Weltklimavertrag vereint die Welt – Symbol eines neuen Zeitalters

Geschrieben von Johannes Straaß (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Dezember 2015 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2015/12/weltklimavertrag-vereint-die-welt-symbol-eines-neuen-zeitalters/>
Abgerufen am 9. April 2020 um 09:13 Uhr

Beitrag der Artikelserie »Energie-Klima-Nachhaltigkeit« (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2015/03/globale-energiewende-vom-randthema-zur-biggest-story-in-the-world/)

Der 12.12.2015, ein ehrwürdiger Tag, der noch in Jahrzehnten in unseren Geschichtsbüchern nachzulesen sein wird und der maßgeblich über die Entwicklung der Zukunft der Menschheit entschieden hat.

Was habe ich verpasst, denkt der ein oder andere jetzt vielleicht, oder wundert sich ob ich mit dieser Beschreibung den Weltklimavertrag meine, der doch scheinbar nur ein langweiliger Vertrag zwischen ein paar Ländern ist, mit dem sich ein paar Politiker, angesichts des Klimawandels mit hohlen Worten, profilieren wollen.

Ganz genau diesen Vertrag meine ich! Warum dieser nicht ein banales und langweiliges Papierstück ist, und warum der 12.12. ein historischer Moment in der Geschichte der Menschheit ist, den man gebührend feiern sollte, will ich kurz erklären.

Was macht den neuen Weltklimavertrag so besonders?

Seit 1992, als das erste Mal offiziell der Klimawandel als vom Menschen gemacht anerkannt wurde, haben die Länder der Erde versucht einen völkerrechtlich bindenden Vertrag zu vereinbaren, der einen Plan aufzeigt, wie die Menschheit ihrem Niedergang durch den Klimawandel entgehen kann.

24 Jahre später, als kaum noch jemand daran geglaubt hat, dass wir Menschen aus aller Welt uns einig werden und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft und das Fortbestehen unserer und vieler anderer Spezies übernehmen können, dann das – das “Wunder von Paris (https://www NULL.youtube NULL.com/watch?v=3zcli0xB1Ok&w=560&h=315)“. Die Unterzeichnung eines Welklimavertrags, die neben viel Applaus, neben Tränen der Freude, den Glauben an den Menschen und an eine gute lebenswerte Zukunft zurück bringt. Die Ohnmacht angesichts des Klimawandels löst sich mit diesem Vertrag in eine Handlungsaufforderung auf, an uns alle, an alle Menschen weltweit.

Der Weltklimavertrag ist nicht nur wichtig für das geeinte Handeln, sondern auch ein Symbol für eine geeinte Welt, in der sämtliche Parteien einander entgegen kommen und die Bedürfnisse der anderen respektieren und anhören, sowie selbst zu Eingeständnissen bereit sind. Dieses neu gelernte Verhalten sollte ausgebaut und in andere Bereiche der Politik übertragen werden, womit diese Klimakonferenz 2015 auch ein Beispiel dafür ist, wie Politik aussehen kann.

Der Plan steht – die Umsetzung muss folgen

Natürlich kommt diese Zukunft jetzt nicht automatisch oder von alleine, sondern wird viel Arbeit und Selbstdisziplin erfordern und auch noch viele weitere Debatten, Treffen und Auseinandnersetzungen erfordern, aber jetzt wird sie zumindest möglich, da alle zu bekennen gegeben haben in abgesprochener Weise zusammen arbeiten zu wollen.

Dieses sogenannte Paris-Abkommen (https://de NULL.wikipedia NULL.org/wiki/Paris-Abkommen) ist jetzt, am 12.12.2015 von allen 195 Staaten, die Teil der United Nations sind – also aller anerkannter Staaten der Erde – unterzeichnet worden. Noch nie hat es ein Ereignis gegeben in dem sich alle Länder der Erde, trotz ihrer Konflike, Feindschaften, widersprechender Interessen und unterschiedlicher Ansichten auf diese Art und Weise gemeinsam einig geworden sind und konstruktiv auf ein Ziel hin, zusammen gearbeitet haben.

