Stipendien für Studierende – Wie funktioniert die Vergabe und was hat das eigentlich mit Politik zu tun?

Geschrieben von Andreas Käser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. März 2018 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2018/03/stipendien-fuer-studierende-wie-funktioniert-die-vergabe-und-was-hat-das-eigentlich-mit-politik-zu-tun/>
Abgerufen am 22. Oktober 2018 um 10:52 Uhr

Maike (25) kommt aus Augsburg und hat eine Ausbildung als Krankenpflegerin gemacht. Sie möchte sich beruflich weiter entwickeln und Pflegewissenschaften studieren. Außerdem setzt sich Maike politisch für bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich ein. Vom Studium verspricht sie sich im Beruf voran zu kommen. Allerdings stellt sich für Maike, wie auch für viele andere Studierende die Frage nach der Finanzierung. Ein Bekannter erzählt ihr, dass es Stipendien gibt und politische Themen da auch eine Rolle spielen. Maike ist interessiert, jedoch weiß sie noch nicht wie eine Stipendienvergabe funktioniert und informiert sich auf verschiedenen Webseiten.

Wer bekommt eigentlich ein Stipendium?

Stipendien werden in der Regel von Stiftungen vergeben. Viele potenzielle Bewerber*innen denken, dass diese Art von Studienförderung nur etwas für die Elite oder besonders gute Schüler*innen ist. Da es in Deutschland über 2000 verschiedene Vergeber von Stipendien mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen gibt, ist dieses Vorurteil unbegründet. Jede Stiftung definiert also für sich, welche Anforderungen an Bewerber*innen gestellt werden und welche Persönlichkeiten sie fördern wollen. Hierzu gibt es ein sehr breites Spektrum an möglichen Zielgruppen. Das Wichtigste bei der Bewerbung ist also die persönliche Auseinandersetzung mit den Stiftungen, denn eine Bewerbung sollte nur dann abgeschickt werden, wenn das Stipendium zum/zur Bewerber*in passt.

Welche Stiftungen gibt es?

Trotz dieser riesigen Stipendienlandschaft können sich Interessierte orientieren, denn es gibt eine Unterteilung der Stiftungen. Die 13 großen Begabtenförderungswerke nehmen hier eine zentrale Rolle ein. Darüber hinaus gibt es das Aufstiegsstipendium und das Deutschlandstipendium. Neben diesen vergleichsweise großen Organisationen gibt es auch über 2000 kleine Stiftungen.

Mit den Begabtenförderungswerken sind 13 Stiftungen gemeint, die ihre Stipendiaten*innen sowohl finanziell, als auch ideell (mit diversen Angeboten, Seminaren und Netzwerken) fördern. Sie stehen gesellschaftlichen Institutionen oder bestimmten Zielrichtungen nahe (z.B. politisch oder religiös). Das Deutschlandstipendium wird direkt von den Hochschulen vergeben. Das Aufstiegsstipendium richtet sich an Berufstätige, die sich durch besondere Leistungen ausgezeichnet haben. Die größte Recherchearbeit ist für die zahlreichen kleinen und privaten Stiftungen notwendig. Sie vergeben die Förderung nach den unterschiedlichsten Kriterien, auch orts- oder fachgebunden. Allerdings gibt es zahlreiche Suchmaschinen im Internet, die das Finden von passenden Stipendien erleichtern.

Nach welchen Kriterien wählen die Stiftungen aus?

Auch wenn es von Stiftung zu Stiftung Abweichungen geben kann, so können unterm Strich doch drei Kriterien genannt werden, nach denen die zukünftigen Stipendiaten*innen ausgewählt werden. Es ist das Engagement, die Leistung und die richtige Passung der Bewerber*innen.

