Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Geschrieben von Julia Poweleit (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 5. Februar 2018 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2018/02/tag-des-gedenkens-an-die-opfer-des-nationalsozialismus/>
Abgerufen am 18. November 2018 um 03:41 Uhr

Am 27.Januar 1945 (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus) wurde das Konzentrationslager Ausschwitz von der Roten Armee befreit. Dieser Tag wurde, stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus, 1996 zum bundesweit gesetzlich verankerten Gedenktag. Bundesweit finden Veranstaltungen zum Gedenken der Opfer statt. Der bayrische Landtag erinnert in Ursberg, im schwäbischen Landkreis Günzburg, an die Opfer.

Was war in Ursberg passiert?

In Ursberg steht eines der ältesten und größten bayrischen Heime für Menschen mit Behinderung. Im 2.Weltkrieg, von 1929 – 1945 waren im schwäbischen Kloster Ursberg die Ursberger Anstalten (https://www NULL.hdbg NULL.eu/kloster/web/index NULL.php/pdf?id=KS0413). Ein Ort an denen die Nationalsozialisten ihre menschenverachtenden Rasseideologien durchsetzen. In der Zeit ab 1934 wurden 227 Patienten, überwiegend Männer, zwangssterilisiert. Ab 1936 wurde es zur „Geschlossen Anstalt“ umfunktioniert, damit weitere Eingriffe des NS-Regimes vermieden werden konnten. 1939 gab Hitler den Befehl „unwertes Leben zu beenden“. Ab 1940 begann das Regime mit der Euthanasie. Es wurden über 500 Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen nach Ursberg verlegt, 379 Menschen starben unter den grausamen Methoden, der Nationalsozialisten.

Die Aktion T4

Die Klosterschwestern, die in Ursberg arbeiteten, mussten über alle Menschen die dort behandelt wurden Meldebögen über ihr Verhalten, Krankheitsbilder und Arbeitsleistung nach Berlin in die Zentrale schicken. Von dort aus wurde unter dem Decknamen „Aktion T4“ die Massenermordung von Menschen mit Behinderung veranlasst. Die dort arbeitenden Schwestern zeigten indirekten Wiederstand. Sie versuchten durch die verzögerte der Abgabe von Meldebögen schlimmeres zu verhindern. Dennoch kamen sie gegen die Deportationen (https://www NULL.duden NULL.de/rechtschreibung/Deportation) nicht an: die meisten der „verlegten“ Menschen wurden in der Gaskammer in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz umgebracht, andere starben an Vernachlässigung und Hungertod.

Das heutige Gedenken

“Nichts von dem, was passiert ist, können wir rückgängig machen, aber wir sind und bleiben allen Opfern des Nationalsozialismus verpflichtet.” sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm, am Freitag beim zentralen bayerischen Trauerakt am Sitz des Dominikus-Ringeisen-Werks.

Die Zahl der Zeitzeugen, die dies selbst miterlebten wird immer weniger. Gerade deshalb ist es wichtig, das Geschehene nicht zu vergessen zu einer Zeit, in der die Menschen in Frieden und Demokratie aufwachsen dürfen und die vergangene NS-Zeit weit entfernt und unvorstellbar scheint.

Doch auch heute werden wir immer wieder mit Fragen der Menschenrechte konfrontiert, mit der Frage, wer und wie wir sein wollen und wie wir miteinander umgehen wollten. Auch heute gibt es wieder Parteien, die mit (rechts-) populistischen Aussagen versuchen, die Würde einiger Menschen in Frage zu stellen. Gerade deshalb müssen wir uns weiterhin an solche Tage erinnern, auch um die jüngere Generation aufzuklären und zu informieren und um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passieren kann.

Geschrieben von Marlene Schuh