Treffpunkt der Nationen – Das Benediktbeurer Kulturcafé

Geschrieben von Melanie Stahn und Heidi Gallrapp (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. März 2016 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/03/treffpunkt-der-nationen-das-benediktbeurer-kulturcafe/>
Abgerufen am 7. August 2020 um 16:56 Uhr

Eines der drei Gruppenbilder, entstanden bei der Kunstwerkstatt

Studierende der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH) berichten von dem Kulturcafé in Benediktbeuern, das sie im Rahmen eines Praxis-Projektes ins Leben gerufen haben.

Zum Studium der Sozialen Arbeit an der KSFH gehört es, ein Projekt zu planen und durchzuführen. Die Idee eines Kulturcafés wurde von Christine Plahl (Professorin an der KSFH) an uns, Melanie Stahn, Heidi Gallrapp und Anna Höhn, herangetragen. Die ursprüngliche Idee entstand im örtlichen Helferkreis.

Die erste Bezeichnung, die uns genannt wurde, lautete “Flüchtlingscafé”, doch uns war von Anfang an klar, dass das der falsche Begriff war. Wir wollten schließlich nicht nur die Geflüchteten ansprechen, sondern die gesamte Bevölkerung aus Benediktbeuern und Bichl. Also entstand für uns der Begriff Kulturcafé. Diese Art Cafés gibt es schon in anderen Städten.

Planung, Organisation, Themenwahl, etc. war uns selbst überlassen. Zunächst stand für uns im Raum zu überlegen, wen und was wollen wir mit dem Kulturcafé erreichen und wie wollen wir die einzelnen Nachmittagen gestalten.
Nach einigen Überlegungen blieben vier Termine und damit vier Themen übrig:
Zu Beginn ein Spielenachmittag, dann ein Musikcafé, eine Kunstwerkstatt und zum Abschluss ein gemütlicher Cafénachmittag mit Ausstellung der in der Kunstwerkstatt entstanden Bilder.

Die vier Termine sollten einmal im Monat stattfinden. Unsere Kontaktperson war Frau Sitzberger-Jall vom Helferkreis, die uns unter anderem den Raum im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Benediktbeuern, welches für gemeindliche Aktivitäten zur Verfügung steht, organisierte.
Unsere Ziele waren vor allem, dass Kontaktängste auf beiden Seiten (der Geflüchteten und der Einheimischen) abzubauen und einen Raum zu schaffen, neue Kontakte zu knüpfen. Dabei sollte außerdem die Gelegenheit geboten werden die Kultur des jeweils anderen besser kennenzulernen und einfach einen schönen, gemütlichen Nachmittag in neutraler Umgebung miteinander zuverbringen.

Für uns Studentinnen war es wichtig, die Organisation eines Projektes kennenzulernen, auch die Schwierigkeiten und Eines der in der Kunstwerkstatt entstandenen Gemälde (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2016/03/Gemälde-Kulturwerkstatt-3 NULL.jpg)Probleme die dabei auftauchen können. Des Weiteren war für uns der Umgang mit Sprachbarrieren ein wichtiger Aspekt.
Um die Bevölkerung anzusprechen, bedruckten wir Flyer und Plakate, die wir schließlich  im Dorf  und  an der Hochschule aufgehängt haben. Damit unser neues Angebot möglichst viele Menschen erreicht, standen wir stets in Kontakt mit der Presse. So veröffentlichte der Tölzer Kurier einen Artikel über das Kulturcafé und lud alle Interessierten  zu den kommenden Treffen ein.

Die Termine
Zum Kennenlernen veranstalteten wir einen Spielenachmittag mit Mensch-ärgere-dich-nicht, Memory und dem Jenga-Turm. Dafür braucht man nicht viele Worte, um Spaß zu haben. Die Geflüchteten kannten einige der Spiele, andere nicht – jedenfalls waren alle begeistert. Es entstand nach und nach eine entspannte, fröhliche Atmosphäre, nachdem es anfangs etwas ruhig war, da keiner wusste, was auf ihn zukam.

Beim Musikcafé kam nach unserer Einschätzung die sprachliche Unsicherheit am deutlichsten zu tragen, da wir ausschließlich deutschsprachige Lieder dafür auswählten und die Geflüchteten sich nicht ermuntern ließen, Lieder aus ihren Heimatländern zu singen. Rückblickend würden wir sagen, dass sich ein Musikcafé erst eignet, wenn man sich schon besser kennt, Berührungsängste keine große Rolle mehr spielen und alle weitgehend problemlos miteinander kommunizieren können.

Gemälde Kulturwerkstatt 2 (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2016/03/Gemälde-Kulturwerkstatt-2 NULL.jpg)Die Kunstwerkstatt wurde von allen Beteiligten sehr positiv angenommen. Wir merkten bald, dass sich einige Gäste schon gut kannten und sich leichter in Gruppen zusammenfanden.
Diesmal waren auch mehrere ältere Kinder anwesend, die auch sehr gerne malten. Es entstanden drei Gruppenbilder, die sehr farbenfroh gestaltet wurden.

Unser letztes Kulturcafé schloss mit der Ausstellung der Bilder und mit einem gemütlichen Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen ab. Für die Kinder hatten wir einen Maltisch hergerichtet, da dies beim letzten Mal zu gut angenommen wurde. Die Kinder waren mit Feuereifer dabei.

Fazit
Wir spürten einen deutlichen Unterschied vom ersten zum letzten Café. Die Atmosphäre war viel lockerer. Die Geflüchteten haben zum Teil einen sehr großen Fortschritt bei der Sprache gemacht, sodass man sich besser unterhalten konnte. Dass jeder gerne kam, merkten wir bald. Auffallend war, dass die Beteiligung der Einheimischen vorwiegend weiblich war und nur wenige Männer kamen. Auf Seiten der Flüchtlinge kamen mehr Männer.
Durch das Kulturcafé konnten sich  freiwilligen Helfer austauschen und es gelang uns sogar, neue Freiwillige zu gewinnen. Unser Projekt stärkte alte Kontakte und half dabei, neue zu knüpfen. Viele der Freiwilligen haben im Kulturcafé einen Raum gefunden, um sich persönlich kennenzulernen. Oft bestand vorher schon telefonischer Kontakt, zu einem Treffen ist es aber erst im Kulturcafé gekommen, was uns natürlich freut.
Schwierig war es teilweise, die Geflüchteten einzuladen, auch aufgrund der Sprachbarrieren. Ebenso hatten wir uns bei der einheimischen Bevölkerung eine größere Resonanz erhofft. Dies mag zum einen an unserer Öffentlichkeitsarbeit gelegen haben, die etwas besser hätte laufen können, zum anderen daran, dass der Zeitrahmen für Berufstätige schlecht gewählt war (15:00 – 17:00/18:00 Uhr).

Das Kulturcafé wird vom Helferkreis weitergeführt, möglicherweise wird die Zeit arbeitnehmerfreundlicher gestaltet, um mehr Menschen erreichen zu können.

Im Terminkalender des Helferkreises Asyl in Bichl und Benediktbeuern (http://asyl-bichl-benediktbeuern NULL.de/termine/) finden Sie die weiteren Termine.