Buchpräsentation „Mehr Demokratie (er)leben!“ – Beispiele gelungener Politischer Bildung

Geschrieben von Johanna Grethlein (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Oktober 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/10/buchpraesentation-mehr-demokratie-erleben-beispiele-gelungener-politischer-bildung/>
Abgerufen am 7. August 2020 um 17:10 Uhr

Der Sammelband zur Politischen Bildung wurde am Donnerstag, 15. Oktober um 18:30 Uhr in der Neuen Stadtbücherei Augsburg anlässlich der Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers des Bezirksjugendrings Schwaben, Winfried Dumberger-Babiel, vorgestellt. Die Herausgeber Dr. phil. Christian Boeser-Schnebel, Prof. Gerhard Kral und Michael Sell würdigen darin Dumberger-Babiels Engagement für nachhaltige politische Bildung und seinen beispielhaften Einsatz für die jeweiligen Projekte, die inzwischen bayern- und bundesweit aufgegriffen werden.

Der Sammelband wurde vorgestellt von Matthias Fack (Präsident des bayerischen Jugendrings), Prof. Dr. Claudia Fahrenwald (Professorin für Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich), Dr. Linus Förster (MdL/ Jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion) und Tom Otto (Dipl. Sozialwissenschaftler, freier Journalist). Frau Michaela Regele, stellvertretende Vorsitzende des Bezirksjugendrings Schwaben, konnte anhand verschiedener Fragen an Fack, Fahrenwald, Förster und Otto, den Sammelband aus der Perspektive der Jugendarbeit, der Wissenschaft, der Politik und der Medien unter die Lupe nehmen.

Aus wissenschaftlicher und politischer Perspektive sind die Inhalte des Sammelbandes anwendungsorientiert, wissenschaftlich untermauert und halten daher auch in der Praxis stand. Das Erfreulichste und Wichtigste, das aus dem Sammelband hervorgeht, ist die Tatsache, „dass Ergebnisse erzielt werden“, so Linus Förster. Im Sinne von „Tue Gutes und sprich darüber“, lobte Tom Otto die Erfolge des Sammelbandes. Der wichtigste Aspekt für ihn sind die unterschiedlichen Facetten der Projekte, denn es wurden „Dinge nicht nur gemacht und dann veröffentlicht, sondern sie haben auch eine Bedeutung für die Teilnehmer und erzielten eine gewisse Außenwirkung.“

Bei der Frage nach dem persönlichen Lieblingsprojekt fiel des Öfteren das Projekt „Schule ohne Rassismus“, bei dem SchülerInnen ausgezeichnet werden, die sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung einsetzen. Das Projekt stellt einen gelungenen Ansatz politischer Bildung in ganz Bayern dar und setzt laut Tom Otto „an den Dingen vor Ort an, hilft dabei, Erfahrungen zu sammeln und selbstwirksam zu sein.“ Die unterschiedlichen Projekte sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und sind laut Matthias Fack bei Teilnehmern deshalb beliebt,_MG_4386 (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/10/MG_4386 NULL.jpg) weil diese das Gefühl bekommen „etwas bewegen zu können.“ Als einen „mutigen Ansatz“ bezeichnete Claudia Fahrenwald das ebenfalls sehr positiv hervorstechende Projekt „Betzavta“, als Bildungsprogramm und eine Form von politischer Partizipation, in der das Individuum in einem erzieherischen Prozess zur Selbstermächtigung und Mündigkeit erzogen wird. Fahrenwald sieht es als Chance sich „positiv zu artikulieren und positive Visionen zu entwickeln.“

Auf die Frage nach den aktuell wichtigen Aufgaben der politischen Bildung betonte Linus Förster ganz besonders die Tatsache, dass politische Bildung darüber aufklären müsse, was echt und was Fiktion ist. Politische Bildung beinhaltet ein „sich kümmern“ darum, dass die Notwendigkeit politischer Partizipation vermittelt wird und dadurch Chancen und Möglichkeiten für Beteiligte entstehen. Fahrenwald sieht die Aufgabe der politischen Bildung darin, „Demokratie als Lebensform zu vermitteln“ und „individuelle, subjektive sowie emotionale Aspekte dabei einzubringen und zu aktivieren.“ Matthias Fack erachtete es als besonders wichtig, dass Beteiligte durch die Beschäftigung mit politischer Bildung erkennen, „dass alles Auswirkungen hat, auch wenn ich nichts tue.“ Für Tom Otto bedeutet politische Bildung immer auch Wissensvermittlung und ihre Aufgabe ist es daher, am Erleben und Erfahren anzuknüpfen und eine „Selbstwirksamkeit auszulösen indem man Jugendliche erreicht.“

„Junge Menschen sind unpolitisch“!

Dieser Aussage durften sich die Herausgeber des Sammelbandes an diesem Abend abschließend stellen. „Wenn das so wäre“, so Gerhard Kral, „dann wären alle Projekte gescheitert.“ Ganz im Gegenteil. Das politische Interesse bei Jugendlichen sei laut Shell-Studie 2015 (http://www NULL.shell NULL.de/aboutshell/media-centre/news-and-media-releases/2015/shell-jugendstudie NULL.html) so hoch wie seit den 90er- Jahren nicht mehr, konterte Boeser-Schnebel. Die Jugendlichen hätten die Wahl zwischen Resignation und Teilhabe. Aber Resignation „verträgt sich nicht mit der jugendlichen Natur“, so der Professor aus Augsburg. Daher seien die Jugendlichen immer ansprechbar. Zudem hätten sich die Interessen gewendet, denn heute hat die Politik auch eine größere Aufmerksamkeitsspanne den jungen Leuten gegenüber. Das Engagement sei nach Kral deutlich spürbar und diese Zwischenbilanz motiviert, um die politische Bildung weiter voranzubringen.

Mit dieser klaren Aussage konnte an die Wünsche und Ziele der Herausgeber für die politische Bildung in Schwaben angeknüpft werden: Es solle weitergehen und der Sammelband als Ideenbörse für alte und auch neue Projekte genutzt werden können. Die Begeisterung für Politik muss weitergegeben, das Netzwerk stabilisiert und Mitstreiter gewonnen werden. Frei nach dem Motto: „Wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern.“ Eine dritte Frage an die Herausgeber beschloss die Präsentation, bevor sich bei einem Umtrunk noch weiter ausgetauscht werden konnte:

„Wenn sich aber die Aussage ‘Junge Menschen sind unpolitisch’ nicht bewahrheitet hat, wieso werden Parteien für diese immer unattraktiver?“ Junge Menschen haben die Vorstellung zu 100% konform mit den Positionen einer Partei sein zu müssen. Das ist aber nicht der Fall: Politische Bildung muss weder konform mit etwas, noch neutral sein, sie muss sich kontrovers und kritisch äußern. Die Bereitschaft sich in der politischen Bildung zu engagieren und zusammenzuschließen geht über die Parteigrenzen hinaus. Politische Bildung ist aus Netzwerken entstanden und soll durch diese auch weitergegeben werden. Durch den monatlichen Rundbrief der Politischen Bildung in Schwaben und die Konzentration auf Medien außerhalb der klassischen Kanäle wird der Fachbereich Politische Bildung weiterwachsen und erfolgreiche Projekte hervorbringen.

Ein großes Dankeschön gilt hier nochmals Winfried Dumberger-Babiel, ohne den die Politische Bildung in Schwaben nicht das wäre, was sie heute ist. Wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!