Brennpunkt Naher Osten

Geschrieben von Omar Abdelkader (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. Mai 2016 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/05/brennpunkt-naher-osten/>
Abgerufen am 7. August 2020 um 18:05 Uhr

Jiz-München informiert

Der Nahe Osten (http://wissen NULL.woxikon NULL.de/naher-osten). Länder wie Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Oman, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen, der Irak, Israel und seine Nachbarstaaten Jordanien, Libanon, Syrien, Ägypten sowie den Gazastreifen und das Westjordanland gehören zu dieser Region. Auch Staaten wie der Iran und die Türkei werden dazugezählt.

Wir lesen viel, wir hören viel und wir wissen einiges über diese Region. Vieles Wissen haben wir auch nur wegen dieser Region. Zum Beispiel haben wir in Mitteleuropa das arabische Zahlensystem übernommen auch Begriffe wie Chemie oder Algebra kommen aus dem Arabischen. Wichtige Mineralien wie Erdöl und Erdgas wurden aus dem Irak, aus Kuweit und aus vielen anderen Ländern des Nahen Ostens in den Westen und nach Deutschland gebracht. Dadurch sind Kriege und Krisen im Nahen Osten entstanden. Die Krisen führen dazu, dass Menschen aus dieser Region zu uns flüchten. Sie kommen aus der Türkei, aus dem Irak, aus Syrien und aus vielen anderen Ländern der arabischen Halbinsel.

Am 27.04.2016 ab 18:30 Uhr saßen fünf Menschen aus der Region in der Sendlinger Straße im Jugendinformationszentrum München (http://www NULL.jiz-muenchen NULL.de/). Das Jugendinformationszentrum organisierte in Kooperation mit Cumali Naz, KJR München-Stadt und dem Beauftragten für interkulturelle Jugendarbeit und Integration, eine Veranstaltungsreihe zum Nahen Osten.

Die Gäste     

(http://qolo NULL.de/gallery/veranstaltungsreihe-zum-thema-brennpunkt-naher-osten/#prettyPhoto[fancy_img_group_452]/8/)

Die geladenen Gäste mitten im Gespräch

Über das Thema „Das Schicksal der ethnische Minderheiten im Nahen Osten“ diskutierten zwei Mitglieder des  Assyrischen Jugendverbands Mitteleuropa – Bayern (AJM) (http://qolo NULL.de/), Rani und Grasilda. Weitere Gäste waren der dem Alevitentum bekennende und aus der Ost-Türkei stammende Aziz. Ebenfalls anwesend waren Larissa, eine Kurdin aus dem Nordirak, und Binan eine Jesidin, die vor 15 Jahren den Irak verlassen hat und seit neun Jahren in Deutschland lebt.

„Wie ein Mensch in meiner Heimat leben“

Ca. 21 Besucherinnen und Besucher, unter anderem auch Jugendliche, lauschten den Erzählungen der fünf Gäste und wurden mit beeindruckenden aber auch unvorstellbaren Geschichten und Schicksalen konfrontiert.

So schilderte Rani wie er 2011 als 20 jähriger aus seiner Stadt Mossul floh, nachdem alles zerstört wurde, und nun in Augsburg lebt. Hier ist es vor allem sein größter Wunsch seine Eltern, die bereits 2010 nach Deutschland flohen, wiederzusehen, doch bis jetzt ist nur ferner Kontakt erlaubt.

Grasilda, eine Assyrerin, die in Deutschland geboren ist, erzählte von ihrer Arbeit mit „Save our Souls (http://www NULL.djo NULL.de/de/content/aktionsgruppe-save-our-souls)“ und wie sie in Flüchtlingslagern geholfen hat. Spontan holte sie auch eine Freundin mit in die Diskussionsrunde. Die Freundin hatte in Syrien gelebt bevor sie nach Deutschland kam. Überraschenderweise äußerte sie sich positiv über den syrischen Regierungschef Assad, da unter seiner Führung das Leben der Assyrer einfacher gewesen sei und es eher die Gegner des Regimes wären, die die Assyrer diskriminieren und schlecht behandeln würden.

Larissa eine Kurdin aus dem heutigen Nordirak erzählte wie sie 1993 aus ihrer Heimatstadt vor Saddam Hussein geflohen ist und erst 2008 wieder das Land gesehen hat. Sie schilderte wie nach dem Sturz von Saddam Hussein 2004 die Autonomie Kurdistan im Nordirak gegründet wurde und heute vor dem Islamischen Staat (IS) beschützt werden muss, vor allem durch die Peschmerga der Wehrmacht des Kurdistans.

Binan ist Jesidin und lebt seit 9 Jahren in Deutschland. Im Irak erlebte sie aufgrund ihrer Abstammung und der mangelnden Arabischkenntnisse, wie viele andere Jesiden, Misshandlungen und Alltagsdiskriminierung. Sogar in Deutschland wurde sie im irakischen Konsulat wegen ihrer Herkunft schikaniert und aufgehalten. Sie ist außerdem empört darüber, dass wenige Medien darüber berichtet haben, als der Islamische Staat 2014 gegen die Jesiden massiv vorging und viele Tote und misshandelte hinterlassen hat. Bis heute sei der Status des jesidischen Volkes im Nahen Osten unklar.

Mit ähnlichen Äußerungen zur Situation des alevitischen Volkes schaltete sich dann auch Aziz in die Diskussionsrunde ein. Aziz ist in Adana im Osten der Türkei aufgewachsen und ist heute Mitglied in der DIDF. Seiner Meinung nach gerät das Thema Aleviten in den türkischen Medien und in der Politik immer mehr in den Hintergrund. In dem sunnitisch geprägten Land werden andere Glaubensrichtungen wie die der Aleviten nicht anerkannt, selbst wenn der Europäische Gerichtshof den Glauben bereits anerkannt hat. Dies bestätigten auch einige Zuhörer im Saal, die sich ebenfalls als Aleviten bekannt haben. Sie erklärten auch, dass anders als bei den Sunniten und Schiiten, die Aleviten keine Geschlechtertrennung in Gebetshäusern durchführen. Dies führte zu einer Diskussion über die generelle Stellung des Mannes und der Frau in den verschiedenen Ethnien und in ihrem Glauben. Fast alle waren sich schließlich einig, dass die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eher abhängig ist von dem sozialen Status der Einzelnen in einer Gesellschaft.

Einig sind sich auch alle darüber, dass der Islamische Staat eine Bedrohung für alle Völker des Nahen Osten geworden ist und aufgehalten werden muss. Denn Rani spricht allen aus der Seele als er sich wünscht: „Ich möchte wie ein Mensch in meiner Heimat leben können.“ Damit endete die Veranstaltung um 20:30 Uhr mit einem langen Beifall der Zuhörer