“Politik wird erlebt und nicht nur gelehrt”

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. September 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/09/politik-wird-erlebt-und-nicht-nur-gelehrt/>
Abgerufen am 9. Dezember 2019 um 11:33 Uhr

Diesen Monat wurde Winfried Dumberger-Babiel, Geschäftsführer des Bezirksjugendrings Schwaben, in den wohlverdienten Ruhestand entlassen. Er ist Mitbegründer des Projekts „Politische Bildung Schwaben“ und war die letzten Jahre unsere Verbindung zum Bezirk und Bezirksjugendring Schwaben. An seiner Stelle betreut nun Johanna Grethlein den Fachbereich „Politische Bildung Schwaben“. Sie ist seit Juli Referentin für Politische Bildung beim Bezirksjugendring Schwaben. In diesem Zusammenhang möchten wir sie Ihnen, liebe LeserInnen, gerne vorstellen.

pbs: Frau Grethlein, können Sie uns zu Beginn kurz etwas zu Ihrer Person erzählen?
J.G.: Mein Name ist Johanna Grethlein, ich bin 27 Jahre alt und seit Ende Juli Referentin für Politische Bildung beim Bezirksjugendring Schwaben. Vor der Zeit als Referentin habe ich erst Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg studiert und dann meinen Master in Politikwissenschaft an der LMU in München absolviert. Ich durfte bereits wertvolle Berufserfahrung am Deutschen Jugendinstitut in München sammeln, in der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendpolitik, bevor ich die Stelle als Referentin beim Bezirksjugendring angetreten habe.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zur politischen Bildung und was hat Sie motiviert sich für die Stelle der Referentin zu bewerben?
Der Bezug zur politischen Bildung hat mir selbst lange gefehlt. Offen gesagt, auch ich habe das Thema zu Schulzeiten nicht sonderlich vermisst. Im Nachhinein hätte ich es mir jedoch an der einen oder anderen Stelle als Unterrichtsthema gewünscht, anstatt den Aufbau einer Erdölraffinerie auswendig lernen zu müssen… Erst durch mein Studium der Sozialwissenschaften habe ich mich mehr mit dem Thema politischer Bildung beschäftigt. Politik wird erlebt und nicht nur gelehrt. Das ist der Kern der politischen Bildung. Durch meine ehrenamtliche Arbeit mit Jugendlichen und verschiedene Praktika im sozialen und politischen Bereich wuchs der Wunsch, Politik und Jugend in einem Arbeitsfeld miteinander zu verbinden. Die Stelle als Referentin für politische Bildung kam da wie gerufen und ich habe mich sehr gefreut, dass alles so geklappt hat.

Was sind denn die Aufgaben einer Referentin für Politische Bildung beim Bezirksjugendring?
Meine Aufgaben sind sehr vielschichtig und breit gefächert. Im Wesentlichen soll der Bereich „Politische Bildung Schwaben“, besonders im Hinblick auf Partizipation, weiterentwickelt werden. Dies geschieht unter anderem durch die Planung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen der politischen Bildung im Jugendbereich. Dazu gehört natürlich auch die Weiterentwicklung der konzeptionellen Arbeit sowie die Initiierung, Begleitung und Betreuung von Projekten. Eine enge Zusammenarbeit mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern ist dementsprechend auch ein Teil meines Aufgabengebiets. Dazu zählt vor allem die Qualitätssicherung der Arbeit des Teams Politische Bildung Schwaben, die durch die Elemente Rundbrief, Klausurtagungen, Fortbildungen, etc. sichergestellt wird. Ich beschäftige mich zudem noch mit der Fortführung bereits bestehender Projekte, wie beispielsweise der Reihe „Kommunalpolitik erleben“, widme mich aber auch ganz neuen Projekten und Herausforderungen. Administrative Aufgaben fallen auch in meinen Bereich, bei welchen ich die Gremienarbeit des Bezirksjugendrings im Fachbereich Politische Bildung unterstütze und allgemein an der Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksjugendrings beteiligt bin. Ein Fachbereich kann natürlich nur mit einem guten Netzwerk funktionieren. Daher ist die Vernetzung und Kommunikation mit den Mitgliedern des Bezirksjugendrings und den Partnern der politischen Bildung unabdingbar. Zu meinen Aufgaben gehört es außerdem, die Multiplikatoren im Bereich Politische Bildung zu qualifizieren.

Sie besetzen seit Juli eine Stelle, die es zuvor beim Bezirksjungendring Schwaben noch nicht gab und die es so auch in keinem der anderen Bezirke gibt. Denken Sie, dass Sie damit (für andere Bezirke) eine Art Vorbildrolle haben? Wie war bzw. wie ist das für Sie, die „Erste“ zu sein?
Ich würde es eher als Vorreiterrolle bezeichnen, worauf ich, der Bezirksjugendring Schwaben und alle Beteiligten, sehr stolz sind. Die letzten Jahre des Projekts Politische Bildung Schwaben, das nunmehr ein Fachbereich ist, haben gezeigt, dass es sich lohnt, das Thema politische Bildung näher zu betrachten und sich vor allem intensiver damit zu beschäftigen. Politische Bildung geht eben jeden etwas an und es ging immer darum, dieses Politikfeld interessant und erlebbar zu machen. Die „Erste“ zu sein ist in diesem Fall eine große Ehre für mich und Herausforderung zugleich. Ich bezeichne es gerne als „Pilotfachbereich“ und wünsche mir, dass es sich weiterhin positiv entwickelt und zu etwas Großem etablieren lässt.

Gibt es Themen in Bezug auf Politische Bildung, die Ihnen besonders am Herzen liegen und wenn ja, welche sind das?
Tatsächlich sind es unter anderem Themen wie Partizipation, ein „sich einmischen“ und „nicht wegsehen“, die mich besonders beschäftigen. Ich finde es vor allem wichtig, dass Jugendliche sich darüber bewusst sein sollten, welche Möglichkeiten sie haben und sich dann immer noch entscheiden können, was sie tun. Ich habe mich bereits in meinem vorherigen Job mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt und das ist mir auch im Bereich der politischen Bildung ein großes Anliegen.

Welche Pläne haben Sie für den Fachbereich Politische Bildung Schwaben?
Allgemein soll der Fachbereich weiterentwickelt werden. Es gibt bestimmte Projekte, die erfolgreich sind und daher weiterlaufen werden. Dazu gehört zum Beispiel der Baustein „Bezirk Schwaben erleben“. Konkret soll es für 2016 auch neue Projekte und Veranstaltungen geben. Unter anderem ist eine große Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge geplant. Zudem wird auch die Workshopreihe für Jugendbeauftragte weitergeführt. Es wird auch darum gehen, bestehende Projekte zu optimieren und den Fachbereich und die Themen der politischen Bildung vor allem auch über soziale Netzwerke weiter zu verbreiten. In jedem Fall ist es eine spannende Aufgabe, die sich meiner Meinung nach lohnen wird!

Vielen Dank für das Interview.
Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!