Soziokratie? Was ist das denn schon wieder? Eine Kurzbeschreibung

Geschrieben von Johannes Faller (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. März 2017 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/03/soziokratie-was-ist-das-denn-schon-wieder-eine-kurzbeschreibung/>
Abgerufen am 21. Mai 2018 um 05:25 Uhr

Was möchte der Artikel leisten?

Der Artikel möchte das Entscheidungsfindungsmodell Soziokratie vorstellen. Er skizziert einen knappen Umriss und gibt Informationen zur Anwendung sowie zu weiterführenden Quellen.

 

Wobei kann Soziokratie helfen?

  • Beteiligte in Entscheidungsfindungsprozessen mit einzubinden. Dies erhöht die Motivation, bei der Umsetzung von Entscheidungen mitzuwirken. Die Zufriedenheit steigt, da alle Stimmen gehört werden.
  • Die Potentiale aller Beteiligten zu nutzen. Denn alle Kompetenzen der Beteiligten fließen in Entscheidungen mit ein.

 

Was ist Soziokratie?

Soziokratie ist eine Form der Entscheidungsfindung, bei der in kleinen Arbeitskreisen über Aufgaben als Gruppe entschieden wird. In jedem Organisationsbereich gibt es alle 4-6 Wochen ein Treffen. Dort treffen sich alle Beteiligten und treffen Entscheidungen für die gemeinsame Arbeit. Beteiligte sind dabei die Führungskräfte und Delegierten der nächstunteren Kreise[1], sowie die Mitarbeiter der jeweiligen Organisationsebene. Die Entscheidungen werden nach dem Konsentprinzip getroffen. Dadurch können Beteiligte Entscheidungen mittragen und sich selbst einbringen.

 

Die vier Prinzipien der Soziokratie:

 

  1. Konsentprinzip:

Dabei bedeutet Konsent nicht Konsens. Beim Konsens stimmen alle Mitglieder für einen Vorschlag. Konsent heißt, dass niemand schwerwiegende, bzw. begründete Einwände gegen einen Vorschlag hat. Ob ein Argument schwerwiegend ist, schätz jeder selbst ein. Beachtet wird dabei, ob das Argument dem gemeinsamen Ziel dient und ob es innerhalb eines Toleranzbereichs zur Zielerreichung liegt. Begründet ist ein Einwand, wenn es zulässige Argumente gegen den Vorschlag gibt. Dabei besteht kein Vetorecht, es kommt aber zu einer neuen Verhandlungsrunde. In dieser muss das vorgebrachte Argument integriert werden. Entscheidungen müssen nicht von allen befürwortet werden. Sie müssen aber den Bedürfnissen der Beteiligten entsprechen. Es geht um Austausch und Aushandlung aufgrund von nachvollziehbaren Argumenten.

 

  1. Kreisorganisation

Eine Gruppe von Menschen trifft sich regelmäßig als Kreis. Sie verfolgen dabei ihre gemeinsamen Ziele. Dabei trifft die Gruppe unabhängig vom Rest der Organisation Grundsatzentscheidungen für ihren Zuständigkeitsbereich. Dabei kommt es zu einem Kreislauf aus Leiten, Durchführen und Messen. Diese Gruppen gibt es in jeder Hierarchieebene der Organisation und sie sind nach Zuständigkeitsbereich gegliedert. Gruppen können z.B. Arbeitsgruppen in Vereinen oder Abteilungen in Unternehmen, aber auch Führungskräfte in einer Leitungsinstanz sein.

 

  1. Prinzip der doppelten Verlinkung

Durch die doppelte Verlinkung werden mehrere Hierarchieebenen miteinander verknüpft. Jeder Kreis hat eine Führungskraft und wählt einen Vertreter. Die Führungskraft wird von der höheren Hierarchieebene bestimmt. Der Vertreter wird innerhalb des Kreises gewählt. Dabei sollen die Funktionen Leiten (Führungskraft) und Messen (Vertreter) unabhängig voneinander sein.
Die Personen nehmen an Treffen des eigenen Kreises und des nächsthöheren Kreises teil. Dadurch sollen die Bedürfnisse der angrenzenden Ebenen berücksichtigt werden. Es können wichtige Informationen und Motivationen von einer Ebene in die nächste fließen.

  1. Soziokratische Wahlen

Für bestimmte Aufgaben oder Funktionen können Personen gewählt werden. Dazu wird ein offen ausgetragener Konsententscheid durchgeführt. Dafür werden Mitglieder für bestimmte Aufgaben vorgeschlagen. Danach gibt jedes Kreismitglied eine Einschätzung für den Vorschlag ab. Nach den vorgebrachten Vorschlägen, können die Mitglieder ihre Entscheidung noch einmal umändern. Später wird eine Person durch Konsententscheid gewählt.

Das Modell Soziokratie ist ein flexibles Modell. Es kann auf Projekte, Vereine, Unternehmen, Genossenschaften usw. angewandt werden. Es ergänzt vorhandene Strukturen durch ihre vier Kernprinzipien. Dadurch schafft es lebendige Organisationen mit mehr gemeinsamer Kreativität und Verantwortung.

 

Neugierig?

Die folgenden Links ermöglichen einen tiefen Einblick in das Feld der Soziokratie.

Eimem kurzen Film zur Methode finden Sie hier. (https://www NULL.youtube NULL.com/watch?v=l3zFWpntExg)

Für eine ausführliche Beschreibung der Soziokratie klicken Sie hier. (http://soziokratie NULL.org/wp-content/uploads/2012/01/Die_Kreativen_Kraefte_der_Selbstorganisation NULL.pdf)

 

 

 

 

Verwendete Literatur:

 

Buck, John; Endenburg, Gerhard (2005): Die Kreativen Kräfte der Selbstorganisation.

URL: http://soziokratie.org/wp-content/uploads/2012/01/Die_Kreativen_Kraefte_der_Selbstorganisation.pdf (http://soziokratie NULL.org/wp-content/uploads/2012/01/Die_Kreativen_Kraefte_der_Selbstorganisation NULL.pdf) (zuletzt aufgerufen am 28.3.2017)

 

Rüther, Christian (o.J): Was ist Soziokratie? – Überblick und Nutzen.

http://soziokratie.org/wp-content/uploads/2011/06/wasistsoziokratie1.0-nutzenundgrenzen.pdf (http://soziokratie NULL.org/wp-content/uploads/2011/06/wasistsoziokratie1 NULL.0-nutzenundgrenzen NULL.pdf) (zuletzt aufgerufen am 28.3.2017)

 

 

[1] Dazu später mehr