Neuer Referent für Politische Bildung gefunden – Lorenz Semmler stellt sich vor!

Geschrieben von Nico Wunderle (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Oktober 2016 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/10/neuer-referent-fuer-politische-bildung-gefunden-lorenz-semmler-stellt-sich-vor/>
Abgerufen am 22. Juni 2018 um 10:55 Uhr

Unser neuer Referent für Politische Bildung Lorenz Semmler

Nach dem Weggang von Johanna Grethlein im Juli hat der Bezirksjugendring Schwaben einen Nachfolger gefunden, der seit Anfang Oktober der neue Referent für Politische Bildung beim Bezirksjugendring Schwaben ist. Lorenz Semmler. Damit Sie ihn besser kennen lernen, haben wir, die Politische Bildung Schwaben (PBS), ihn interviewt.
PBS: Bitte stelle Dich doch kurz vor!

Lorenz Semmler: Hallo, mein Name ist Lorenz Semmler, seit Anfang Oktober bin ich der neue Referent für Politische Bildung beim Bezirksjugendring Schwaben. Ich bin 33 Jahre alt und lebe mit meiner Frau und meinen zwei Kindern in Augsburg.

PBS: Welchen persönlichen Bezug hast du zur politischen Bildung und was hat Dich motiviert, dich für die Stelle des Referenten für politische Bildung zu bewerben?

Semmler: Für Politik und Bildung interessiere ich mich seit meiner aktiven Zeit in der Schülervertretungsarbeit mit Bildungsstreik und Anti-Irak-Krieg-Aktionen. Deshalb habe ich mich anschließend für das Studium der Pädagogik und Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Marburg und in Vasaa (Finnland) entschieden. Auch bei meiner ersten, beruflichen Station in einer Beratungsstelle für Erwerbslose war für mich neben der direkten Hilfe für Betroffene der politische Aspekt in Form von Lobbyarbeit mit der Augsburger Armutskonferenz besonders wichtig. Das Thema Jugendbildungsarbeit stand für mich bei meiner letzten Tätigkeit bei der Solidaritätsjugend Bayern im Vordergrund.Es war schon lange mein Wunsch in diesem Bereich zu arbeiten. Gerade die spezielle Verortung in der „Zwischenebene“ Bezirk macht für mich den besonderen Reiz der Stelle aus: Ich arbeite sowohl mit Multiplikator*innen als auch mit Jugendlichen und ich bewege mich an einer Schnittstelle von Jugendbildungsarbeit und Verwaltung. Das macht die Arbeit sehr vielseitig und abwechslungsreich.

PBS: Der Bezirksjugendring Schwaben hat als einziger Bezirk einen Referenten für Politische Bildung eingestellt. Wie beurteilst du die Vorreiterrolle, die der Bezirksjugendring Schwaben dadurch innehat? Warum ist es wichtig, einen Referenten für Politische Bildung zu haben? Macht es dich auch ein bisschen stolz, so eine einzigartige Stelle zu besetzen?

Semmler: Ich finde es toll, dass der Bezirk Schwaben es dem Bezirksjugendring finanziell möglich macht, eine solche Stelle einzurichten und damit auch dem Thema Politische Bildung entsprechend Gewicht zu verleihen. Unsere Befragungen von Akteur*innen in der Politischen Bildung in Schwaben (Atlas Politische Bildung in Schwaben) haben gezeigt, dass es einen großen Vernetzungsbedarf gibt. Gleichzeitig schlummert hier auch ein großes Potential, um das Thema und diese, wie ich finde, wichtige, gesellschaftliche Aufgabe in unserer Region voran zu bringen.

PBS: Welche Rolle spielt Politik in der Arbeit mit Jugendlichen? Worin siehst du noch Verbesserungsbedarf?

Semmler: Eine zentrale Aufgabe in der Arbeit mit Jugendlichen ist es meines Erachtens einen Bildungsprozess anzustoßen, der zur Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität befähigt. Dabei spielt Politik beispielshalber bei der Entwicklung einer eigenen Meinung eher implizit eine Rolle. Aber sie kann z.B. bei Jugendparlamenten auch ganz konkret werden (vgl. Artikel zu „Haltung zeigen!“ Anm. d. Red.). Ich finde Jugendarbeit sollte aber auch die Sorgen und Bedürfnisse junger Menschen im Blick behalten und darauf reagieren. Aktuell haben laut Shell Jugendstudie 73% der Befragten Angst vor Terroranschlägen und 62% vor einem Krieg in Europa. Da ist es natürlich Aufgabe von Jugendarbeit, diese Themen aufzugreifen. Gerade Jugendverbände haben hier bewährte Methoden und Angebote, die Jugendlichen eine aktive und adäquate Auseinandersetzung ermöglichen. Für mich persönlich ist die Frage „In was für einer Welt möchte ich leben?“ ein guter Einstieg, um Politik aus dem eher bedrückend großen Rahmen von internationaler Politik und zunächst abstrakten Prozessen wie Globalisierung und Umweltzerstörung herauszulösen.

Aktuell sehe ich die dringlichste Aufgabe für Politische Bildung darin, den zunehmenden, rechtspopulistischen und menschenverachtenden Tendenzen in unserer Gesellschaft massiv entgegenzutreten, darüber aufzuklären und junge Menschen gegen deren Versuchungen zu wappnen.

PBS: Welche Projekte stehen in den kommenden Monaten bei euch an? Worauf freust du dich am meisten?

Semmler: Zunächst wird es darum gehen, bestehende Projekte, wie unseren Baustein „Bezirk Schwaben erleben!“, fortzuschreiben und zu überarbeiten. Eine zentrale Rolle wird in der nächsten Zeit sicherlich auch die Weiterentwicklung von Politische Bildung Schwaben Außerdem werden wir eine Veranstaltung zur Bundestagswahl 2017 organisieren.

Danke für das Gespräch, Lorenz! Wir freuen uns auf eine möglichst lange, erfolgreiche Zusammenarbeit!