Sophie Scholl – so fern und doch so nah

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. April 2016 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/04/sophie-scholl-so-fern-und-doch-so-nah/>
Abgerufen am 27. Mai 2019 um 00:28 Uhr

EUKITEA mit "Sophie Scholl - innere Bilder"

Was hat eine zehnte Klasse mit zwei jungen Menschen zu tun, die vor über 95 Jahren geboren wurden? Einer Frau und einem Mann, die gerade mal 21 und 24 Jahre alt wurden, bevor sie einen gewaltsamen Tod fanden – hingerichtet am 22. Februar 1943 in München.
Dass man sich mit dem Wirken und dem Schicksal der Geschwister Scholl auch anders beschäftigen kann als in Geschichtsbüchern zu lesen, zeigten das Theater EUKITEA (http://www NULL.eukitea NULL.de/) und eine der 10. Klassen der Mittelschule Höchstädt am vergangenen Sonntag.
Der Abend des 24. April war ganz dem Thema „Krieg und Widerstand“ gewidmet. Eigens dafür studierten die Schüler*innen gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer das selbstgeschriebene Theaterstück „Die Geschwister Scholl“ ein und präsentierten es auf Schloss Höchstädt.

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Die Schülerinnen und Schüler nach ihrer erfolgreichen Aufführung

Beginnend mit dem Ersten Weltkrieg erzählten sie in kurzen prägnanten Etappen die Geschichte von Hans und Sophie, wie sie anfangs selbst in der Hitlerjugend aktiv waren, später dann das politische System der Nationalsozialisten ablehnten und schließlich gemeinsam mit anderen als Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ aktiv wurden. Bei der Verteilung ihres sechsten Flugblattes an der Ludwig-Maximilians-Universität wurden sie festgenommen und nach vier Tagen Verhör zusammen mit Christoph Probst zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Stück endete mit den letzten Worten Hans Scholls: „Es lebe die Freiheit“.

Bevor das Theater EUKITEA im Weiteren einen tieferen Einblick in das Leben der Sophie Scholl bot, hatten die Besucher in der Wanderausstellung „Die Weiße Rose – Studenten gegen Hitler 1942/43 (http://www NULL.weisse-rose-stiftung NULL.de/fkt_standard2 NULL.php?aktion=cs&ma=cs&c_id=mamura&topic=063&mod=10&page=1&lang=de)“ die Möglichkeit, mehr über die Mitglieder der Bewegung zu erfahren. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Mai in Schloss Höchstädt zu sehen.

Begleitet von stimmungsvoller Musik schlüpfte die Schauspielerin abwechselnd in die Rolle der Sophie und der Erzählerin und schuf so ein beeindruckendes Bild einer ganz normalen jungen Frau.

Sophie Scholl zwischen Verzweiflung und Tatendrang (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/wp-content/uploads/2016/04/DSC09236 NULL.jpg)

Sophie Scholl zwischen Verzweiflung und Tatendrang

Lebhaft und voller Lebensfreude auf der einen Seite, auf der anderen aber auch betroffen, voll Angst und tiefer Trauer, in zunehmendem Bewusstsein darüber, was um sie herum passiert. Die Briefe, die Sophie an ihre Freundin Lisa und ihren Freund Fritz, Soldat der Wehrmacht, schrieb, gewähren eindrucksvoll Einblick in ihre Gefühle und Beweggründe. So schildert sie ihrer Freundin, wie fasziniert sie von München, ihrem Studienort, und der Natur in den Bergen ist. Zugleich ist sie entsetzt darüber, wie zerstörerisch die Menschen sein können und sie beschließt zu handeln. So schließt sie sich der „Weißen Rose“ an und verteilt gemeinsam mit anderen Studenten Flugblätter, in denen sie zuletzt eindringlich dazu aufrufen, sich gegen die Nationalsozialisten zu erheben und Freiheit für die Menschen zu erreichen.
Aufgrund dieser Flugblätter wird Sophie schließlich verhaftet und zum Tode verurteilt. Was von ihr und den anderen Mitgliedern bleibt ist die Idee, für die sie gekämpft haben und die Erinnerung an eine mutige Frau, die für Stärke und Zivilcourage steht: „Man braucht einen festen Geist und ein weiches Herz“.

Die Theateraufführungen dieses Abends zeigen wieder einmal: Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist die Auseinandersetzung mit den Menschen, die diese Geschichte geprägt haben. Nur so kann politische Vergangenheit greifbar werden.