Urabstimmung für Sozial- und Erziehungsberufe: “Richtig gut – Aufwerten Jetzt!”

Geschrieben von Ursula Zwick (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. November 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/11/urabstimmung-fuer-sozial-und-erziehungsberufe-richtig-gut-aufwerten-jetzt/>
Abgerufen am 24. November 2020 um 15:38 Uhr

“Richtig gut – Aufwerten jetzt!” lautet das Motto der Urabstimmung im Sozial- und Erziehungsdienst der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). 57,2 % der ver.di-Mitglieder haben sich darin für das Tarifergebnis vom 30. September 2015 ausgesprochen.

In der vergangenen Tarifrunde forderte ver.di für die mehr als 750.000 Beschäftigten in sozialen Berufen bei den Kommunen, bei freien Trägern und den Kirchen die Aufwertung sozialer Berufe nicht nur mit schönen Worten, sondern direkt sichtbar mit einer entsprechenden Bezahlung. Folgende Forderungen wurden gestellt:

  • Alle Beschäftigten in diesem Bereich sollen besser eingruppiert werden.
  • Eine neue Eingruppierung soll für jede/-n eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich 10 % bringen.
  • Die Leistungen sollen künftig nicht mehr nur an Kinderzahlen, sondern alternativ an der Anzahl der Gruppen oder der Zahl der Beschäftigten in der Einrichtung bemessen werden.
  • Für die Behindertenhilfe soll es zusätzliche Verbesserungen geben.
  • Bei der Zuordnung Beschäftigter zu den einzelnen Stufen sollen Vorbeschäftigungszeiten zwingend anerkannt werden.
  • Auch Mitarbeiter, die bestimmte Formalqualifikationen nicht erfüllen, müssen besser eingruppiert werden – zum Beispiel, wenn SozialassistentInnen als ErzieherInnen arbeiten.
  • Bei vorübergehender Übertragung einer höherwertigen Tätigkeit soll zudem über die Höhe des Differenzbetrages verhandelt werden.
  • Beschäftigte, die als PraxisanleiterIn oder AusbilderIn eingesetzt werden, sollen für die Dauer dieses Einsatzes eine Zulage in Höhe von monatlich 100,00 Euro erhalten.
  • Tätigkeiten, die eine Zusatzqualifikation erfordern, sollen zu einer besseren Eingruppierung führen.

Mit dem Tarifergebnis werden nun überwiegend jüngere Erzieherinnen und Erzieher besser gestellt als zuvor. Vollzeitbeschäftigte in der erzieherischen Regeltätigkeit erhalten zwischen 93 und 138 mehr pro Monat. Zusätzlich gibt es nun auch Verbesserungen für SozialarbeiterInnen im Allgemeinen Sozialdienst (S 14), die vom Schlichtungsergebnis nicht profitiert hätten. Sie erhalten nun monatlich zwischen 30 und 80 Euro mehr. Auch profitieren die Leitungen von Kindertagesstäten und Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger. Zur Aufwertung gehörten nicht nur eine bessere Bezahlung, sondern auch gute Bedingungen, um die Qualität der frühkindlichen Bildung zu verbessern. “Die Politik ist jetzt aufgefordert, nicht nur von der Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes zu reden, sondern auch die Verbesserungen zu schaffen, mit denen die Bedingungen in den Einrichtungen verbessert werden”, betonte Wolfgang Pieper, Bundesvorstandsmitglied der ver.di. Das sei auch insbesondere im Hinblick auf Flüchtlingskinder und Jugendliche dringend notwendig. Dazu gehörten vor allem zusätzliche Investitionen in Personal- und Sachmittel.

Zahlreiche Interessensvertretungen und Aktive zeigten mit Aktionen und Kundgebungen ihre Sicht auf die aktuellen Arbeitsbedingungen und die Aufwertung von sozialen Berufen. Das Ergebnis zeigt, dass sich Durchhaltevermögen und der Zusammenhalt auszahlen, aber in Zukunft dennoch weiter für die Aufwertung gekämpft werden muss.

Weitere Informationen unter: www.soziale-berufe-aufwerten.de (http://www NULL.soziale-berufe-aufwerten NULL.de/)