Bayern – das Beispiel für gelungene Integration?

Geschrieben von Julia Poweleit (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. April 2017 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/04/bayern-das-beispiel-fuer-gelungene-integration/>
Abgerufen am 18. November 2018 um 03:41 Uhr

In Bayern leben 2,7 Millionen Migrant*innen und stellen damit 20% der bayerischen Gesamtbevölkerung. Auch im Bezirk Schwaben liegt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund mit ca. 21% im Landesdurchschnitt. Doch: Wie gut sind Migrant*innen in Bayern integriert? Welche Rolle spielen Religion und Politik für bayerische Menschen mit Migrationshintergrund?

Fragen, die in der neuen Studie der Hanns-Seidel-Stiftung nun erstmals beantwortet werden. Die Ergebnisse der repräsentativen Erhebung „Integration und politische Partizipation von Migrant*innen in Bayern“ überraschen nicht nur die Auftraggeber der Studie.

Die Studie

Um den untersuchten Bevölkerungsanteil tatsächlich repräsentieren zu können, wurde 1% der in Bayern lebenden Migrant*innen am Telefon befragt. Befragt wurden Migrant*innen der 1. Generation (Menschen mit Migrationshintergrund und eigener Migrationserfahrung) und Migrant*innen 2. Generation (Menschen mit Migrationshintergrund und ohne eigene Migrationserfahrung), die das 18. Lebensjahr vollendet hatten. Die Auswahl der Befragten wurden im Rahmen einer systematischen Zufallsauswahl festgelegt, die alle Telefonverzeichnisse scannte.

Im Gesamten konnte durch die Stichproben ein ausgewogenes Verhältnis bezüglich der Merkmale Alter, Geschlecht, Wohnung, Ortsgröße und Bildung erreicht werden. Die Interviews wurden im November und Dezember 2016 durchgeführt und in Deutsch sowie 10 weiteren Sprachen angeboten.

Politik und Migration

Von den Befragten gehören 30% der zweiten Generation und 70% der ersten Generation von Migrant*innen an. Davon hatten 33% kein Wahlrecht, 23% nur ein kommunales Wahlrecht und 44% ein vollständiges politisches Wahlrecht. Mit durchschnittlich fast 4 Teilnahmen an den Wahlen nutzten die Wahlberechtigten ihr Wahlrecht. Jede*r 4. Migrant*in verzichtete allerdings trotz Wahlrecht bisher auf eine Wahlteilnahme. Im Schnitt zeigt die Studie jedoch, dass zwischen 50 und 60% der wahlberechtigten Migrant*innen ihre Wahlbeteiligung aktiv nutzten.

Auf der klassisch politischen „Links-Rechts-Skala“ tendieren die Migrant*innen mit 38% sehr stark zu politischen Mitte. Links würden sich 16% und rechts 12% der Befragten einordnen. Ein weiteres Drittel konnte oder wollte die eigene Position nicht anhand dieser Skala einordnen.

Wichtigste soziale und politische Problemfelder sind nicht die Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt, sondern eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, also eine gute Aus und Weiterbildung, sowie der Bereich der inneren Sicherheit dar.

Etwa jede*r Vierte nimmt zusätzlich an Wahlen ihres*seines Herkunftslandes teil. Hier stellen die größten Gruppen die Menschen mit italienischem (56%) und türkischem (54%) Migrationshintergrund.

Religion und Migration – ein ausgeprägtes Thema?

Über der Hälfte der in Bayern lebenden Migrant*innen (53 %) sind Mitglied einer christlichen Religionsgemeinschaft, 23% fühlen sich dem Islam zugehörig und 23 % gehören keiner religiösen Gemeinschaft an. Dass Religion sie auch in täglichen Entscheidungen beeinflusse, bestätigte nur jede*r 5. Migrant*in (22%). Eine Radikalisierung konnten die Forscher nicht feststellen.

Integration und Migration

Die Mehrheit der Befragten fühlen sich persönlich gut in Bayern integriert. Ein überaus positives Bild sieht man bei den jeweiligen Aussagen zur Zufriedenheit, zum Zusammenleben, zu Zukunftsperspektiven und die Beurteilung der Lebensqualität, Wohn- und Arbeitssituation etc. Zusammenfassend zeichnet sich ein ausgesprochen positives Bild vom Stand der Integration in Bayern ab. 67% der Studienteilnehmer*innen betonen, dass sie mit ihrem Leben in Bayern überaus zufrieden seien. Ein knappes Viertel gibt jedoch an, dass sie Erfahrungen mit Diskriminierungen sammeln mussten.

Fazit der Studie

Der Stand der Integration von Migranten in Bayern befindet sich auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fühlt sich hier sehr wohl, ist mit Wohnumfeld, Job, Zukunftsperspektiven und der herrschenden Lebensqualität überaus zufrieden. Grund dafür dürfte in der eher ländlich geprägten Struktur des Freistaates sein. 70% der Migranten lebt in kleineren Städten oder Gemeinden, dies verhindert eine integrationshemmende Ghettoisierung und Isolation, wie man sie in zahlreichen Großstädten vorfindet.

Studienleiter und langjähriger Migrationsforscher Joachim Schulte zeigt sich überrascht von einem solch positiven Ergebnis. Auch für Ursula Männlein, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung bringen diese Studienergebnisse neue Impulse für die Gesellschaft: „Es zeige sich, dass die Integration in Bayern gut gelingen könne“. (https://www NULL.hss NULL.de/themen/gesellschaft/artikel-detail-gesellschaft/bayern-modellland-der-integration-news336/)

Hier geht´s zur Studie…… (https://www NULL.hss NULL.de/fileadmin/user_upload/HSS/Dokumente/170201-Praesentation-HSS-Migranten-in-Bayern NULL.pdf)