Wohnen Im Oberland – immer mehr ein (Luxus) Problem?

Geschrieben von Julia Poweleit (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 23. Januar 2018 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2018/01/wohnen-im-oberland-immer-mehr-ein-luxus-problem/>
Abgerufen am 18. November 2018 um 03:41 Uhr

Veranstaltung Wohnungsnot(stand) an der Hochschule Benediktbeuern – Ideen für die Zukunft wurden formuliert

 

„Wohnen ist nicht alles, aber ohne Wohnung ist alles nichts“, so formulierte es Martin Holleschovsky (Diakonie Oberbayern), der Menschen mit Wohnungsnotlagen betreut. Er war einer von drei geladenen Referenten, die sich an der Katholischen Hochschule Benediktbeuern, auf Einladung einer Gruppe Studierender der politischen Bildung Schwaben eingefunden hatten. Die Öffentlichkeit war eingeladen. Zahlreiche Besucher mit den unterschiedlichsten Hintergründen beteiligten sich an den Berichten der Referenten sowie der Diskussion und entwickelten Ideen für die Zukunft.

 

Der Student Nico Wunderle eröffnete die Veranstaltung und verwies darauf, dass Wohnen ein Grundrecht sei und somit ein wichtiges politisches Thema ist. „860.000 Menschen in Deutschland sind wohnungslos“, so Wunderle. Ebenso gab er bekannt, dass Mieter- und Vermieterbund zwar eingeladen waren, aber nicht erschienen sind.

 

Holleschovsky berichtete: „Die Zahlen der Dienste und Hilfen für wohnungslose Menschen haben sich in den letzten Jahren erhöht. Auch in Zukunft werden diese Formen der Betreuung wohl noch ausgebaut werden“. In seinem Fachbereich „Menschen in besonderen Lebenslagen“ in der Herzogsägmühle ist er zuständig für betreutes Wohnen und ambulante Dienste. Die Region Oberland ist in der Wohnungsproblematik unter dem Einfluss der Metropolregion München. Laut Holleschovsky, dehne sich diese immer weiter aus. Dazu referierte er: „Die Menschen, sowie Industrie und Wirtschaft gehen dorthin, wo ein hoher Freizeitwert zu verzeichnen ist. Dies sei auch ein Lockruf vieler Firmen um Arbeitnehmer zu generieren. Der Zuzug ist ungebrochen und darauf habe man wenig Einfluss“. Ebenso äußerte er, dass in den verschiedensten Regionen, Projekte zum sozialen Wohnungsbau verhindert wurden. Oftmals schließen sich Bürger zusammen um eine Bebauung zu stoppen. Als Gründe werden beispielsweise Richtlinien des Naturschutzes angeführt. Letztlich kam er zu dem Schluss: „Die Gemeinden müssen etwas tun und aktiv werden um den Wohnungsbau zu organisieren“.

 

Der Leiter der Abteilung „Studentisches Wohnen“ vom Studentenwerk München, Daniel Franta, referierte über die aktuelle Wohnsituation von Studierenden. „Es wird immer schwieriger, überall in Deutschland. Studenten müssen immer mehr Finanzen für die Wohnung aufbringen und können dadurch weniger Zeit in das Studium investieren“, so Franta. Weiter sagte er: „Für einen Platz im Wohnheim bei privaten Anbietern seien 600-800 Euro nicht unüblich.“ Speziell in Benediktbeuern gäbe es laut Franta, nicht so viele Wohnungsangebote. Er teile den Zuhörern mit: „Wir sind daran interessiert die Zahl der Wohnheimplätze zu erhöhen, allerdings ist dies nicht einfach“.

 

Dr. Annette Eberle, Dekanin der Stiftungshochschule Benediktbeuern berichtete aus Ihrer Perspektive: „Der Hochschulstandort hat etwa 500 Studierende, darum sind wir zunehmend mit diesem Problem konfrontiert. Unser Campus will auch weiterhin wachsen und braucht deshalb Campusqualität, wozu auch das Thema Wohnraum gehört“. „Es gibt bei uns an der Hochschule viele Konzepte der Selbstorganisation. Studierende tun sich zusammen und versuchen die Ressourcen, die vorhanden sind zu nutzen“, so Dr. Eberle. Zudem gab die Professorin bekannt, dass die Hochschule das Thema „studentisches Wohnen“ angehen möchte.

 

Nach den Beiträgen der Referenten wurde in Kleingruppen gearbeitet. Die Teilnehmer machten sich Gedanken zu den Fragen: Warum gibt es die Wohnungsproblematik? Was könnte dagegen getan werden? Die Ideen wurden anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert.

 

Ein Anwohner aus Benediktbeuern meinte, ein gewisses Desinteresse der Menschen sei Schuld an der Wohnungsnot. „Viele brauchen das Geld nicht und denken sich `mir geht es gut, warum soll ich vermieten?`“ Weiter sagte er: „Der Lehrstand vieler Wohnungen und Häuser müsste genutzt und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden“. Herr Franta meinte dazu, dass sich Privatleute, die Wohnraum an Studenten vermieten möchten, beim Studentenwerk melden können. Auch wurde der Vorschlag gebracht, dass die Zweitwohnsitzsteuer erhöht werden müsste, weil viele Wohnungen teilweise wochenlang leer stehen und lediglich als Urlaubswohnungen genutzt werden. Ähnlich sei es bei Ferienwohnungen. Potenzieller Wohnraum wird als Wohnung für Urlauber umgewandelt. „Die Gemeinde könnte dies aber verhindern“, meinten weitere Teilnehmer der Diskussion.

 

Als nächstes wurde ein mögliches Zusammenleben mit Senioren oder hilfebedürftigen Menschen diskutiert. Studierende könnten Arbeiten ausführen und dafür verbilligt wohnen. Dies gäbe es zwar teilweise schon, trotzdem könne dies, auch in Benediktbeuern, die Situation der Studierenden entlasten. So hätte auch die Gemeinde etwas davon. Dies müsse allerdings organisiert und nicht nicht nur dem Zufall überlassen werden. Ein Teilnehmer aus Benediktbeuern meinte: „Trotzdem müsste nochmals auf die Gemeinde zugegangen werden, denn sie ist verpflichtet Wohnraum zu schaffen. Die Pfarrgemeinde hat den sozialen Wohnungsbau auf einer Wiese bereits vorgeschlagen. Die Gemeinde wollte dies aber nicht.“ Der Meinung, die Kommunen müssten hier mehr in die Verantwortung genommen werden, stimmten viele Teilnehmer*innen aus der Diskussion zu.

 

Eine Studentin berichtete, dass sich durch die Wohnungsnot einige Vermieter sehr teure Preise zu schlechten Konditionen erlauben. Zustimmung bekam sie von einem Diskussionsteilnehmer: „Das kann ich mir gut vorstellen, es sind einfach zu viel Wohnungssuchende auf dem Markt. Es gibt einen Mangel an günstigen Wohnraum und hier muss schlicht und einfach gebaut werden.“ Holleschovsky meinte dazu: „Ich sehe nur eine politische Lösung, zum Beispiel müssten manche Bauvorschriften geändert werden.“ Zusätzlich gab die Runde mehrfach zu verlauten, die Thematik „Wohnen“ muss mehr öffentliche Präsenz bekommen und Grundlage vielseitiger Diskussionen sein. Sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Politik auf Bundes-, Länder- und Gemeindeebene.

 

 

Verfasst von Andreas Käser, 17.01.2018

 

Die Veranstaltung fand am 16.01.2018 in Benediktbeuern statt.