfach „wichtiger“ waren. Ich brauchte viel Geduld.

Welches ist ihr persönliches Lieblingsbild und warum?
Das ist eine schwierige Frage. Das liegt auch daran, dass diese intensive Zeit bereits ein halbes Jahr zurückliegt. Ich glaube, für mich ist das Bild, das sich aus den sechs Gesichtern und damit aus den sechs Nationen zusammenfügt, am eindringlichsten. Es symbolisiert für mich, dass es, ganz egal welche Nationalität, einfach ein Kind ergibt oder bleibt – mit dem gleichen Schicksal: Seine Heimat zu verlassen und einen Neustart zu wagen.

Interesse geweckt? Dann kommt vorbei! Die Ausstellung ist vom 12.10.2015 bis zum 18.11.2015 an zwei Orten zu sehen:

 

Stadtbücherei Augsburg und Café im Annahof : 12.10.2015 bis 07.11.2015

Ernst-Reuter-Platz 1

86150 Augsburg

Öffnungszeiten: Montag-Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-15 Uhr

 

Evangelisches Forum Annahof, Augsburg: 12.10.2015 bis 18.11.2015

Im Annahof 4

86150 Augsburg

Öffnungszeiten: Montag 9-18 Uhr, Dienstag-Samstag 9-23 Uhr

 

Weiterführende Informationen über die Fotoausstellung können bei Frau Stefanie Kautz, Kuratorin der Ausstellung, unter: Tel. 0821/31 01 – 275 oder stefanie.kautz@bezirk-schwaben.de (stefanie NULL.kautz null@null bezirk-schwaben NULL.de), eingeholt werden. Frau Christina Bleier, die Fotografin der Ausstellung, steht jederzeit für Fragen zur Verfügung: foto@christina-bleier.de. (foto null@null christina-bleier NULL.de)