Der Weg zu diesem Vertrag, war ein langer

Natürlich war die Politik in den 24 vergangenen Jahren nicht untätig, lediglich uneinig. 2015_Climate_Conference,_Paris_(only_text) (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2015/12/2015_Climate_Conference_Paris_only_text NULL.jpg)Es gab immer kleine und auch größere Fortschritte, die aber in der Summe bisher doch eher enttäuschend waren und wenig Hoffnung auf eine kontinuierlich angestrebte Lösung dieser Herausforderung machten. Es ist verständlich, dass es schwierig ist auf einen Konsens zu kommen, oder gemeinsam zu handeln, wenn sämtliche Länder mit unterschiedlichsten und gegensätzlichsten Interessen an einen Tisch kommen. Dieser Annäherungs- und Verständigungsprozess, hat letztlich aber, nach dem unbeschreiblichen Engagement und der Ausdauer vieler engagierter (oft in ihrem Handeln verkannter) Menschen, zum Ziel geführt.

Es gab immer kleine und größere Schritte. Der größte Schritt der Klimapolitik war bisher wohl das Kyoto-Protokoll, dass von 2008 bis 2012, in einer ersten Probephase, von fast ebenso vielen Ländern verfolgt wurde. Allerdings beteiligten sich bei diesem die USA, als einer der größten Kohlenstoffdioxidemittenten, nicht. Auch war es nur vier Jahre gültig. Da die Politik an einem neuen Anschlussvertrag – den alle unterstützen würden – scheiterte wurde bis 2020 eine zweite Verpflichtungsperiode beschlossen, bei der die Zahl der beteiligten Länder allerdings wesentlich geringer ausviel. Das heißt, dass seit 1992 in größerem Maße, eigentlich nur effektiv 4 Jahre lang verbindlich versucht wurde schädliche Emissionen zu veringern und daran war die USA nicht beteiligt.

Durchatmen, aber nicht stehen bleiben

Jetzt gibt es ein neuen Weltklimavertrag mit dem das erste Mal in der Geschichte, alle Länder einverstanden sind. Das ist wahrlich ein Grund zum feiern.

Spannend wird es aber noch einmal werden, da der Vertrag ab dem 22. April 2016 für ein Jahr zur Unterzeichnung im UNO-Hauptquartier aufliegt und von den Staatsvertretern dann unterzeichnet werden muss. Dies ist nur möglich, wenn die Umsetzung dieses Vertrags auch innenpolitisch unterstützt wird, sprich wenn die jeweiligen (von Land zu Land unterschiedlichen) Gremien und Organe in bestimmten Mehrheiten diesem Vertrag zustimmen. Gültig wird der Vertrag dann, wenn mindestens 55 Staaten, die einen Mindestanteil von 55 Prozent am globalen Treibhausgasausstoß haben, diesen ratifiziert haben. In Kraft treten soll der Vertrag dann 2020.person-983889_1280 (https://lebenveraendert NULL.files NULL.wordpress NULL.com/2015/12/person-983889_1280 NULL.jpg)

Jetzt aber dürfen wir für einen Moment durchatmen und die Aussicht genießen, wie Nelson Mandela in der Weltklimakonferenz zitiert, zu diesem Moment zu bedenken gibt:

“I have walked that long road to freedom. I have not faltered. I have made misssteps along the way, but I have discovered the secret that after climbing a great hill, one only finds that there are many more hills to climb. I have taken a moment here to rest, to steal a view of the glorious vista that surrounds me, to look back in the ditance I have come. But I can only rest for a moment, for with freedom comes respronsibilities, and I dare not linger, for my long walk is not ended.”

In diesem Sinne, ist es denke ich Zeit sich kurz zurück zu lehen, neue Kräfte zu sammeln und dann erneut mit vollem Engagement weiter diesen nun global eingeschlagenen Weg zu begehen. Jeder im Rahmen seiner Verantwortung.

 

hier noch ein paar Eindrücke der Konferenz:

https://www.youtube.com/watch?v=9Me5CzfLlPY (der Vertrag ist akzeptiert – ab Minute 9:30)

https://www.youtube.com/watch?v=QbyyUksy2rg (Schlussreden)

Bildquelle – wikimedia commons