Mit engagierten Menschen meinen die Stiftungen all diejenigen, die sich in den verschiedensten Kontexten für andere Menschen, für das Allgemeinwohl oder die Umwelt engagieren. Dieses solidarische und uneigennützige Engagement sollte bei der Bewerbung auch nachgewiesen werden können. Die Leistung definieren die Stiftungen unterschiedlich. Noten spielen auch eine Rolle, jedoch betrachten viele Stipendiengeber die Leistung im Kontext der persönlichen Biografie und des individuellen Leistungsvermögens. Leistung meint auch, die Fähigkeit von zielgerichtetem und reflektiertem Denken. Die Noten allein, sind bei den allermeisten Stiftungen nicht ausschlaggebend. Die richtige Passung ist im Rahmen der Stipendienbewerbung so zu verstehen, dass die Stiftungen Studierende fördern wollen die zu ihnen passen. Also Menschen die sich mit den Werten und Zielsetzungen der Stiftung identifizieren und sich auch dementsprechend einbringen können.

Maike könnte sich beispielsweise bei einer parteinahen oder gewerkschaftsnahen Stiftung bewerben, weil sie sich bereits politisch für bessere Arbeitsbedingungen einbringt. Die genauen Kriterien und ideellen Ausrichtungen muss Maike jedoch direkt bei den Stiftungen recherchieren.

Wie laufen die Bewerbungen ab?

Die genauen Bewerbungsabläufe definiert jede Stiftung für sich. Meistens sind es mehrstufige Verfahren. Typisch für die Begabtenförderungswerke sind im ersten Schritt Online-Bewerbungen, in denen erste Angaben zur Biografie, zum Engagement, zu Schulleistungen und zur Motivation gemacht werden. Oftmals werden hier auch schon schriftliche Nachweise eingefordert. Im zweiten Schritt werden meistens verschiedene Gutachten von ehemaligen oder aktuellen Lehrkräfte und eine detailliertere Bewerbung mit Motivationsschreiben, Lebensläufen und Ähnlichem gefordert. Gutachtengespräche mit Vertrauensdozenten*innen sind bei den Stiftungen als dritter Schritt beliebt. Diese Gespräche führen oftmals ehemalige Stipendiaten oder Hochschulprofessoren*innen und verfassen ein Gutachten über die Bewerber. Im letzten Schritt finden oft Auswahlgespräche statt, die verschiedene Teilnehmer aus dem Entscheidungsgremium führen. Hier gibt es sehr unterschiedliche Formen, jedoch treffen sich hier, meist zum ersten mal die einzelnen Bewerber.

Was haben Stipendien mit Politik zu tun?

Viele Stiftungen stehen wie oben beschrieben den unterschiedlichsten politischen, weltanschaulichen, ideellen oder gesellschaftlichen Richtungen nahe. Insofern ist für potenzielle Stipendiaten*innen die persönliche Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen, wie auch Fragestellungen von eminenter Wichtigkeit. So unterschiedlich die einzelnen politischen Werte und Ausrichtungen auch sind, im Kern wollen die Stipendiengeber engagierte, reflektierte und zielorientierte Menschen bei ihrem Studium und ihrer Persönlichkeitsentwicklung mit finanzieller und ideeller Förderung unterstützen. Politisches Interesse und Engagement ist mitunter ein Schlüssel für eine erfolgreiche Bewerbung.

Maike ist mittlerweile im Studiengang Pflegewissenschaften immatrikuliert und will sich noch vor Studienbeginn für die Stipendien bewerben. Sie hat sich bei ihrem zuständigen Studentenwerk und bei den Hilfewebseiten für Stipendien im Internet beraten lassen. Hier konnte sie alle Fragen stellen und kann nun die hilfreichen Tipps gleich in die Bewerbungen mit einfließen lassen. Maike konnte ihrer Freundin Elsa, die sich ebenfalls für Stipendien interessiert folgenden Rat geben: „Wichtig ist, dass du dich intensiv mit den unterschiedlichsten Stipendien auseinander-setzt, dir Stiftungen aussuchst mit denen du dich identifizieren kannst, keine terminlichen Fristen versäumst und dass du dich traust dich zu bewerben, denn auch du kannst es schaffen!“