“Den” typischen Asylsuchenden gibt es nicht

Geschrieben von Julia Poweleit (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 29. März 2018 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2018/03/den-typischen-asylsuchenden-gibt-es-nicht/>
Abgerufen am 25. April 2018 um 17:53 Uhr

– “Asylsuchende in Bayern”-eine quantitative und qualitative Studie der Hanns Seidel Stiftung

Wieso eine Studie über Asylsuchende in Bayern?

Bayern hat im Jahr 2015 die meisten Asylantragsstellenden aufgenommen. Ziel der Hanns Seidel Stiftung war es deshalb eine valide Datengrundlage zu schaffen, die zu einem besseren Verständnis von Beweggründen zur Flucht, soziokulturellen Hintergründen und den Werten von Geflüchteten beitragen. Zudem ermöglicht die Studie Abbau von Vorurteilen und eine objektive Einschätzung der aktuellen Sachlage.

Ziel der Studie ist auch die Erhebung und Analyse von Einstellungen, Ressourcen und Bleibeabsichten der Asylsuchenden. Diese Studie soll zu einer Versachlichung der Debatte beitragen und weitere Impulse für eine gelingende Integration geben.

Wer ist „der“ Asylsuchende?

Diese Studie soll Aufschluss geben, wer die Asylsuchenden sind, die nach Bayern kamen und wie deren Integration gelingen kann. Befragt wurden Asylsuchende aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und dem Irak, die 2015 oder 2016 in den Freistaat gekommen sind. Die Asylantragsteller der untersuchten vier Herkunftsländer unterscheiden sich in Bezug auf Herkunft, Religion, Religiosität, Fluchtursachen Einstellungsmuster. Eine generelle Einstellung oder Meinung von Asylsuchenden lässt sich nicht festmachen. Insgesamt ist ein zentraler Befund: „Den“ (typischen) Asylsuchenden gibt es nicht.

 

Welche Themen wurden untersucht?

Thema Fluchtmotive

Bei zwei Drittel der Befragten waren politische Unruhen der Grund, ihre Heimat zu verlassen. Hier ist der Anteil der Eritreer, die vor politischer Verfolgung oder dem Nationaldienst fliehen im Vergleich zu Geflüchteten aus anderen Herkunftsländern besonders hoch. Für Befragte aus dem Irak haben ethnische oder religiöse Unruhen eine besondere Bedeutung. Weitere oft angegebene Gründe waren zudem eine fehlende Zukunftsperspektive, Zerstörung der Heimat und keine Möglichkeit den Beruf weiter auszuüben.

Thema Bildung

Hier bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Herkunftsländern. Die Zahl der syrischen Asylsuchenden, die ein Studium begonnen oder abgeschlossen haben ist im Vergleich zu anderen Herkunftsländern, aber auch im Vergleich zur Akademikerquote in Deutschland sehr hoch. Der Anteil der Befragten aus Afghanistan, die zwölf Jahre lang die Schule besucht haben ist mit 12% am höchsten, allerdings stellen sie auch mit 12 % die größte Gruppe der Analphabeten.

Thema Bleibeabsicht

Für die langfristige gesellschaftliche Integration spielt die Verweildauer der Asylsuchenden in Deutschland eine relevante Rolle. Wie lange sie tatsächlich bleiben wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Die Befragung ergibt, dass die Hälfte der Asylsuchenden für immer in Deutschland bleiben will. Die andere Hälfte weiß es nicht oder gibt an, so lange bleiben zu wollen, bis in der Heimat Frieden herrscht. Hier zeigt sich ein signifikanter Unterschied nach den jeweiligen Herkunftsländern: Asylsuchende, in deren Heimat bereits seit längerer Zeit Konflikte problematisch sind, geben eher an, in Deutschland bleiben zu wollen (Afghanistan 83%, Irak 70,7%, Eritrea 62,9%) während Asylsuchende aus Syrien bei dieser Frage von großer Unsicherheit geprägt sind.

Thema Familiennachzug

Personen aus Syrien und dem Irak sind etwas älter, häufig verheiratet und haben Kinder während Personen aus Afghanistan und Eritrea zumeist männlich und auch jünger sind und sich daher seltener bereits im Herkunftsland eine Familie aufgebaut haben. Frauen sind mehrheitlich im Familienverband eingereist, jedoch sind insgesamt 36% der Frauen aus Syrien und Irak alleinstehend. Während fast alle befragten Eritreer und Afghanen alleine in Deutschland sind, trifft dieser Zustand nicht einmal auf die Hälfte der Befragten aus Syrien und Irak zu. Familiennachzug hat für alle Befragten einen hohen Stellenwert. Häufig wurde darunter jedoch verstanden, nicht nur die Kernfamilie nach Deutschland auf sicheren Weg holen zu können, sondern auch Personen außerhalb der direkten Kernfamilie.

Thema Integrationsmotivation und Zukunftserwartung

Das Gesamtbild der Zukunftspläne zeugt von einem stark ausgeprägten Wunsch, einen Platz im Arbeitsmarkt Bayern zu finden. Fast alle der befragten wollen schnell Deutschkenntnisse erwerben, um dann ein Studium oder eine Berufstätigkeit aufnehmen zu können.

Die befragten Asylsuchenden haben viel auf sich genommen, um nach Bayern zu kommen, und haben insbesondere die Erwartung an ein friedliches und eigenständiges Leben. Alle Asylsuchenden äußern in den Interviews ein stark ausgeprägtes Integrationsmotiv. Die überwiegende Mehrheit besitzt optimistische Erwartung, sich leicht im neuen Umfeld einleben zu können.Als wichtigstes Ziel wird von allen Befragten der Deutscherwerb gesehen, gefolgt von der Suche nach Arbeit und einer eigenen Wohnung.

 

Weiterhin untersucht wurden die Bereiche Deutschkenntnisse, Beruf- und Berufsorientierung, Gleichberechtigung, Religion sowie religiöse Toleranz und religiös motivierte Konflikte.

 

Fazit der Studie

Die Ergebnisse belegen den Bedarf an sprachlichen und schulischen Bildungsangeboten, an beruflicher Ausbildung und Weiterqualifikation im Hinblick auf eine Arbeitsmarktintegration größerer Gruppen von Asylsuchenden. Auch politische sowie Familien- und Elternbildung sind große Aufgaben. Die befragten Expert*innen weisen auf die zivilgesellschaftliche und soziale Integration als zukünftige Herausforderung hin. Neben den hauptamtlichen Tätigen kommt den ehrenamtlichen Helferkreisen hierbei bereits heute eine besondere Bedeutung zu.

Zur gesamten Studie geht’s hier…. (https://www NULL.google NULL.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjGm6H8-8zZAhVNyqQKHSswCR4QFggvMAE&url=https%3A%2F%2Fwww NULL.hss NULL.de%2Fdownload%2Fpublications%2FAsylsuchende_in_Bayern NULL.pdf&usg=AOvVaw2yug-i9OZgXMPZftuz7-W7)