Europe moves (us)

Geschrieben von Johanna Grethlein (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. April 2016 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/04/europe-moves-us/>
Abgerufen am 26. November 2020 um 22:31 Uhr

Die Delegation mit der Europaabgeordneten Barbara Lochbihler (Fraktion der Grünen/ Freie Europäische Allianz)

Ein besonderer Schwerpunkt des Bezirksjugendrings Schwaben liegt schon lange im Bereich der politischen Bildung. Neben verschiedenen Projekten und Kooperationen spielen dabei auch stets aktuelle Entwicklungen in der Politik eine entscheidende Rolle für die Jugendarbeit vor Ort. Europe moves (us) – was in Europa geschieht, bewegt (uns), nämlich die Mitarbeiter*innen in der Jugendarbeit.

Mit verschiedenen Fragen und Anliegen, die die Jugendarbeit betreffen, reiste eine Delegation von Multiplikator*innen der schwäbischen Jugendverbände, sowie Kreis-, und Stadtjugendringe, Anfang April nach Brüssel.

Die mitgebrachten Themen drehten sich um den Umgang mit Menschen mit Fluchterfahrung und welchen Herausforderungen sich die Jugendarbeit hierbei stellen muss. Außerdem ging es um Jugendarbeit im Allgemeinen und inwiefern “Jugend” ein Thema in den parlamentarischen Debatten ist. Darüber hinaus wurden auch Fragen nach dem Verbleib europäischer Solidarität und dem Zusammenhalt der europäischen Staaten thematisiert. Die Sorge der Parlamentarier*innen um den Zusammenhalt fiel den Mitgliedern der Delegation besonders auf. So reflektierte einer der Mitgereisten: „Denn vor allem durch die Flüchtlingskrise ist die Tendenz zu nationalstaatlichen Regelungen stärker geworden, was sich nicht selten in Spannungen zwischen den Staatsoberhäupten und ihren Parlamentariern äußert“.

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Das Europäische Parlament

Für all diese Fragen und Anliegen ist das Wissen über die europäischen Strukturen und Mechanismen sehr hilfreich, die durch den Besuch in Brüssel und die Begleitung von Lea Sedlmayr (Referentin für Europäische Jugendpolitik beim Bayerischen Jugendring) klarer wurden und die Gruppe die Einzigartigkeit des Europäischen Parlaments und seiner Arbeit entdecken ließ. Besonders der Besuch des Parlamentariums (http://www NULL.europarl NULL.europa NULL.eu/visiting/de/visits/parlamentarium NULL.html) half dabei, die Entscheidungsprozesse und deren Einfluss auf unseren Alltag transparenter zu machen.

Die Delegation trat die Reise mit viel Neugier und positiven Erwartungen an. Vor Ort war die Stimmung in der Bevölkerung nach den Anschlägen auf die Metro und den Flughafen knapp zwei Wochen zuvor aber durchaus spürbar: „Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und vor allem die wenig bevölkerten Straßen vermittelten uns die Anspannung in der Bevölkerung“, so einer der Teilnehmer.

Die Vertreter der schwäbischen Jugendarbeit konnten ihre Anliegen mit den Abgeordneten Ulrike Müller (Freie Wähler, ALDE), Barbara Lochbihler (Grüne, EFA) und Markus Ferber (CSU, EVP) diskutieren. Die Herausforderung im Umgang mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt die Parlamentarier*innen nahezu ständig, wobei Frau Müller nur bestätigte, was alle bereits vermuteten – es würde „keine europäische Einigung zur Aufnahme von Flüchtlingen“ geben.

Die Interessen von Jugendlichen werden im Europaparlament nur marginal diskutiert, da dies Angelegenheit der einzelnen Länder ist. Einfluss im Bereich der Jugendpolitik kann nur informell vor Ort durch Lobbyarbeit, wie sie Lea Sedlmayr betreibt, genommen werden.

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Plenarsaal des EU-Parlaments in Brüssel

Der Besuch in Brüssel war, wenn auch nicht in allen Bereichen die erhofften Antworten gefunden wurden, ein großer Erfolg für die Teilnehmer. Sie konnten einen Einblick in das Europäische Parlament und seine Aufgaben gewinnen und für die eigene Arbeit in den Verbänden und Kreis,- und Stadtjugendringen mitnehmen. Obwohl wir eigentlich alle zur EU gehören, wird sie oft als “weit entferntes Konstrukt” wahrgenommen. Eine Teilnehmerin stellte aber fest, dass “im Verlaufe des Besuchs deutlich wurde, welche europäischen Verordnungen und Regelungen uns tatsächlich auch vor Ort tangieren”.